Deutsche AIDS-Hilfe veröffentlicht erstmals Daten zu Diskriminierung von Menschen mit HIV

Deutsche AIDS-Hilfe veröffentlicht erstmals Daten zu Diskriminierung von Menschen mit HIV

ID: 704854
(ots) - Zum ersten Mal liegen aussagekräftige Daten zur
Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV in
Deutschland vor. Im Vorfeld ihrer Konferenz "Positive Begegnungen",
die am Donnerstag in Wolfsburg beginnt, hat die Deutsche AIDS-Hilfe
am Mittwoch Vormittag bei einer Pressekonferenz die Ergebnisse ihrer
Studie "positive stimmen" vorgestellt.

"positive stimmen" ist die deutsche Umsetzung des internationalen
Projektes "The People living with HIV Stigma Index", das unter
anderem von der HIV/Aids-Organisation der Vereinten Nationen, UNAIDS,
und dem Globalen Netzwerk von Menschen mit HIV, GNP+, getragen wird.
Das Prinzip: HIV-Positive befragen HIV-Positive. So werden in dieser
Studie nicht nur Stigmatisierung und Diskriminierung sichtbar,
sondern gleichzeitig können sich alle Beteiligten mit ihrer Situation
auseinandersetzen und Wege zum Umgang damit entwickeln. Forschung und
Ermutigung, Hilfe zur Selbsthilfe gehen Hand in Hand.

In Deutschland fanden 1.148 Interviews statt.

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

- Knapp 77% der Befragten hatten im Jahr vor der Befragung
Diskriminierung erlebt - von Tratsch über Beleidigungen bis hin
zu tätlichen Angriffen.

- Rund 20% der Befragten wurde im Jahr vor der Befragung aufgrund
von HIV eine medizinische Behandlung verweigert (zum Beispiel
beim Zahnarzt).
- Es verloren mehr Leute ihren Job aufgrund von Diskriminierung
als aus gesundheitlichen Gründen. Kündigungen hatten in 84% der
Fälle mit Diskriminierung zu tun.
- 30% der Befragten haben sich von ihrer Familie zurückgezogen.
Bei denen, die zuvor bereits Ausschlusserfahrungen in der
Familie machen mussten, waren es sogar 66%.
- Stigmatisierung und Diskriminierung werden verinnerlicht: 42%
berichteten, sie hätten im Jahr vor der Befragung aufgrund von


HIV ein niedriges Selbstwertgefühl gehabt.
- Die gute Nachricht: 29% der Befragten gehen gegenüber ihrem
Arbeitgeber offen mit ihrer Infektion um - mehr als meist
vermutet. 61% tun dies allerdings nicht, viele davon aus Angst
vor Benachteiligung. (Rest zu 100 Prozent: Mischformen).
- 74% der Arbeitgeber reagierten auf das Coming-out HIV-Positiver
unterstützend oder neutral, 26% diskriminierend.

Dazu sagt Carsten Schatz, Mitglied im Vorstand der Deutschen
AIDS-Hilfe:

"Die in der Befragung deutlich gewordene Diskriminierung im Alltag
ist nicht überraschend, aber völlig inakzeptabel. Unser Ziel bleibt
eine Gesellschaft ohne Diskriminierung. Die Politik und die gesamte
Gesellschaft sind aufgerufen, sich dafür einzusetzen. Die
Bundesregierung muss HIV-Positive und chronisch Kranke endlich
ausdrücklich unter den Schutz des Allgemeinen Gesetzes zur
Gleichbehandlung (AGG) stellen. Arbeitgeber und Berufsverbände sind
aufgefordert klarzustellen, dass HIV kein Hinderungsgrund ist, wenn
es um die Ausübung des Berufes geht. Und nicht zuletzt kann sich
jeder einzelne Mensch fragen, wo sein eigenes Denken und Handeln von
Vorurteilen und Ängsten geprägt ist. Informationen und realistische
Bilder vom Leben mit HIV sind die besten Mittel, damit umzugehen.
Diskriminierung ist heilbar!"

Die Befragung selbst geht hier mit gutem Beispiel voran. So sagt
Teilnehmer Manni im Interview: ",positive stimmen' ist sicher auch
ein Stück auf dem Weg zu mehr Offenheit im Umgang mit HIV!"

Markus Schmidt vom Projektbeirat und selbst HIV-positiv: "Dieses
Projekt ist ein wichtiger Schritt, um dem Leben mit HIV aktuelle
Gesichter zu geben." Und Michael Jähme, ebenfalls vom Projektbeirat
und HIV-positiv: "Das Leben mit HIV ist ganz anders, als die meisten
sich das vorstellen. HIV-Positive dürfen sich stark fühlen, sie
dürfen sich empören und fordern, dass es nicht in Ordnung ist, sie zu
benachteiligen."

Eine ausführliche Dokumentation der Ergebnisse finden Sie hier:
http://ots.de/8DJuh.

Die Ergebnisse der Befragung werden bei der Konferenz in Wolfsburg
bei vielen Veranstaltungen diskutiert. Mehr Informationen dazu finden
Sie hier: http://ots.de/9srsx.

Weitere Informationen: www.aidshilfe.de



Pressekontakt:
Holger Wicht
Referent für Öffentlichkeitsarbeit/Pressesprecher
Tel. 0171 274 95 11
holger.wicht@dah.aidshilfe.de

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Datum: 22.08.2012 - 13:01 Uhr
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