10 Jahre in China
ID: 708632
Zusammenarbeit für langfristigen Wohlstand
"Durch die didaktische Zusammenarbeit lernen wir etwas über die ökonomische Zukunft Chinas", erklärt Dr. Beschorner. Der Kontakt der Hochschule zu den fernöstlichen Unternehmen, Universitäten und Studenten zeige, die Wirtschaft des Landes muss produktiver werden. Dazu muss sie auch auf technische Entwicklung setzen. Aufgrund steigender Löhne und höherer Ansprüche der Bevölkerung könne das Prinzip der billigen manuellen Arbeit bei geringer Produktivität langfristig nicht aufrecht erhalten werden. "Das haben die Chinesen selbst schon erkannt", so Dr. Beschorner. Nicht umsonst vermeide die Regierung eine Aufwertung des Yuan. Zwar werden sich chinesische Eigenarten wie Improvisationstalent und das Treffen schneller Entscheidungen bewahren. Es werde jedoch dazu kommen, dass sich die wirtschaftlichen und preislichen Strukturen immer stärker den westlichen annähern. Dies äußere sich auch durch die höhere Aktivität Chinas in Europa.
Grund zur Sorge bestehe deshalb nicht. Das bestätigte Wirtschaftsminister Philipp Rösler kürzlich auf einer Tagung des Deutsch-Chinesischen Forums. Rösler erklärte, dass es in der heimischen Wirtschaft immer noch psychologische Vorbehalte gegenüber chinesischen Engagements in Deutschland gebe. Dabei seien die Zeiten, in denen Chinesen deutsche Unternehmen aufgekauft und in China wieder aufgebaut hätten, lange vorbei. Das sieht Dr. Beschorner auch so und ergänzt: "Wir dürfen uns nicht abschotten. Nur wirtschaftliche Verflechtungen und freier Handel verhindern, dass sich ein Fall wie Japan wiederholt." In den 70er Jahren entstand durch große Außenhandelsüberschüsse des Landes eine Spekulationsblase am Aktien- und Immobilienmarkt. Als sie Anfang der 90er platze, fielen die Immobilienpreise in den Keller, die Aktienmärkte stürzten ab, Banken saßen auf faulen Krediten. Erst im Jahr 2003 erholte sich Japans Wirtschaft wieder. "Wenn sich die wirtschaftlichen und politischen Fehler, die damals auch der Westen gemacht hat, wiederholen, hätte es im Fall China noch viel weitreichendere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft", prognostiziert Dr. Beschorner. Bereits jetzt ist die Differenz zwischen Aus- und Einfuhr von Waren in China gewaltig: Laut WTO-Angaben exportierte das Land 2011 Güter im Wert von rund 1.898 Milliarden US-Dollar, importierte aber nur im Wert von 1.743 Milliarden US-Dollar. Durch diesen Überschuss beeinflusse China global die Wirtschafts- und Finanzwelt.
Um solchen Effekten entgegenzuwirken, gebe es politisch kaum Mittel, weiß der Kanzler der FOM Hochschule. "Gut für die Weltwirtschaft wäre es, wenn das Lohnniveau in China steigt und so den Konsum und den Import im Land ankurbelt." Mit der Qualifikation chinesischer Studenten für besser bezahlte Stellen würden automatisch auch die Löhne im Land steigen. Hochschulkooperationen und insbesondere das Engagement der FOM Hochschule haben einen indirekten Effekt auf das Reich der Mitte. Außerdem würden die chinesischen Manager, die an der FOM Hochschule in Deutschland gelernt haben, sich zurück in ihrer Heimat an Trends und Standards aus Deutschland häufig orientieren. So wüchse ebenfalls der Bedarf an mehr Import nach China. "Ich habe selbst schon häufig erlebt, dass unsere Absolventen ein Unternehmen in Deutschland gegründet haben, um deutsche Produkte von hier nach China zu exportieren", so Dr. Beschorner.
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Datum: 28.08.2012 - 14:30 Uhr
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