"DER STANDARD"-Kommentar: "Zeit für eine Neutralitätsdebatte" von Eric Frey

"DER STANDARD"-Kommentar: "Zeit für eine Neutralitätsdebatte" von Eric Frey

ID: 708951
(ots) - Wenn in den kommenden fünf Monaten die Österreicher
tatsächlich das Für und Wider eines Berufsheers ernsthaft
diskutieren, dann wird ihnen einen Blick zu den europäischen
Nachbarn nicht erspart bleiben. Dieser bietet Munition für beide
Seiten: Einerseits gibt es nur noch wenige Länder in der EU, die an
der allgemeinen Wehrpflicht festhalten. Und dieser Trend hat gute
Gründe: Die alte Volksarmee, die das Heimatland gegen äußere Feinde
verteidigt, hat seit dem Ende des Kalten Krieges ausgedient.

Andererseits läuft der Aufbau von Berufsheeren nirgendwo so glatt,
wie es Studien vorausgesagt haben. Ob Belgien, Schweden oder
Deutschland - überall fehlt es an Freiwilligen, die auch nur ein
paar Jahre ihres Lebens der Landesverteidigung widmen wollen. Als
Folge sinkt die Qualität der Soldaten, da die Armeen weniger
selektiv werden, und steigen die Kosten, da sie mehr Sold bieten
müssen.

Diese Probleme kennen sogar die angelsächsischen Staaten, die
schon seit Jahrzehnten auf die Wehrpflicht verzichten. Vor allem
während des Irakkriegs hatten die US-Streitkräfte die größten
Schwierigkeiten, genügend Truppen für den Kriegseinsatz zu finden.
Und das niedrige Bildungsniveau vieler einfacher Soldaten trug viel
zu den Übergriffen und Kriegsverbrechen bei, die dem Ansehen Amerikas
so sehr geschadet haben.

Auch Österreich wird sich, sollten sich die Wähler für das Ende
der Wehrpflicht entscheiden, überlegen müssen, wie ohne große
Mehrkosten eine professionelle Armee geschaffen werden soll, die ihre
Aufgaben erfüllen kann, ohne dass sich das Land für sie schämen muss.
Aber bei uns gibt es auch weitere Schwierigkeiten, die andere Staaten
nicht in diesem Ausmaß kennen. Die Wehrpflicht war seit Jahrzehnten
dank der Popularität des Zivildienstes eine billige Quelle von
Sozialarbeitern. Und selbst nach Ende des sinnlosen


Assistenzeinsatzes an der Ostgrenze ist nicht die Landesverteidigung,
sondern der Katastrophenschutz die wahre Hauptaufgabe des
Bundesheers. Kein Berufsheer kann diese Missionen effizient erfüllen.

Deshalb wäre es jetzt an der Zeit, darüber zu diskutieren, was wir
mit unserem Heer eigentlich wollen. Für Krankentransporte braucht
man Sozialhelfer, die auch im Ausland angeworben werden können. Für
Naturkatastrophenschutz gehört eine Art Technisches Hilfswerk nach
deutschem Vorbild her, das dann auch im Ausland zum Einsatz kommen
könnte. Auch hier dürfte ein österreichischer Pass keine
Vorbedingung sein.

Und für die Landesverteidigung hat ein kleines Berufskorps nur
dann einen Sinn, wenn es eng mit den befreundeten Nachbarstaaten
zusammenarbeitet. Das aber wird durch unser Festhalten an der
Neutralität verhindert oder zumindest massiv erschwert. Nur innerhalb
der Nato könnten ein paar zehntausend Berufssoldaten einen sinnvollen
Beitrag zur nationalen Sicherheit leisten. Sonst wird das neue Heer
zu einer Farce, der die Politik allmählich wohl die letzten
Budgetmittel entziehen wird.

Die SPÖ und andere, die nach dem Ende der Wehrpflicht schreien,
sind sich dieser Realitäten kaum bewusst. Vielleicht dämmert es
ihnen, wenn demnächst eine ernsthafte Sicherheitsdebatte ausbricht.
Zu befürchten ist allerdings, dass sich die Diskussion bis zum
Urnengang darin erschöpft, welches Modell ein paar Millionen mehr
oder weniger kostet.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF   Ludwigsburger Kreiszeitung ist neuer Partner im Medien-Netzwerk von immowelt.de
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 28.08.2012 - 19:20 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 708951
Anzahl Zeichen: 3814

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Das Ende der Wehrpflicht ist überall schwierig - in Österreich ganz besonders (ET 29.08.2012) Wi



Kategorie:

Medien und Unterhaltung



Diese Pressemitteilung wurde bisher 213 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
""DER STANDARD"-Kommentar: "Zeit für eine Neutralitätsdebatte" von Eric Frey"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Der Standard (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).


Weitere Mitteilungen von Der Standard


"Quadriga": TV-Magazin wird zum 500. Mal produziert ...
Die Deutsche Welle produziert am Donnerstag, 30. August 2012, die internationale TV-Talkshow Quadriga zum 500. Mal. Die Sendung ist damit seit beinahe zehn Jahren wöchentlich weltweit on air. Im Mittelpunkt von "Quadriga" steht immer ein globales Thema der Woche, das aus verschie

IFA-Trend Smart-TV / video-Leser sehen TV-&Online-Mediatheken als Killer-Applikation ...
Auf der IFA 2012 zählt Smart-TV wieder zu den Topthemen der Messe. Das Fachmagazin video hat 400 seiner Leser bereits vorab befragt, wie und welche smarten Funktionen ihrer Fernseher sie gern nutzen. Mediatheken und der Abruf eigener Inhalte via Heimnetzwerk liegen in der Hitliste ganz vorn, HbbTV

Drehstart für ZDF-"Fernsehfilm der Woche" "Die Toten von Hameln" / Mit Julia Koschitz, Bjarne Mädel und Matthias Habich in den Hauptrollen ...
In Hameln und Berlin stehen von Dienstag, 28. August 2012, an Julia Koschitz, Bjarne Mädel, Matthias Habich, Ruth Reinecke, Hannes Wegener und andere für "Die Toten von Hameln" (Arbeitstitel) vor der Kamera. Der ZDF-"Fernsehfilm der Woche" wird inszeniert von Christian von C


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z