Neue OZ: Kommentar zu Unfälle / Schifffahrt / Flaminia
ID: 718135
Ja, das Bürokratie-Ungetüm Europäische Union hat auch für einen
Fall wie den der "Flaminia" eine Richtlinie in der Schublade. Die
lautet: Wenn Gefahr für Mensch oder Umwelt besteht, müssen
Anrainerstaaten einen Nothafen ausweisen. Das hat im Fall des
Havaristen nicht geklappt. Wochenlang dümpelte der Frachter im
Atlantik. Ein Trauerspiel!
Bei den vielen Fragen, die diese Odyssee aufwirft, drängt sich
eine besonders auf: Was wäre passiert, wenn das Schiff nicht unter
deutscher Flagge gefahren wäre? Hätten die Anrainer gewartet, bis
sich das brennende Problem von selbst gelöst hätte, sprich der
Frachter gesunken wäre? Der Verdacht drängt sich auf und gibt zu
denken: Draußen auf den Weltmeeren sind Schiffe unterwegs, die weit
heiklerere Ware transportieren als die "Flaminia" mit ihren gerade
einmal 150 Gefahrgutcontainern.
Im Übrigen sei bei dem Schulterklopfen auf deutscher Seite
angesichts des selbstlosen Rettungseinsatzes daran erinnert: Erst ein
ähnliches Debakel führte zu Notfallvorkehrungen in Deutschland. Die
Rede ist vom brennenden Holzfrachter "Pallas", der 1998 auf Grund
lief und bis heute als Mahnmal aus der Nordsee ragt. Das war die
Geburtsstunde des heute viel gelobten Havariekommandos. Die beiden
Unglücke machen wieder eins deutlich: Es muss immer erst etwas
geschehen, bis gehandelt wird. Der falsche Weg, denn Vorsorge ist
bekanntlich günstiger als Nachsorge.
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Datum: 10.09.2012 - 22:00 Uhr
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