Positionen und Perspektiven der geistig-moralischen Wende
30 Jahre nach dem Regierungswechsel von 1982
Aus historischer Perspektive, so der Politikwissenschaftler, Zeithistoriker und Kohl-Biograph Prof. Dr. Hans-Peter Schwarz, handelte es sich um eine halbe Wende, gleichzeitig geprägt von sozialpolitischer Kontinuität und außen- wie europapolitisch neuen Akzenten. Diese eigentümliche Zusammensetzung, die bis heute nachhallt, lässt sich auch aus den Ereignissen des Regierungswechsels im September 1982 erklären, so Schwarz vor den Zuhörern in der Hanns-Seidel-Stiftung. Das Detail dieser Wochen interessiert zu Recht, weil die näheren Umstände des Regierungswechsels und die dabei erfolgten Sach- und Personalentscheidungen die Kanzlerschaft Kohls auf Jahre hinaus begleiteten, auch belasteten.
Dr. Oscar Schneider (CSU) wurde 1982 in die Regierung Kohl als Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau berufen und prägte u.a. die Kulturpolitik der Ära Kohl mit. Charakterisiert von geschichtspolitischen Schwerpunktsetzungen und dem politischen Willen, das Bewusstsein von der Einheit der Nation wachzuhalten, gehörte sie zu den Herzstücken einer Politik der geistig-moralischen Wende und verband sich mit Kohls deutschlandpolitischen Visionen. Schneider betont, dass die entscheidenden Weichen für diese Kulturpolitik der nationalen Einheit bereits 1982/83 gestellt wurden: Diese Entscheidungen fielen alle im ersten Jahr von Kohls Kanzlerschaft; in seinen Regierungserklärungen der Jahre 1982 und 1983 hat er sie verkündet. Zu dieser Zeit stand der Zeiger auf der Weltuhr noch auf Trennung und Teilung.
Die Moderatorin Dr. Martina Steber rückte in dem Gespräch außerdem die internationale Dimension der "neo-konservativen Wende" ins Blickfeld. Steber warf die Frage nach der generationellen Prägung des Regierungswechsels und den daraus resultierenden außen- und europapolitischen Implikationen auf.
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Datum: 19.09.2012 - 08:50 Uhr
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