Börsen-Zeitung: Juristische Klärung, Kommentar zur Rechtmäßigkeit von Staatsanleihekäufen der Europäischen Zetralbank (EZB), von Stephan Lorz.
ID: 729239
Staatsanleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) ist
eingeläutet. Bundesbank und EZB, die beiden maßgeblichen
Kontrahenten, prüften derzeit die rechtlichen Grundlagen für ihre
jeweils entgegengesetzte Argumentation, heißt es. Sie müssen
gewappnet sein, wenn das Bundesverfassungsgericht wie angekündigt die
Rechtmäßigkeit der Anleihekäufe abklopft und hierzu zum Jahresende
noch zu einer mündlichen Verhandlung lädt. Außerdem dürfte auch der
Europäische Gerichtshof (EuGH) über die diesbezügliche Auslegung der
Europaverträge urteilen.
Nach Ansicht von EZB-Chef Mario Draghi ist die Kaufankündigung
nötig gewesen, um die Märkte zu beruhigen, die Gefahr eines Zerfalls
der Eurozone zu bannen und Störungen bei der Übertragung der
Geldpolitik in die Realwirtschaft zu überwinden. Nach Auffassung von
Kritikern wie Bundesbankchef Jens Weidmann geht dieser Schritt indes
weit über das Mandat der EZB hinaus, verletzt das Verbot der
Staatsfinanzierung, schafft selber neue Risiken und untergräbt
letztlich das Vertrauen in die Notenbank.
Tatsächlich wird mit den möglichen Anleihekäufen das Zinsniveau
für die Krisenstaaten gesenkt, was ihnen die Verschuldung erleichtert
und den Druck zur Konsolidierung nimmt. Und ob die von Draghi für die
Anleihekäufe zur Voraussetzung gemachten strengen Auflagen
tatsächlich eingehalten werden und Zuwiderhandlungen zu einem Stopp
der EZB-Käufe führen, ist wegen der dann zu erwartenden massiven
Marktreaktionen eher fraglich. Die EZB begibt sich jedenfalls in die
Hände der Politik - und opfert damit gerade jenes Gut, das sie
vorgibt durch ihre aktuelle Politik zu verteidigen: ihre
Unabhängigkeit.
Befürworter und Kritiker der Staatsanleihekäufe stehen sich wegen
der grundlegenden Bedeutung dieser Frage unversöhnlich gegenüber.
Dass sich die EZB in einer rechtlichen Grauzone bewegt, ist ihr wohl
selbst klar. Die Argumentation von der Störung des geldpolitischen
Kanals ist eine Einschätzungssache - aber auch der Gegenbeweis lässt
sich nicht antreten. Insofern ist es zu begrüßen, wenn zumindest die
juristische Prüfung auf eine klare Entscheidung hinausläuft. Man mag
die Urteile aus Karlsruhe oder Luxemburg dann kritisieren, muss aber
mit ihnen leben. Die Frage über den richtigen Weg aus der Euro-Krise
landet dann wieder dort, wo sie hingehört: im politischen Raum.
Befürworter und Kritiker der Anleihekäufe müssen Mehrheiten für ihre
Positionen finden. So funktioniert Demokratie.
(Börsen-Zeitung, 26.9.2012)
Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 25.09.2012 - 18:20 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 729239
Anzahl Zeichen: 2963
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Frankfurt
Kategorie:
Wirtschaft (allg.)
Diese Pressemitteilung wurde bisher 291 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Börsen-Zeitung: Juristische Klärung, Kommentar zur Rechtmäßigkeit von Staatsanleihekäufen der Europäischen Zetralbank (EZB), von Stephan Lorz."
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Börsen-Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die internationale Anleihefamilie ist vor wenigen Tagen um ein neues Mitglied erweitert worden. Nach den Green Bonds gibt es nun einen weiteren Bond mit Farbanstrich: Blue Bonds. Die Pionierrolle übernahm die Inselrepublik Seychellen, die einen zehnjährigen Bond zu einer Rendite von 6,5 Pro
Börsen-Zeitung: Die Hoffnung stirbt zuletzt, Kommentar zum Brexit von Andreas Hippin ...
Die britische Regierung hat derzeit ein großes Interesse daran, einen Deal mit der EU in greifbare Nähe rücken zu lassen. Spindoktoren haben Urlaubssperre. Positive Äußerungen aus London erhöhen den Druck auf die Gegenseite, Zugeständnisse zu machen, so das Kalkül. Zudem will Premiermin
Börsen-Zeitung: Trick or Treat?, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann ...
Passend zum Halloween-Fest laufen aus China gruselige Konjunkturdaten ein. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor, der die Stimmungslage bei den großen Zugpferden im Verarbeitenden Gewerbe abbildet, fällt wesentlich stärker als erwartet auf 50,2 Punkte und damit auf den
Weitere Mitteilungen von Börsen-Zeitung
DGAP-News: Venatus Interactive PLC: Passoker Gründer Stuart Carr führt feste Quoten und die Online Gaming Division Reel Sports mit lizensierten, archivierten FA-Cup Spielen ein ...
DGAP-News: Venatus Interactive PLC / Schlagwort(e): Sonstiges Venatus Interactive PLC: Passoker Gründer Stuart Carr führt feste Quoten und die Online Gaming Division Reel Sports mit lizensierten, archivierten FA-Cup Spielen ein 25.09.2012 / 18:04 -------------------------------------------------
Der Tagesspiegel: Grüne kritisieren höhere Bahnpreise ...
Die angekündigten Preiserhöhungen der Deutschen Bahn stoßen auf Kritik der Grünen. "Ich halte die Preiserhöhungen nicht für gerechtfertigt", sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), dem Tagesspiegel (Mittwochausgabe). Der Anstieg liege
Der Tagesspiegel: DB Autozug streicht Berlin aus dem Fahrplan ...
Die Deutsche-Bahn-Tochter DB Autozug gibt ihren Standort Berlin nahezu auf. Zum Winterfahrplan ab November werden sieben der derzeit acht Ziele ab ihrem einzigen Berliner Bahnhof Wannsee gestrichen, berichtet der Tagesspiegel (Mittwochausgabe): Bozen, Verona, Triest und Alessandria in Norditalie
Transport steckt fest im Sommerloch ...
Negativschlagzeilen über Europas Wirtschaft bestimmen die Nachrichten seit vielen Monaten. Schwer vorstellbar, dass in so einem Umfeld der Transportmarkt bestehen könnte. Und genau so ist es auch: Im dritten Quartal zeigt das TimoCom Transportbarometer nur noch ein Fracht-zu-Laderaumverhältnis v




