Neue OZ: Kommentar zu Großbritannien / Parteien
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Ähnlich wie nun Großbritanniens Premier David Cameron hat schon
mal einer seiner Vorgänger versucht, die Briten mit einer
Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede auf harte Zeiten vorzubereiten: Zwar war
der historische Kontext für Winston Churchill 1940 mitten im Zweiten
Weltkrieg ein völlig anderer; doch in ihrer schonungslosen
Ehrlichkeit sind beide Ansprachen miteinander vergleichbar.
Dass Cameron sogar Großbritanniens Selbstverständnis als eine der
führenden Industriemächte infrage stellt, birgt politischen und
gesellschaftlichen Sprengstoff. Und zeigt, wie schlecht es dem Land
geht. Cameron sitzt in der Klemme. Ihm blieb keine andere Wahl, als
die Turbulenzen offen anzusprechen. Die Umfragewerte der
Regierungskoalition aus konservativen Tories und Liberaldemokraten
sind im Keller. An diesem Zustand dürfte sich wenig ändern, solange
die britische Wirtschaft weiter dahinsiecht. Das Rumoren in der
Koalition nimmt vielmehr zu. Der Rückhalt in der Bevölkerung
schwindet weiter wegen der Kürzungen im Sozialetat.
So realistisch Camerons Analyse vom Zustand des Landes ausfällt,
die Abkehr von der EU und das Lästern über Plaudertaschen in Brüssel
hätte er sich sparen können. Das mag den rechten Parteiflügel
besänftigen. Aber hier macht es sich einer zu leicht, der Euro-Zone
und Rettungsschirm ESM ablehnt, EU-Wohltaten indes willkommen heißt.
Wie scheinheilig.
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Datum: 10.10.2012 - 22:00 Uhr
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