Otto Brenner Stiftung (OBS) legt kritische Studieüber die Sendungen von Bohlen, Klum und Katzenberger vor
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"Gäbler-Studie", zeigt, warum diese "Ikonen" besonders bei
Jugendlichen so erfolgreich sind. Stiftung regt Diskussion über
Trends des Unterhaltungsfernsehens an.
"Weder die TV-Figur Daniela Katzenberger noch die Casting-Shows
mit ihren autoritären Protagonisten Dieter Bohlen und Heidi Klum
bieten Modelle für das Einüben gesellschaftlich wichtiger Fähigkeiten
und Verhaltensweisen". So lautet das kritische Resümee der neuen
Studie "Hohle Idole" von Bernd Gäbler, die bei der Otto Brenner
Stiftung erschienen ist.
"Knie nieder!" In "Deutschland sucht den Superstar" (RTL) hat der
58-jährige "Pop-Titan" Dieter Bohlen diesen Befehl tatsächlich der
16-jährigen Kandidatin Katja erteilt, als diese um ihr Weiterkommen
bettelte. Unter dem strengen Regiment von Heidi Klum müssen die
jungen Kandidatinnen von "Germany's next Topmodel" (Pro Sieben) sich
schon mal einen Tintenfisch auf den Kopf setzen oder sich mit
Salatsauce übergießen lassen. Diese Shows präsentieren sich als harte
Prüfungen zur Vorbereitung auf die Welt "da draußen", sind aber vor
allem erstaunlich autoritär, willkürlich und erziehen zu Konformität
und Gehorsam. Parallel dazu führt die superblonde Daniela
Katzenberger in "Natürlich blond" (Vox) vor, dass man nichts können
muss, um durch das Fernsehen berühmt zu werden.
Erstmals werden die Sendungen von Bohlen, Klum und Katzenberger in
einer vergleichenden Studie kritisch durchleuchtet, detailliert
analysiert und spannend beschrieben. Es wird untersucht, wie sie
"funktionieren" und warum sie so viele Jugendliche vor den Fernseher
locken. Autor Gäbler, langjähriger Leiter des Grimme-Instituts,
verdichtet seine Ergebnisse zu Empfehlungen, die sich nicht nur an
Programmmacher und Medienkritiker wenden, sondern sich auch für die
schulische und politische Bildungsarbeit eignen. Interviews und
Tabellen (Zuschauerzahlen, Quoten, Überblick zu Casting-Shows,
ökonomische Daten) runden die innovative Untersuchung ab, die sich
auch als informatives Nachschlagewerk nutzen lässt.
Bohlen, Klum und Katzenberger werden als Ikonen einer neuen
"Ökonomie der Aufmerksamkeit" vorgestellt, die allgemeine Tendenzen
des Unterhaltungsfernsehens verkörpern. Während diese Fernsehformate
spielerisch Ratschläge für ein erfolgreiches Leben zu geben scheinen,
vermitteln sie direkt oder indirekt Normen, Werte und Haltungen, die
tief in den Alltag besonders von Jugendlichen wirken. Bohlen, Klum
und Katzenberger treffen zielgenau auf die soziale Unsicherheit
jugendlicher Zuschauer. Das heimliche Curriculum stimmt nachdenklich:
Was zählt, sind Äußerlichkeiten. Selbstvermarktung und Design treten
an die Stelle von Substanz, Kompetenz und Qualifikation. Die
Dramaturgie der Sendungen wird schonungslos entziffert, die
Protagonisten von Casting-Shows und Doku-Soap werden als "Hohle
Idole" kritisiert.
Im Vorwort zur Studie betont die Otto Brenner Stiftung, dass
"Hohle Idole" eine Diskussionsgrundlage sein kann für all jene, die
Themen, Trends und Tendenzen des Unterhaltungsfernsehens kritisch auf
den Prüfstand stellen. Zugleich versteht die Stiftung die
Untersuchung als Aufforderung an die öffentlich-rechtlichen Sender,
diese Formate nicht zu adaptieren oder mit "sanfter Nachahmung" in
den Quotenwettkampf zu ziehen.
Zitate aus der Studie zu den Sendungen von Bohlen (1), Klum (2)
und Katzenberger (3):
1. Stichwort Macht: "Würden wir die Konstellation der Mitwirkenden
an einer Casting-Show als Machtgefüge deuten, verfügten die
Kandidaten über die geringste Macht: Sie tragen vor, sie liefern sich
aus, sie sind immer nur Objekt der Beurteilung." (S. 44)
2. Stichwort Sexismus: "Symptomatisch für den Umgang von
'Germany's next Topmodel' mit den Körpern ist das immer wieder gern
genommene 'Body-Painting'. Es erlaubt, die jungen weiblichen Körper
nackt zu zeigen, aber doch so zu tun, als seien sie bedeckt." (S. 53)
3. Stichwort Inszenierung: "Es ist das Fernsehen, das erst die
Wirklichkeit ersinnt, über die es hinterher 'dokumentarisch'
berichtet." (S. 84)
Bernd Gäbler: "Hohle Idole - Was Bohlen, Klum und Katzenberger so
erfolgreich macht". Eine Studie der Otto Brenner Stiftung,
OBS-Arbeitsheft 72, 124 Seiten, Frankfurt/Main 2012.
Im Anhang der Studie u.a. Tabellen und Interviews mit Maya Götz,
Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und
Bildungsfernsehen (IZI) und Prof. Joachim von Gottberg,
Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF).
Die Studie kann elektronisch bestellt werden unter:
www.otto-brenner-stiftung.de
Pressekontakt:
Otto Brenner Stiftung
Jupp Legrand
Geschäftsführung
Wilhelm-Leuschner-Str. 79
60329 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 6693-2810
info@otto-brenner-stiftung.de
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Datum: 23.10.2012 - 08:00 Uhr
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