Boehringer Ingelheim will umstrittenes Medikament weiter verkaufen
"Report Mainz", heute, 23. Oktober 2012, 21.45 Uhr im Ersten
ID: 747902
verbotene Präparat "Buscopan Composto" weiterhin in Entwicklungs- und
Schwellenländern verkaufen. Das berichtet das ARD-Politikmagazin
"Report Mainz" in seiner heutigen Ausgabe (23. Oktober, 21.45 Uhr im
Ersten). Schmerzmittel, wie Buscopan Composto, wurden in Deutschland
1987 vom Bundesgesundheitsamt als "medizinisch nicht vertretbar"
eingestuft und vom Markt genommen. Grund dafür war, dass in der
Kombination der Wirkstoffe ein erhöhtes Risiko für die Patienten
liegt, bis hin zum tödlichen allergischen Schock. Die Pharmaindustrie
klagte gegen den Entzug der Zulassung und verlor vor Gericht. 1990
widerrief das Bundesgesundheitsamt zur "Abwehr von
Arzneimittelrisiken" dann endgültig und mit sofortiger Wirkung die
Zulassung für "Metamizol-haltige Kombinationsarzneimittel" wie
Buscopan Composto, das in Deutschland den Namen "Buscopan
Compositium" trug.
Professor Peter Schönhöfer, der damals im Bundesgesundheitsamt die
Abteilung "Arzneimittelverkehr" leitete und das Verbot ausarbeitete,
erklärte im Interview mit "Report Mainz": "1981 haben wir erfasst: 55
Todesfälle allein durch Schock. Da aber in Erfassungssystemen
spontaner Art nur 5 Prozent der tatsächlichen Ereignisse ankommen,
müssen wir davon ausgehen, dass die Realität 20-mal größer war, dass
es sich also ungefähr um 1.100 Fälle handelte." Metamizol-haltige
Kombinationspräparate wie Buscopan Composto sind wegen der Risiken
nach Angaben der Bundesärztekammer auch in den USA, Australien, Japan
sowie in den meisten Ländern Europas verboten. Boehringer Ingelheim
verkauft das Metamizol-haltige Mittel Buscopan Composto vor allem in
Südamerika, unter anderem in Brasilien, Kolumbien und Costa Rica. In
Brasilien beispielsweise ist Buscopan Composto rezeptfrei in
Drogerien und Apotheken erhältlich. Nach eigenen Angaben erzielt
Boehringer Ingelheim derzeit 11,1 Prozent seines Umsatzes in
Brasilien mit Buscopan Composto. Der Gesamtumsatz des Konzerns lag
2011 bei fast 13,2 Milliarden Euro - vor allem im Ausland.
In einer Stellungnahme gegenüber "Report Mainz" schreibt das
Pharmaunternehmen: "Das positive Nutzen-Risiko-Profil von Buscopan
Composto spricht gegen eine Marktrücknahme." Der Konzern weiter:
"Boehringer Ingelheim bietet nur Medikamente an, bei denen der Nutzen
das mögliche Gesundheitsrisiko überwiegt. Wir nehmen jede Meldung
über mögliche Nebenwirkungen sehr ernst." Das Bundesgesundheitsamt
stellte dagegen 1990 in seiner Verbotsbegründung fest: "Die
Nutzen-Risikoabwägung für die Kombinationspräparate stellt sich daher
insgesamt als negativ heraus."
Weitere Informationen finden Sie unter www.swr.de/report. Zitate
gegen Quellenangabe frei. Fragen bitte an "Report Mainz", Tel.:
06131/929-33351.
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Datum: 23.10.2012 - 14:16 Uhr
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