Badische Neueste Nachrichten: Symbolische Geste
ID: 749161
Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich in Vereinen und
Kirchengemeinden, in Umweltinitiativen, Integrationsprojekten oder
sie bringen sich als rüstige Rentner bei der Hausaufgabenhilfe ein.
Was sie für eine Gesellschaft leisten, deren Fliehkräfte sich rasant
beschleunigen, lässt sich in Euro und Cent gar nicht ausdrücken.
Diese Kultur der Mitverantwortung ist im wahrsten Sinne des Wortes
unbezahlbar. Sie ist der Kitt, der das Gemeinwesen zusammenhält. Auch
der kleine Steuernachlass, mit dem der Staat den Einsatz von
Jugendtrainern oder Chorleitern honoriert, ist nicht viel mehr als
eine symbolische Anerkennung für dieses Engagement - seinetwegen
alleine wird kaum jemand seine Feierabende und seine Wochenenden
opfern. Der wahre Charme des neuen Gesetzes, das das Kabinett gestern
beschlossen hat, liegt deshalb auch nicht in den etwas höheren
Freibeträgen für Ehrenamtliche. Profitieren werden von der
Neuregelung vor allem die Vereine, Initiativen und Stiftungen, in
denen diese Menschen sich engagieren: Union und FDP befreien sie
nicht nur von einem Teil der lästigen Steuerbürokratie: Sie können
künftig auch etwas mehr Geld zurücklegen, ohne dass das Finanzamt
sofort die Hand aufhält oder ihnen gar die Gemeinnützigkeit aberkannt
wird. Das ist vernünftig, für den Fiskus nicht allzu teuer und nach
den Scharmützeln um das Betreuungsgeld, die Rente oder die
Praxisgebühr ein Beweis, das die Koalition sich zumindest im Kleinen
noch einigen kann, wenn sie es denn will. Ohne die vielen
Ehrenamtlichen wäre Deutschland ärmer und kälter. Umgekehrt
allerdings ist dieses Engagement auch für die, die sich engagieren,
ein Gewinn. Wer sich einmischen kann, wer helfen und mitgestalten
kann, lebt zufriedener und entwickelt sich auch persönlich weiter.
Der kleine Steuervorteil ist dann nur noch das Tüpfelchen auf dem
berühmten i.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
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Datum: 24.10.2012 - 22:45 Uhr
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