Technology Reviewüber den neuen Öl-Boom / Öko-Energie in Gefahr
ID: 749839
Ölquellen sprudeln weit länger als gedacht. Galt bisher der
Förderhöhepunkt bereits 2006 als überschritten, revidiert die
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in der
aktuellen November-Ausgabe von Technology Review diese Einschätzung.
"Wir sehen in unserer Projektion den tatsächlichen Peak Oil Mitte der
2030er-Jahre", so BGR-Ölexperte Hans Georg Babies gegenüber dem
Technologiemagazin.
Laut Studien des BGR beträgt das globale Potenzial aller noch
nicht genutzten Ölvorkommen aus erschlossenen, bekannten Reserven und
schwerer zugänglichen Ressourcen gut 500 Milliarden Tonnen. Damit
stünde sogar genug Öl für 125 Jahre zur Verfügung - legt man den
heutigen Weltjahresbedarf von vier Milliarden Tonnen zu Grunde. Dank
neuer Aufbereitungs-technologien ist die Ausbeutung der Quellen
zunehmend möglich - und bei den derzeitigen hohen Ölpreisen auch
wirtschaftlich. Damit dürften die Preise für den fossilen Brennstoff
nicht wie prognostiziert stark steigen. Bis die erneuerbaren Energien
preislich mit der fossilen Energie gleichziehen können, dürfte es
länger dauern. Die Analyse stützt auch der Report "Oil: The Next
Revolution" eines Ölexperten der Harvard University. "Auch wenn die
meisten Menschen es nicht glauben: Weltweit wachsen die
Versorgungskapazitäten für Öl", schreibt Ölexperte Leonardo Maugeri
in seinem Bericht. Er stützt seine Prognose auf jene
unkonventionellen Ölvorkommen, wie sie derzeit in den USA ausgebeutet
werden. Maugeri prophezeit, dass sie sich zunehmend besser
erschließen lassen werden. Neben dem Schieferöl bilden Ölsande in
Kanada, Schwerstöl in Venezuela und Tiefseeöl vor Brasilien die
wichtigsten Säulen seiner Öl-Boom-Theorie.
Noch ist heftig umstritten, bis zu welchem Grad sich diese
riesigen Vorkommen tatsächlich ausbeuten lassen. Für Richard Miller
vom Oil Depletion Analysis Centre in London sind die Hindernisse
groß. "Eine Renaissance des Ölzeitalters sehe ich nicht", sagt er
gegenüber Technology Review. Aber auch er geht davon aus, "dass die
Erneuerbaren sich nicht so schnell entwickeln werden, wie sie
sollten. Und das werden wir im Jahr 2020 sehr bereuen."
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Datum: 25.10.2012 - 16:19 Uhr
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