Vom Mittelmaß aus in welche Richtung?
12. Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik diskutiert das deutsche Gesundheitssystem im internationalen Vergleich
v.l.n.r.: Dr. M. Reusch, Prof. R. Busse, Prof. M. Cacace und Prof. M. Augustin(firmenpresse) - (Hamburg, 31.10.2012) Auf die Frage, aus welchem europäischen Land Deutschland lernen soll, hat Prof. Reinhard Busse eine unbequeme Antwort: „Ist ganz egal, alle machen etwas besser.“ Der assoziierte Forschungsdirektor des European Observatory on Health Systems and Policies bemängelt vor allem eine unnötige Überversorgung mit 60 % mehr Klinikbetten als und nahezu doppelt so vielen Krankenhausliegetagen wie im europäischen Durchschnitt - ohne relevanten Nutzen. Er präsentiert eine Vergleichsuntersuchung zu Kosten und Überlebensrate von Infarkt-Patienten an 100 Kliniken und kommentiert: „Das beste Krankenhaus in Deutschland liegt gerade im europäischen Mittelmaß.“ Diese harte Kritik am deutschen Gesundheitssystem polarisiert. Während Busse vom europäischen Gesundheitskonsumenten-Index EHCI bis zur OECD-Studie 2011 zahlreiche Untersuchungen und Befragungen anführt, deren Daten unisono die Mittelmäßigkeit des deutschen Systems abbilden sollen, hält BVDD-Präsident Dr. Michael Reusch dagegen. Etwa seien britischen Patienten viele Leistungen unbekannt, die das deutsche System zwar teuer machen, aber Lebensqualität und Gesundheit verbessern. Reusch: „Wir haben ein hohes Leistungsniveau in Deutschland und für jeden einen schnellen Versorgungszugang - ganz anders als in anderen europäischen Ländern. Ein Deutscher wäre in England extrem unzufrieden.“ Für den Hamburger Dermatologen sind die Vergleichsindikatoren verzerrend und damit die Daten in vielen Bereichen nicht repräsentativ. Einen Klärungsversuch über die Regulierungen unterschiedlicher Systeme unternimmt die versierte Gesundheitsökonomin Prof. Mirella Cacace. Sie stellt fest, dass eine hybride Steuerungsform sehr viel besser auf die Herausforderungen reagieren kann. „Deutschland hat eine hohe Leistungsfähigkeit, aber es mangelt an Effizienz.“ Selten wurde beim Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik derart hitzig debattiert wie beim diesmaligen Vergleich der Gesundheitssysteme. Gastgeber und Initiator Prof. Matthias Augustin, Dermatologe und Versorgungsforscher am Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf, plädiert für eine evidenzbasierte Gesundheitspolitik, die mit Lernkurven aus den Erfahrungen anderer Länder arbeitet, um in Deutschland bessere Ergebnisse zu erzielen.
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Der Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik versteht sich als öffentliches Forum zur Diskussion wichtiger Entwicklungen im Gesundheitssektor. Seit 2006 lädt Prof. Matthias Augustin, renommierter Spezialist für Versorgungsforschung und Leiter des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), regelmäßig Experten aller Disziplinen des Gesundheitswesens zur Debatte ins Universitätsklinikum Eppendorf. Die Veranstaltungsreihe ist mittlerweile überregional bekannt dafür, unterschiedliche Sichtweisen auf aktuelle Themen zu bündeln und der Öffentlichkeit Fachwissen höchsten Rangs zugänglich zu machen.
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Datum: 06.11.2012 - 11:14 Uhr
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Freigabedatum: 01.11.2012
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