Mehrheit der Deutschen ist gegen staatliche Zwangslösung bei der Altersvorsorge

Mehrheit der Deutschen ist gegen staatliche Zwangslösung bei der Altersvorsorge

ID: 790379
(ots) - Die Deutschen sind durch die anhaltende
Diskussion über die Riester-Rente verunsichert. Kritik an einzelnen
Produkten, hauptsächlich Versicherungen, wird von den Menschen
pauschal als Kritik an allen Formen der Riester-Rente wahrgenommen.
Eine Unterscheidung nach Produktgattungen oder teuren und günstigen
Angeboten findet nicht statt. Die Folge: Die Befragten halten die
Riester-Rente nur für geringfügig sicherer als die gesetzliche Rente.
Diese wird von der großen Mehrheit als besonders unsicher empfunden.
Gerade Menschen mit einem geringen Einkommen geben verstärkt an, ihr
Geld lieber auszugeben, als für eine ungewisse Zukunft zu sparen. Die
von manchen Riester-Kritikern vorgeschlagene Alternative einer
verpflichtenden staatlichen Zusatzvorsorge lehnt die Mehrheit der
Deutschen ab. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage von
Union Investment zur Altersvorsorge im vierten Quartal 2012.

Die Diskussion über den Nutzen und die Vor- beziehungsweise
Nachteile der Riester-Rente verunsichert die Menschen in Deutschland.
So gibt knapp die Hälfte (44 Prozent) der Befragten an, negative
Berichte über die Riester-Rente gelesen oder gesehen zu haben. Als
häufigster Kritikpunkt blieb den Anlegern die vermeintlich geringe
Rendite (27 Prozent) im Gedächtnis, gefolgt von hohen Gebühren und
Provisionen. Mehr als jeder Fünfte konnte sich allerdings bei der
negativen Berichterstattung an keinen konkreten Vorwurf erinnern.
Ebenso nimmt die große Mehrheit (80 Prozent) die Kritik als allgemein
gegen die Riester-Rente gerichtet wahr. "Obwohl hauptsächlich die
Kosten und die Transparenz der Riester-Versicherungen bemängelt
wurden, kommt die Unterscheidung nach Produktgattungen bei den
Menschen nicht an", betont Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge
bei Union Investment. Besonders bei der jüngsten Altersgruppe


zwischen 20 und 29 Jahren können sich nur acht Prozent an Vorwürfe
bei bestimmten Riester-Produkten erinnern. Bei den 50- bis
59-Jährigen sind es hingegen 20 Prozent. "Diese Ergebnisse sind
beunruhigend. Denn das negative Image der Riester-Rente führt häufig
dazu, dass die Menschen die eigene private Vorsorge stilllegen oder
erst gar keinen Vertrag abschließen. Dabei funktioniert das System.
Mit einer guten Riester-Rente kann man ein großes Polster für die
Rentenzeit aufbauen", betont Erling. Nach Angaben des
Bundeszentralamtes für Steuern wurden bis heute für über 1.800
unterschiedliche Anbieter Riester-Zertifikate erteilt. "Würde man
beispielsweise Waschmaschinen von so vielen Herstellern untersuchen,
würde sicherlich auch hier ein Teil der Produkte nicht gut
abschneiden. Es käme allerdings niemand auf die Idee zu sagen, man
solle das Waschen am besten ganz lassen", betont Erling. Dies sieht
auch die Stiftung Warentest so: "Fondssparpläne, Banksparpläne,
Rentenversicherung oder Baudarlehen: Kaum ein Produkt ist so
vielfältig wie die Riester-Rente. Doch in jeder Produktkategorie gibt
es gute und schlechte Angebote. Daher sollte sich der Anleger vorher
informieren. Denn ein gutes Riester-Angebot lohnt sich."

Deutsche lehnen eine verpflichtende staatliche Zusatzrente ab

Der von manchen Riester-Kritikern vorgeschlagenen staatlichen
Zusatzvorsorge stehen die Deutschen skeptisch gegenüber. 60 Prozent
der Befragten bewerten solch ein System schlechter als die bisherige
Regelung einer freiwilligen Altersvorsorge. Nur 36 Prozent sind für
eine verpflichtende Zusatzrente. Auch die Frage, ob die Altersarmut
durch eine vom Staat verwaltete Lösung wirksam eingedämmt werden
kann, verneinen 67 Prozent. 29 Prozent sehen dagegen in diesem
Vorgehen ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung dieses Problems. Wie
tief die Verunsicherung über ein funktionierendes Rentensystem ist,
zeigt sich bei den Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von
weniger als 1.300 Euro pro Monat. In dieser Gruppe gibt knapp die
Hälfte (43 Prozent) an, über keine zusätzliche Altersvorsorge zu
verfügen. Als Grund dafür gibt mehr als jeder Dritte (33 Prozent) an,
dass er das Geld lieber sofort ausgeben würde, als für eine unsichere
Zukunft zu sparen. "Diese Einstellung ist bedauerlich, da die
Riester-Rente mit ihrer Förderung gerade Menschen mit einem geringen
Einkommen besonders stark unterstützt", betont Erling.

Besonders junge Menschen wollen sich immer weniger mit der
privaten Vorsorge beschäftigen

Die Debatte, welches Vorsorgesystem das geeignetste ist, scheint
sich auch auf die Bereitschaft der Menschen auszuwirken, sich mit der
privaten Altersvorsorge auseinanderzusetzen. Zu Beginn der Befragung
im dritten Quartal 2007 sahen noch 75 Prozent der Befragten die
Notwendigkeit, sich mit der privaten Vorsorge zu beschäftigen.
Seitdem fiel der Wert kontinuierlich auf aktuell 65 Prozent.
Besonders stark ist der Trend bei den 20- bis 29-Jährigen zu
beobachten. In dieser Altersgruppe fiel die Quote im gleichen
Zeitraum von 86 Prozent auf nun 52 Prozent, was der schlechteste Wert
seit der Erhebung ist. "Auch wenn das Thema Altersvorsorge zäh
erscheint, kann es doch gerade vor dem Hintergrund der zurückgehenden
staatlichen Leistungen teilweise existentiell werden. Gerade für
junge Menschen gilt: Wer heute den Kopf in den Sand steckt, darf sich
nicht wundern, wenn er morgen mit den Zähnen knirscht", warnt Erling.

Seit Mitte 2007 ermittelt das Marktforschungsinstitut Forsa im
Auftrag von Union Investment quartalsweise das Anlegerverhalten zum
Thema Altersvorsorge. Befragt werden 500 Finanzentscheider in
privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens
eine Geldanlage besitzen. Für das vierte Quartal 2012 erhob Forsa die
Daten vom 5. bis 14. November. (Bei Umfragewerten, die sich nicht zu
hundert Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der
unschlüssigen Befragten an.)



Pressekontakt:
Union Asset Management Holding AG
Markus Temme
Pressesprecher
Wiesenhüttenstr. 10
60329 Frankfurt
Tel.: 069/2567-2352
Mail: Markus.Temme@union-investment.de

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Datum: 03.01.2013 - 09:43 Uhr
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