Mindener Tageblatt: Komemntar zur Landtagswahl in Niedersachsen:
Um Kopf und Kragen
ID: 798990
benachbarten Niedersachsen eigentlich wenig Spektakuläres zu bieten.
Blasse Spitzenkandidaten auf allen Seiten, keine die Republik
aufwühlenden landespolitischen Aufregerthemen; selbst der mögliche
Machtwechsel von Schwarz-Gelb zu Rot-Grün ist höchstens aus der
Perspektive seiner bundespolitischen Folgen interessant. Genau hier
allerdings wird es spannend, und zwar weit über die üblichen Fragen
nach der politischen Arithmetik etwa im Bundesrat oder den
innerparteilichen Karriereaussichten des einen oder anderen Matadoren
hinaus. Denn dieser Urnengang ist erstens der erste echte Test für
die Bundestagswahl im September. Niemand wird sich am Wahlabend mit
dem Gegenteil herausreden können. Zweitens entscheidet er über Kopf
und Kragen von zwei Top-Bundespolitikern selbst. Wird Kanzlerkandidat
Peer Steinbrück endgültig zum Philipp Rösler der SPD? Ein allen
ursprünglichen Erfolgsvorhersagen der Niedersachsen-SPD zum Trotz
schwaches Ergebnis der Landespartei würde unweigerlich dem Zugpferd
der Bundeskampagne zur Last gelegt - und seine Eignung als solches
infrage gestellt. Schafft Rot-Grün den Machtwechsel an der Leine
nicht, wirft Steinbrück entweder hin oder hat eine quälende
innerparteiliche Diskussion am Hals. Der echte Philipp Rösler
wiederum wäre zwar jenseits sehr überraschender 5,1 Prozent für die
Liberalen vorerst aus dem Schneider der Erfolgspflicht, nicht jedoch
aus dem Schlamassel des Rechtfertigungszwangs als FDP-Galionsfigur.
Für FDP und SPD also findet am Sonntag eine echte Schicksalswahl
statt. Aber auch für CDU und Grüne geht es um mehr als ein paar
Landtagssitze mehr oder weniger, Regierungsbeteiligung in Hannover ja
oder nein. Für sie geht es um Rücken- oder Gegenwind für den
restlichen Wahlkampf bis September - und die bange Frage, ob der
jeweils schwächelnde Partner überhaupt die Wunschkoalition möglich
machen kann. Was im Versagensfall der Union immerhin noch zusätzlich
die großkoalitionäre Option böte, Grün aber in ungeliebte
Schwarz-Diskussionen stürzte.
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Mindener Tageblatt
Christoph Pepper
Telefon: (0571) 882-/-248
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Datum: 18.01.2013 - 18:45 Uhr
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