US-Kapitalmarktforscher Robert Arnott warnt vor dauerhaft niedrigen Kapitalmarkt-Renditen: "Auf Wirtschaft und Märkte der Industrieländer rollt ein Hurrikan zu"
ID: 800383
Kapitalmarkt-Theoretiker Robert Arnott warnt vor jahrzehntelang
deutlich niedrigerem Wirtschaftswachstum und niedrigeren
Kapitalmarktrenditen in den Industriestaaten. Auf Japan, Europa und
die USA rolle "ein Hurrikan" zu, sagte der Wissenschaftler im
Interview mit dem Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 2/2013, EVT
24. Januar). "Der Hurrikan speist sich aus Defiziten, Schulden und
der Demografie. Alle drei Probleme hängen eng zusammen: Schlechte
demografische Daten belasten stets die Wirtschaft. Schon in normalen
Zeiten ist es da schwierig, die Schulden in den Griff zu bekommen.
Wir leben aber nicht in normalen Zeiten, unsere Staatsdefizite ufern
aus".
Die ersten Anzeichen einer Zuspitzung seien bereits in Europa zu
spüren, doch die Probleme würden auch "bald die USA erreichen".
Rechne man sämtliche Defizite staatlicher Agenturen wie Fannie Mae
und Freddie Mac sowie noch zu finanzierende Lasten künftiger
Zahlungsverpflichtungen zusammen, betrage der aktuelle
Haushaltsfehlbetrag rund 6.000 Milliarden Dollar und sei kaum mehr
beherrschbar. Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund
15.000 Milliarden Dollar. Das seien "unhaltbare Relationen", die sich
nur deshalb noch nicht negativ ausgewirkt hätten, weil die USA als
größte Volkswirtschaft die Weltreservewährung Dollar stellten.
Der 58-jährige Arnott ist seit Ende der 70er-Jahre auf empirische
Kapitalmarktforschung spezialisiert und verwaltet zudem für die
US-Fondsgesellschaft Pimco den 27 Milliarden Dollar schweren All
Asset Fund, der allerdings nicht in Deutschland zum Vertrieb
zugelassen wird. Einen Namen gemacht hat sich Arnott vor allem mit
Studien über die Zusammenhänge von Kapitalmärkten und Demografie. "Am
produktivsten sind Menschen, wenn sie zwischen 40 und 59 Jahre alt
sind", sagte Arnott im 'Capital'-Interview. "Wenn eine
Volkswirtschaft von dieser Altersgruppe dominiert wird, erreicht die
Produktivität ihr zyklisches Hoch, so wie zuletzt in den USA und
Westeuropa. Das heißt: Von hier an geht's abwärts."
Sparer dürften sich keine Hoffnungen auf bald wieder steigende
Kapitalmarktzinsen machen, so Arnott: "Der demografische Wandel
drückt massiv auf die Zinsen in den Industrieländern, eine Ausnahme
bilden da nur die Euro-Peripherieländer wegen ihres Ausfallrisikos.
Für eine Volkswirtschaft wie Deutschland ist das natürliche, reale -
also inflationsbereinigte - Zinsniveau negativ. Und es wird noch für
eine lange Zeit negativ bleiben, sofern Deutschland nicht zum
Wirtschaftsmodell schuldenbasierten Konsums übergeht."
Pressekontakt:
Christian Kirchner, Redaktion G+J Wirtschaftsmedien,
Tel. 069/153097-8010, E-Mail: kirchner.christian@guj.de
www.capital.de
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Datum: 22.01.2013 - 11:00 Uhr
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