Schwäbische Zeitung: Der Papst und die Deutschen - Leitartikel
ID: 813921
deutschen Papst. Sie haben sich schon schwer getan mit dem polnischen
Vorgänger Benedikts XVI. Und sie werden sich auch schwer tun mit
seinem Nachfolger, ob der nun aus Europa, aus Afrika, aus Südamerika
oder aus China kommt. So ist das halt im Land der Reformation. Die
Deutschen - das sind heutzutage Protestanten, Atheisten,
Kulturchristen, Muslime, Juden, Buddhisten, Katholiken und Diverses
mehr. Eigenartigerweise haben aber alle Erwartungen an den Papst. Als
moralische und spirituelle Instanz scheint dem Petrus-Amt doch ein
Gewicht innezuwohnen, das in diametralem Gegensatz steht zu all der
Kritik, Häme und Gehässigkeit, mit der ein Papst insbesondere in
Deutschland rechnen muss. Was erwarten speziell die deutschen
Christen vom Papst? Die Protestanten wünschen sich vor allem einen
Ökumeniker. Sie blenden dabei aber oft aus, dass die Einheit der
Christen mehr ist als ein Ausgleich zwischen evangelisch und
katholisch. Ein solcher würde beispielsweise die gesamte orthodoxe
Christenheit vor den Kopf stoßen. Umgekehrt blieben bei einer
katholisch-orthodoxen Einigung die Protestanten außen vor. Das will
niemand. Kurz: Manche Erwartungen sind zu hoch geschraubt. Und die
deutschen Katholiken? Sie teilen sich - grob gerastert - in solche,
die von sich behaupten: "Wir sind Kirche", und in solche, die
sonntags noch in die Kirche gehen und ganz normal katholisch sein
wollen. Die einen fordern viel: Abschaffung des Zölibats, Zulassung
der Frauenordination und so weiter und so fort. Die anderen fordern
nicht. Sie fragen: Was ist von mir gefordert? Die Antwort erhoffen
sie sich von einem Papst, der möglichst treu zum Evangelium steht.
Der Neue auf dem Stuhl Petri wird viele Deutsche wieder enttäuschen.
Auch, weil sie meinen, dem Papst müssten die deutschen
Befindlichkeiten besonders am Herzen liegen. Aber Rom ist das Zentrum
der gesamten katholischen Welt mit 1,2 Milliarden Menschen. Und sie
werden mehr, nicht weniger.
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Datum: 12.02.2013 - 21:15 Uhr
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