Kopfschlächter: Buchauszug zum Thema "Pferdefleisch"
ID: 816577
Kapitel 2 - Avaritia: Von Pferden und Hunden
Im Rheinland ist die Abneigung gegen Pferdefleisch traditionell gering. Ich weiß nicht, ob es am französischen oder am römischen Einfluss liegt, oder daran, dass sich bestimmte Gerichte einfach über die Jahrhunderte gehalten haben. Ein echter "Rheinischer Sauerbraten" wird nun mal aus echtem Pferdefleisch zubereitet und nicht aus Rind, so wie ihn die dämlichen Zugereisten mögen, diese Immis.
Ich hab noch nie ein Pferd geschlachtet. Nicht, dass ich es nicht wollte; es ergab sich einfach nicht. Ich vermisse es auch nicht wirklich, werden die edlen Rösser doch wie stinknormale Rinder hingerichtet: Erst der Bolzenschuss, dann der Halsstich mit dem Hohlmesser. Das einzige, was mich reizen könnte, wäre die Schlachtung auf spanische Art: Mit einer Axt der gezielte Hieb auf den Kopf - locker aus dem Handgelenk genau zwischen die Augen.
Die Pferdeschlachtung hat in Deutschland ihre eigene Geschichte. Bis 1992 schrieb die Schlachtordnung vor, dass Pferde getrennt von anderen Tieren wie Rindern oder Schweinen zu schlachten seien. Den genauen Grund konnte mir bisher keiner sagen. Ich denke, es liegt daran, dass Pferde dem Menschen emotional näher sind, eher wie Hunde; nicht so wie all das andere Schlachtvieh.
Nicht umsonst vergöttern kleine Mädchen die starken Tiere. Groß und mächtig, mit einer breiten Schulter zum Anlehnen. Immer da, wenn man einen Freund braucht.
Stark, nicht nur vom Körper, sondern auch vom Gemächt. Und doch willig, sich in eine schmale Box - ausgefüllt mit Stroh, bei Wasser und Heu - einsperren zu lassen, wenn man der starken Schulter nicht bedarf. Welch ein weiblicher Irrglaube, als ob sich ein so stolzes Alpha-Tier einsperren ließe.
Für Männer ist das edle Ross natürlich die willkommene Schwanzverlängerung. Ein echter Mann reitet einen Hengst - niemals einen Wallach.
Die historischen Gründe gegen die Pferdeschlachtung sind vielfältig und gehen wohl auf den Kampf zwischen Christen und Heiden zurück. Pferde wurden bei den Heiden den Göttern geopfert, während Pferde weder bei den Christen noch bei den Juden zum Verzehr bestimmt waren. Rituale zu verbieten, heißt Macht über den Gegner zu erlangen. Und wer die Macht hat, kann die Unterlegenen nicht nur ausbeuten - er kann auch ihre Kultur auslöschen.
Zudem waren Rösser bis in die Neuzeit hinein Kriegsgüter. Ein Pferd im Mittelalter ist wie ein Panzer im zweiten Weltkrieg. Hoch zu Ross wurden die niedrigen, feindlichen Soldaten mit scharfen Schwertern geköpft. Rösser, die auf dem Schlachtfeld starben, dienten den Überlebenden zudem als letzte eiweißhaltige Nahrung, wollte man sich nicht an seinen gefallenen Kameraden vergreifen.
Während das menschliche Fleisch in wenigen Tagen verwest, hält sich Pferdefleisch über Wochen. Es reift sogar noch und gewinnt an Aroma und Geschmack, bis hin zum Hautgout.
Bis ins zwanzigste Jahrhundert war der Pferdeschlachter oftmals gleichzeitig der Abdecker oder gar der Henker. Pferdeschlachter gelten auch heute noch als Metzger zweiter Klasse. Ich kenne flüchtig nur den einen, der auf dem hiesigen Wochenmarkt Pferdefleisch feil bietet. Er wirkt auf mich linkisch und ärmlich. Ein Mann, der am Rande der Gesellschaft steht und die Geschichte drückend auf seinen Schultern spürt.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Kopfschlächter - Der Rausch der sieben Todsünden
Eine Erzählung: 10 % Rinderblut. 90 % Druckerschwärze. 100 % Hart.
Kopfschlächter
Tristan vom Wahn
info(at)kopfschlaechter.de
50937 Köln
info(at)kopfschlaechter.de
0221 - 47 168 78
http://www.kopfschlaechter.de
Datum: 17.02.2013 - 10:36 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 816577
Anzahl Zeichen: 3703
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Tristan vom Wahn
Stadt:
Köln
Telefon: 0221 - 47 168 78
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Meldungsart:
Anmerkungen:
Diese Pressemitteilung wurde bisher 419 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Kopfschlächter: Buchauszug zum Thema "Pferdefleisch""
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Kopfschlächter (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Auszug aus dem Roman: "Kopfschlächter - Die sieben Todsünden" Wir stechen aus der Masse der Fremdarbeiterinnen heraus. Nicht deshalb, weil wir Männer sind, sondern weil das Aushilfspersonal bunte Haarnetze trägt. Die Rumäninnen tragen schwarze Haarnetze oder Mützen, Polinnen sind gr
Weitere Mitteilungen von Kopfschlächter
Erkältungswelle: Wie Apotheken beim großen Husten abkassieren ...
Husten, Schnupfen, Heiserkeit - viele Menschen leiden derzeit unter einer heftigen Erkältung. Doch wer damit in die Apotheke geht, wird oft schlecht beraten und bekommt viel zu viele Medikamente verkauft. Das haben Recherchen des NDR Verbraucher- und Wirtschaftsmagazins "Markt" im NDR
Das geeignete Krankenhaus finden / "Weiße Liste" im Internet informiert über Angebot und Qualität der Kliniken ...
Welche erreichbare Klinik bietet die beste Therapie? Unter www.weisse-liste.de, eingerichtet von der Bertelsmann-Stiftung, können Patienten Informationen finden, welche Klinik bei welchen Krankheiten geeignet ist und wie sie im Vergleich mit anderen dasteht. Auch Bewertungen von Patienten sind
"Low and Slow" - Hochwertige Marinaden ...
Bisher ist die Saucenmanufaktur Hot Mamas vor allem bekannt als Hersteller hochwertiger und extrascharfer Grill- und Steak-Saucen. Jetzt stellt das Unternehmen aus Pforzheim unter der Linie "Low and Slow" drei Würzmarinaden neu vor. "Low and Slow Beef Marinade" für Rindfleisch
Rauchen und Gewicht - Hypnose Hamburg Dr. Elmar Basse ...
Rauchen ist bei vielen Menschen eine gefährliche Sucht. Hypnose, wie sie Dr. Elmar Basse in seiner Praxis für Hypnose Hamburg anbietet, kann ein hilfreicher und effektiver Weg sein, sich dauerhaft vom Rauchen zu befreien. Elmar Basse: "Anders als bei der Methode Willenskraft, bei der der Rauc




