Planstr. 146 – Die Straße meines Lebens
Die Autorin ist auf der Suche nach sich selbst und will deshalb alles erfahren über das Schicksal ihrer Familie, allen voran ihrer Mutter Emma und ihrer Großmütter Friedericke und Elisabeth. Ein spannender und einfühlsamer Roman, der die Lebenswege dreier Generationen im Rahmen der Geschichte eines ganzen Jahrhunderts nachzeichnet.

(firmenpresse) - Im Vordergrund stehen ihre Mutter Emma sowie ihre Großmütter Friedericke und Elisabeth. Warum haben Friedericke und Emma zu ihren dominanten Männern aufgeblickt, diese mit Gehorsam bedient und bis zu ihrem Lebensende ertragen? Wie war das damals auf dem Land, als man der jungen Friedericke ein uneheliches Kind weggenommen und sie mit dem Bauernsohn Jakob verheiratet hat? Warum hat sie ihr schweres und tristes Leben mit zwei Ehemännern und elf Kindern hingenommen und nie rebelliert?
Leseprobe:
Es war ein klirrend kalter Tag am 8. Januar 1890. Der kleine See des Dorfes war dick zugefroren und die Fenster der Häuser waren von Eisblumen überzogen. Die Straßen lagen unter dem reichlichen Schnee verborgen. Dieser knirschte unter jedem Schritt und machte einem unerbittlich klar, wie kalt es war.
Die Familie Gode wohnte in einem kleinen Lehmhäuschen inmitten des Dorfes Gündelbach im Schwäbischen, am Ende einer engen dunklen Gasse, wo die kleinen Häuser – man kann sie fast als Hütten bezeichnen – so schräg ineinander verkeilt waren, dass man kaum unterscheiden konnte, wo wessen Haus begann und aufhörte und wo sich der jeweilige Eingang befand. Ein bestimmter Baustil war nicht zu erkennen, es war ein einfaches Fachwerk mit dunklen Balken und weiß getünchten Fassaden, die vom Wetter verschmutzt waren und von denen teilweise bereits die Farbe abblätterte. Die meisten aber waren froh, überhaupt ein Zuhause zu haben. Hauptsache, man hatte eine gute Stube, eine Küche und ein Schlafgemach. Dabei war man noch gut bedient, konnte man solch eine Hütte sein Eigen nennen. So ging es auch der Familie Gode, die alle Hände damit zu tun hatte, ihr karges Leben zu organisieren und die Kinder nicht verhungern zu lassen. Es war eine elende Zeit, in die sie hineingeboren worden waren, und es verlangte manches Gebet, um die Kraft aufzutanken, die notwendig war, um das Leben zu bewältigen. „Himmel hilf!“, rief man das eine oder andere Mal in vielen Familien, so auch bei den Godes.
Vater Karl, ein alt aussehender, abgearbeiteter Mann, der die Familie als Steinbrecher und Kleinbauer ernährte, schlürfte mit seinen kaputten, derben Schuhen auf dem Kopfsteinpflaster der Gasse entlang. Sein Rücken war gebeugt, als würde er einen Sack Kartoffeln tragen, das Gesicht vom Wetter gegerbt und faltig, die Haare waren lockig und lieblos zurechtgestutzt. Dabei war er gerade einmal neunundzwanzig Jahre alt. Seine Kleidung war erbärmlich, die Hose aus grauem Wollstoff mit Flicken übersät und ausgebessert. Der kleine Stehkragen an seinem alten Hemd war dünn und abgescheuert. Seine Schildmütze trug er in der Hand, denn trotz der Kälte schwitzte er vom schnellen Gehen.
Sein Nachbar August war nämlich vor ein paar Minuten mit eiligen Schritten zum Großbauern Emil Brecht gekommen und hatte hektisch nach Karl gerufen. „Karl, kumm schnell, die Luise, des Kind kummd, s’isch so weit.“
Karl hatte sofort die Mistgabel fallengelassen und den Stall verlassen. Schnell rannte er die Staffeln hoch und riss die Tür seines Häuschens auf. Noch bevor er die Schlafstube erreicht hatte, hörte er schon den ersten Schrei des Kindes, seines dritten Kindes. Er öffnete die Tür, seine Frau Luise lag im Bett und hielt das kleine Bündel, das in eine Decke eingewickelt war, im Arm.
„S’isch e Medle“, sagte sie leise. „S’isch gsund un soll Jakobina Friedericke haiße“, beendete sie ihren Satz.
Karl stand immer noch vor dem Bett und drehte seine Mütze in der Hand. Schon wieder ein Kind, schon wieder ein hungriges Maul. Wie sollte er das nur schaffen? Er antwortete ihr nicht, sondern nickte nur. Was sollte er auch sagen?
Die Autorin:
Ein kleines Dorf in der Nähe von Karlsruhe ist ihre Heimat. Die Mutter zweier Söhne hat ihr Berufsleben als Kauffrau in verschiedenen Unternehmen verbracht. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Berlin.
Barbara Herrmann
Planstr. 146 Die Straße meines Lebens
Autobiografischer Roman
hnb-verlag, Berlin
1. Auflage, 2012, 180 Seiten
ISBN 978-3-9813600-5-9
€ 11,90 (D) / € 12,90 (A) / sFr 16,90
Erhältlich in jeder Buchhandlung, im Online-Buchhandel sowie bei www.hnb-shop.de
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Unser Buchprogramm bietet beliebte und spannende Themen und Geschichten für Jung und Alt: liebevoll illustrierte Bücher für Kinder, Romane, christliche Bücher und Humorbücher. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir auch dem Sachbuchbereich, mit dem wir ein breites Themenspektrum abdecken. So beinhaltet unser Programm eine Reihe von regional ausgerichteten Koch- und Backbüchern, die Edition „Sonnenlicht Reisen“ und die Buchreihe „Technik3D – Computertechnik leichtgemacht“. Ratgeber aus anderen Bereichen sind ebenfalls in der Planung.
In unserer Programmgestaltung sind wir jederzeit offen für Trends und binden aktuell beliebte Genres und Themen ein, um der gegenwärtigen Nachfragesituation auf dem Buchmarkt gerecht zu werden. Unser langfristiges Ziel ist es aber auch, in unserem Programm die verschiedenen Regionen Deutschlands mit ihren Eigenarten, Sitten, Gepflogenheiten und Dialekten zu präsentieren. Begonnen haben wir mit Baden-Württemberg und Berlin und werden nach und nach auch die anderen Bundesländer und Regionen in unser Programm aufnehmen.
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Tauentzienstr. 13A, 10789 Berlin
Tel. 030-217 999 19
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Datum: 18.02.2013 - 15:45 Uhr
Sprache: Deutsch
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Literatur
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