Trierischer Volksfreund: Gaucks Europarede - Leitartikel, Trierischer Volksfreund, 23.02.2013
ID: 821109
die Vereinigten Staaten von Amerika als das Land der Freien. Und auch
der Bundespräsident hat gestern nicht die neue Erzählung Europas, die
so viele in der aktuellen Stimmungskrise vermissen, liefern können.
Die gibt es nämlich nicht. Joachim Gauck wollte allerdings wohl, dass
diese erste bedeutende Rede seiner Präsidentschaft als große Rede
wahrgenommen wird. Dafür freilich war sie nicht mutig genug. Dann
hätte er nämlich Klartext reden müssen gegen die, die in der Politik
ganz gezielt mit antieuropäischen Ressentiments spielen, auch in
Deutschland. Oder aktuell Silvio Berlusconi, der mit Geldgeschenken
und Deutschlandfeindlichkeit gerade Wahlkampf macht. Von wegen
Einmischung in die Angelegenheit eines Staates. Der Ausgang der Wahl
in Italien kann die Stabilität des gesamten Euro-Raumes wieder
gefährden. Ein deutscher Präsident darf sich da behutsam einmischen.
Gerade dann gibt er ein Beispiel dafür, dass es inzwischen eine
gemeinsame Verantwortung auf dem Kontinent gibt, eine europäische
Innenpolitik. Gauck hat diese Chance vertan.
So hat das Volk wieder nur einen dieser europäischen Appelle
gehört, von denen zwar jedes Wort richtig ist, die aber die Herzen
nicht rühren. Ja, sagt der Präsident, es gibt eine tiefe
Vertrauenskrise. Und dann spricht er sich doch wie die meisten
Vertreter der politischen Klasse umstandslos für eine weitere
Vertiefung der EU aus. Dieser Gedankensprung bleibt für viele
Menschen zu abstrakt, zumal Gauck offen lässt, wie diese Vertiefung
aussehen soll. Wer um den Brei herumredet, wird keinen Appetit
erzeugen, weder so noch so.
Es bleibt dabei: Europa, dieses einzigartige Gebilde zwischen
Bundesstaat und Staatenbund, muss täglich in der Praxis wachsen. Das
fängt bei korrekten Lebensmitteln an, geht über die Bekämpfung von
Arbeitslosigkeit und hört beim stabilen Euro nicht auf. Das muss die
Leute überzeugen, sie stolz auf ihren Kontinent werden lassen. Beim
Reisen ist das ja schon gelungen, bei der Kultur zumeist auch. Europa
braucht Politiker, die bereit sind, diese mühsame Arbeit der
Gestaltung eines gemeinsamen Alltags auf sich zu nehmen. Ebenso wie
Bürger, die das auf ihren Ebenen tun, in den Schulen, im Sport, mit
Partnergemeinden. Das sind die wahren Schöpfer der europäischen
Erzählung. Eine Präsidentenrede kann ihre Arbeit nicht ersetzen,
sondern nur unterstützen. Das immerhin hat Gaucks Ansprache getan.
Pressekontakt:
Trierischer Volksfreund
Thomas Zeller
Telefon: 0651-7199-544
t.zeller@volksfreund.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 22.02.2013 - 19:32 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 821109
Anzahl Zeichen: 2866
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Trier
Kategorie:
Außenhandel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 261 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Trierischer Volksfreund: Gaucks Europarede - Leitartikel, Trierischer Volksfreund, 23.02.2013"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Trierischer Volksfreund (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Trierischer Volksfreund
neues deutschland: Rüstungsrekorde ...
Wenn das keine Zuwachsraten sind: Mehr als verdoppelt hat sich 2012 der Wert jener Waffenlieferungen deutscher Firmen, die von der Bundesregierung für den umkämpften Markt in der Golfregion genehmigt wurden. Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, sie a
Allg. Zeitung Mainz: Es hat sich gelohnt / Kommentar zur Rede des Bundespräsidenten ...
Man achtet uns in Europa, aber man liebt uns nicht. Man bewundert uns ob unserer Tüchtigkeit, aber man nimmt uns kaum zum Vorbild. Man beneidet uns ob unseres Erfolgs, aber man eifert uns nicht nach. Kurzum: Der Rest Europas schaut mit sehr gemischten Gefühlen auf Deutschland, viele fürchten s
neues deutschland: Früherer italienischer Parlamentspräsident Bertinotti sieht "große Transformation" in seinem Heimatland ...
Der frühere Präsident des italienischen Abgeordnetenhauses, Fausto Bertinotti, sieht das politische System Italiens in der Krise. "Soziale Bewegungen, alternatives Denken, die Zurückweisung der Sparpolitik Montis werden in diesem Wahlkampf kaum repräsentiert", sagt Bertinotti im In
Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu deutsch-tschechischen Beziehungen: Taktgeber von Christine Schröpf ...
Die neue Epoche in den deutsch-tschechischen Beziehungen hat zwei Väter: Horst Seehofer hat 2010 den ersten Schritt gemacht. Petr Necas hatte darauf den Mut, seinerseits auf ihn zuzugehen. Die Regierungschefs, beide von großem Pragmatismus geprägt, erwiesen sich als Staatsmänner. Sie ließen




