Propeller bringt neuen Schwung für das Herz
(Stuttgart/Hechingen) - Dem Medizintechnikunternehmen CardioBridge GmbH aus Hechingen ist eine kleine Sensation gelungen. Die ersten Einsätze am Menschen der hier weiterentwickelten Reitan-Katheterpumpe zur minimal-invasiven Behandlung von Patienten mit Herzversagen waren überaus erfolgreich. Derzeit arbeitet CardioBridge an der CE-Zulassung, damit die Pumpe - zum Wohle der Patienten - möglichst bald zum klinischen Standard werden kann.
Dem Kardiologen Dr. Oyvind Reitan aus Schweden war dieses Problem schon lange bewusst. Als er sich auf seinem kleinen Segelboot vom Klinikstress entspannte, brachte ihn dessen faltbarer Propellermotor auf eine Idee, die inzwischen längst patentiert ist: Er forschte Mitte der 1990er Jahre an einer starken mechanischen Herzunterstützung in Form eines Propellers. Er ist eingeklappt sehr klein und daher leicht einführbar. Aufgeklappt erbringt er, umgeben von einem ebenfalls entfalteten Käfig zum Schutz des umgebenden Körpergewebes, eine extrem starke Pumpleistung. Der Kontakt mit dem schwedischen Unternehmer Lars Sunnanväder, "Vater" vieler kleiner Start-up-Unternehmen in Hechingen, dem "Silicon Valley der Medizintechnik", brachte die Reitan-Pumpe schließlich zur Weiterentwicklung in die BioRegion STERN. Bei CardioBridge wird sie nun von Klaus Epple, Direktor für Forschung und Entwicklung, und Geschäftsführer Thomas Radtke für die weltweite Markteinführung vorbereitet.
Die ersten Einsätze zu Anfang dieses Jahres kamen einer Sensation gleich: Ein 65-jähriger Mann mit schwerer Herz- und Niereninsuffizienz konnte im Universitätskrankenhaus von Lund, Schweden, vor dem drohenden Nierenversagen bewahrt werden. Ihm wurde die zusammengeklappt nur etwa drei Millimeter breite Pumpe in die Femoralarterie in der Leiste eingeführt und bis in die Aorta hochgeschoben. Aufgeklappt entfaltete der Propeller seine hohe Strömungsleistung. Er entlastet das Herz und versorgt die Organe, um so einem gefürchteten Multi-Organversagen entgegenzuwirken. Innerhalb von nur zwölf Stunden, und damit deutlich kürzer als geplant, verbesserten sich der Kreislauf und die Nierenfunktion des Patienten nachhaltig. "Die Ärzte in Lund konnten es gar nicht glauben", sagt Thomas Radtke. "Vor dem Patientenzimmer kam es zu einem regelrechten Auflauf."
15 Patienten in Schweden und Großbritannien konnten inzwischen trotz eines teilweise kritischen Zustands mit der Reitan-Pumpe stabilisiert werden. "Unsere Pumpe hilft dem Herzen sich zu regenerieren, damit es wieder die lebensnotwendige Leistung bringen kann", erklärt Klaus Epple. "Dieses medizintechnische Produkt ist dem bisherigen Standard, der in den 1970er Jahren entwickelten Ballonpumpe zur mechanischen Herz-Kreislaufunterstützung weit überlegen. Der Ballon pulsiert und erzielt Dynamik durch das Aufblasen, der Propeller erzeugt einen sehr viel stärkeren Fluss und versorgt so die Organe optimal."
Um die CE-Zulassung für das Medizinprodukt zu erhalten, sind weitere Studien notwendig - und natürlich Investoren, die diese finanzieren. "Die Kardiologen, denen wir unsere Pumpe präsentieren, sind sofort begeistert", berichtet Thomas Radtke. "Jetzt müssen wir in diesen schwierigen Zeiten noch Investoren überzeugen." BioRegio STERN-Geschäftsführer Dr. Klaus Eichenberg ist vom Erfolg des Unternehmens überzeugt und wird es nach Kräften unterstützen: "CardioBridge ist bereits 2005 von der ?German Tech Tour" als potenzieller Weltmarktführer im Bereich Medizintechnik ausgezeichnet worden. Diese Beurteilung kann ich nachdrücklich bestätigen."
zk-ado
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Datum: 08.04.2009 - 10:25 Uhr
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