WEF, Weltbank und Bain&Company legen gemeinsamen Bericht vor: Wachstum durch Handel - Potenziale

WEF, Weltbank und Bain&Company legen gemeinsamen Bericht vor: Wachstum durch Handel - Potenziale in der Lieferkette heben

ID: 853725
(ots) -

- Bericht von World Economic Forum, Weltbank und Bain & Company
deckt enormes Wachstumspotenzial im Welthandel auf
- Der Abbau von Hürden in Lieferketten könnte das globale Wachstum
sechsmal mehr steigern als die Abschaffung aller Einfuhrzölle
- Weltweit können Arbeitsplätze in mehrfacher Millionenhöhe
entstehen
- Nicht nur Unternehmen, sondern auch Regierungen weltweit, müssen
sich mit ganzheitlichem Lieferketten-Management
auseinandersetzen

Ein Abbau von Hindernissen in Lieferketten kann weltweit das
Wachstum und den Handel stärker ankurbeln als die Abschaffung aller
Zölle. Das ist das Fazit des Berichts "Enabling Trade: Valuing Growth
Opportunities", der in Zusammenarbeit von World Economic Forum, der
Weltbank und der Strategieberatung Bain & Company entstanden ist und
sich mit den Wachstumsaussichten im Welthandel beschäftigt. Die
Hürden in Lieferketten reichen von Verzögerungen an der Grenze und
uneinheitlichen Produktverordnungen bis hin zu mangelhafter
Infrastruktur und Korruption. Der Bericht zeigt, dass bei Reduzierung
nur einer Teilmenge dieser Hemmnisse das weltweite
Bruttoinlandprodukt (BIP) um 4,7 Prozent und die weltweiten
Exportgeschäfte um 14,5 Prozent gesteigert werden könnten. Im
Vergleich dazu würde ein Verzicht auf alle Einfuhrzölle das BIP um
nur 0,7 Prozent und den Welthandel um 10,1 Prozent steigern. In
Indien wird jeder Transport statistisch gesehen 36-mal gestoppt weil
etliche Bundesstaaten Kontrollen durchführen. In den USA kommt es bei
fast jeder dritten Azetyl- Chemikaliensendung zu Verzögerungen, die
Standgelder in Höhe von bis zu 60.000 US-Dollar pro Tag zur Folge
haben. EBay könnte nach eigenen Angaben bis zu 10 Milliarden
US-Dollar mehr Umsatz machen, wenn das grenzüberschreitende Geschäft
weniger kompliziert und damit weniger kostenintensiv wäre. "Zölle


sind nicht das Haupthandelshemmnis. Es geht vielmehr um die
Gesamtkosten der Lieferkette", sagt Armin Schmiedeberg, Partner bei
Bain & Company und Leiter der europäischen Praxisgruppe Industrial
Goods & Services. "Werden Abläufe international reibungsloser
gestaltet, setzt das enorme Potenziale frei. Es werden weniger
Ressourcen verschwendet und die Handelsfirmen arbeiten effizienter -
was wiederum Preissenkungen für Verbraucher und Unternehmen
ermöglicht."

Die Lieferkette geht Staaten ebenso an wie Unternehmen

Insgesamt 18 Fallstudien belegen, dass Hindernisse in der
Lieferkette mittlerweile gewichtigere Handelsbarrieren darstellen als
Zölle, die ohnehin den tiefsten Stand seit 30 Jahren erreicht haben.
Ineffizienzen und Nadelöhre behindern die weltweiten Lieferketten und
stellen sich als weitaus größeres Hindernis für grenzüberschreitende
Waren- und Dienstleistungsströme heraus. Einige Beispiele:

- Im Nahen Osten verzögern Beschränkungen durch
Ursprungsbezeichnungen oder Diebstahl die Grenzabfertigung von
Technologiegütern. Mehrkosten von 6 bis 9 Prozent.
- In Brasilien kann die Abwicklung der Zollformalitäten beim
Export von Agrarrohstoffen bis zu zwölfmal so lange dauern wie
in der Europäischen Union (einen ganzen Tag statt zwei Stunden).
- In Madagaskar können Behinderungen in der Lieferkette bis zu 4
Prozent vom Umsatz eines Textilproduzenten ausmachen, weil
höhere Frachtkosten anfallen und größere Lagerbestände
vorgehalten werden müssen.
- Mit der Einführung elektronischer Meldeverfahren in der
Luftfrachtbranche könnten jährlich zwölf Milliarden US-Dollar
gespart und bis zu 80 Prozent der Verspätungen vermieden werden,
die durch papiergebundene Abwicklung entstehen.
- Eine Lockerung der Regeldichte im internationalen Handel, die
kleine und mittelgroße Unternehmen beim Internetverkauf
beschäftigt, könnte die grenzüberschreitenden Verkäufe in diesem
Segment um bis zu 80 Prozent steigern.

Hindernisse und Kosten identifizieren

International agierende Unternehmen müssen ergründen welche
Hindernisse in der Lieferkette Kosten verursachen. Unternehmen
sollten daher bei der Bewertung von Investitionsentscheidungen und
operativen Maßnahmen nicht nur Faktoren wie Arbeitslöhne und
Rohstoffkosten einkalkulieren. "Eine Fallstudie aus der
Bekleidungsindustrie zeigt, wie Verzögerungen, inkonsequente
Anwendung von Vorschriften und Infrastrukturprobleme
Lohnkostenvorteile regelrecht zunichtemachen", sagt Bain-Partner
Schmiedeberg. "Verzögerungen verursachen eine aufgeblähte
Vorratshaltung mit höheren Lagerkosten, gleichzeitig steigt die
Gefahr von überschrittenen Verfallsdaten, Diebstahl und
Lagerengpässen."

Enormes Potenzial bei der Schaffung von Arbeitsplätzen

Insbesondere Afrika und Südostasien könnten von besser
organisierten internationalen Lieferketten profitieren und ihr BIP
steigern, denn positive Effekte wären über diese Länder gleichmäßiger
verteilt als Gewinne aus Zollsenkungen.

Darüber hinaus könnten weltweit Millionen neuer Arbeitsplätze
entstehen: Reibungslose Lieferketten könnten für ein Wachstum des
globalen BIP von 4,7 Prozent und 137 Millionen Arbeitsstellen sorgen,
haben die Verfasser des Berichts errechnet. Selbst bei einer weniger
radikalen Vereinfachung der globalen Lieferketten und einem moderaten
Wachstum von 2,6 Prozent könnten noch 23 Millionen neue Arbeitsplätze
entstehen.

Staatliche Stellen einrichten

Für politische Entscheidungsträger folgt daraus, dass sie die
Anstrengungen, die Leistungsfähigkeit der Lieferketten zu steigern,
verstärken müssen, wenn sie das volle wirtschaftliche Potenzial des
Welthandels erschließen wollen. "Unsere Modellrechnungen zeigen, dass
Verbesserungen erst spürbar werden, wenn ein gewisses Maß an
Deregulierung überschritten ist. Halbherzige Ansätze und Stückwerk
funktionieren erfahrungsgemäß nicht", sagt Bain-Partner Schmiedeberg.

Der Bericht "Enabling Trade: Valuing Growth Opportunities"
empfiehlt Regierungen, die gesamte Lieferkette im Auge zu behalten.
Sie sollten eine zentrale Anlaufstelle einrichten, die Vorschriften
koordiniert, welche die Lieferketten direkt beeinflussen. Eine solche
Stelle könnte öffentlich-private Partnerschaften aushandeln, Daten
erheben und analysieren und dafür sorgen, dass Handelsvereinbarungen
spürbare Veränderungen bringen. Besonders im Fokus sollten
Erleichterungen für kleine und mittlere Unternehmen stehen, die,
aufgrund ihrer Logistik und damit verbundenen Transaktionskosten,
verhältnismäßig größeren Hürden im internationalen Handel
gegenüberstehen. Wichtig wäre zudem eine globale Initiative mit dem
Ziel, bislang papierbasierte Berichtssysteme und Grenzdokumente zu
digitalisieren und entsprechende IT-Systeme einzurichten. "Regeln und
Sicherheitskontrollen im internationalen Handel müssen sein. Doch
vielerorts sind Bürokratie, Verzögerungen, Formularwirrwarr und der
Mangel an Standards viel schwerer wiegende Handelshemmnisse als
Importzölle", sagt Schmiedeberg. "Diese Hindernisse abzubauen, senkt
nicht nur Kosten für die Unternehmen sondern schafft Arbeitsplätze
und damit neue wirtschaftliche Chancen für Menschen in aller Welt."

Bain & Company

Strategische Beratung, operative Umsetzung, messbare Ergebnisse:
Mit diesem unternehmerischen Ansatz ist Bain & Company eine der Top 3
weltweit führenden Managementberatungen. Gemeinsam mit seinen Kunden
arbeitet Bain darauf hin, klare Wettbewerbsvorteile zu erreichen und
damit den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern. Im Zentrum der
ergebnisorientierten Beratung stehen das Kerngeschäft der Kunden und
Strategien, aus einem starken Kern heraus neue Wachstumsfelder zu
erschließen. Seit Gründung 1973 lässt sich Bain dabei an den
Ergebnissen seiner Beratungsarbeit finanziell messen. Bislang waren
Bain-Berater weltweit für über 4.900 große und mittelständische
Unternehmen tätig. Insgesamt unterhält die Beratung 48 Büros in 31
Ländern und beschäftigt 5.400 Mitarbeiter, 600 davon im
deutschsprachigen Raum. www.bain.de, www.bain-company.ch



Pressekontakt:
Julia Henry, Bain & Company Germany, Inc., Karlsplatz 1, 80335
München
E-Mail: julia.henry@bain.com, Tel.: +49 (0)89 5123 1428, Mobil: +49
(0)151 5801 1428

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Datum: 16.04.2013 - 09:35 Uhr
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