Badische Neueste Nachrichten: Noch mehr Kontrollen
ID: 857080
Tschetschenien. Damit hat Amerikas Bildungsmetropole eine
schockierende Premiere erlebt. Sicher, es ist nicht das erste Mal,
dass radikale Islamisten aus dem Kaukasus zivile Ziele angreifen,
Schulen, U-Bahn-Züge oder Einkaufsstraßen, also Ziele mit größeren
Menschenansammlungen. Bislang aber hat sich ihr Terror im
Wesentlichen auf Russland beschränkt. Dass sie nun auch die
Vereinigten Staaten ins Visier nehmen, ist etwas Neues. Die Frage
nach dem Warum, sie bleibt vorläufig offen. Ebenso wie die Frage, wer
hinter dem Attentat steht. Noch lässt sich nicht endgültig sagen, ob
die beiden Attentäter einer radikalislamischen Zelle angehörten, ob
sie ihr finsteres Know-how in irgendeinem abgelegenen Trainingslager
erlernten oder aber auf eigene Faust handelten. Was sich sagen lässt:
Für die USA, die klassische Einwanderernation des Planeten, ist es
ein Schock. Denn nach allem, was man bisher weiß, waren die beiden
Brüder eben keine obskuren Außenseiter, die vereinsamt und frustriert
in ihrem Elend saßen. Der eine spielte Volleyball, der andere
studierte, beide hatten jede Menge an sozialen Kontakten. Auf den
ersten Blick waren sie integriert, Immigranten, deren Biografien für
den Erfolg des viel- zitierten amerikanischen Schmelztiegels zu
sprechen schienen. Was sich hinter der Fassade abspielte, wird man
vielleicht in den nächsten Tagen erfahren. Zunächst bleibt die
bittere, wenn auch nicht ganz neue Erkenntnis, dass gegen Fanatiker,
die weder Visum noch Greencard brauchen, auch die striktesten
Grenzkontrollen nichts ausrichten können. Umso fataler wäre es, würde
die amerikanische Politik die Schotten dichtmachen, wie es nach den
Anschlägen des 11. September 2001 geschah. Das verschärfte
Kontrollregime, das auf "9/11" folgte, erwies sich letztlich als
Eigentor. Ein Einwandererland, das Einwanderern hohe Hürden in den
Weg stellt, schadet sich am Ende nur selbst. Es beraubt sich seines
eigentlichen Kraftquells, des Zustroms hoch motivierter, oft hoch
talentierter Menschen. Dann lieber Risiken, die nun mal dazugehören
zum Leben in einem offenen Land. Der Anschlag von Boston zeigt, wie
wichtig es ist, wachsam zu sein und international im Kampf gegen den
Terror zu kooperieren.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
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Datum: 19.04.2013 - 22:39 Uhr
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