WDR Europaforum: Bundesaußenminister Westerwelle warnt vor "teutonischer Hochnäsigkeit"
ID: 873288
Hochnäsigkeit. Deutschland wird es nicht gut gehen, wenn es den
Nachbarn schlecht geht", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle
beim WDR Europaforum am 16. Mai 2013 in Berlin. In den kommenden
Monaten präge sich etwa das deutsche Bild in der Welt. "Gerade weil
wir stark sind, müssen wir mit besonderer Sensibilität agieren",
warnte Westerwelle bei der Bewältigung der europäischen Krise vor
schroffen Tönen. Deutschland müsse alles unternehmen, um im Konsens
die Herausforderungen zu meistern. Daneben sei es aber auch
notwendig, dass Europa auf die Herausforderungen in anderen Regionen
der Welt klug und gemeinsam reagiere. "Wir dürfen auf die Konkurrenz
nicht mit neuer Kleingeistigkeit reagieren. Ansonsten erleben wir
eine tektonische Verschiebung der Kräfteverhältnisse in der Welt",
sagte Westerwelle. Der Bundesaußenminister trat energisch allen
Versuchen entgegen, den Euro als europäische Währung in Frage zu
stellen. Dies würde dazu führen, dass "alles auf die Rutschbahn
gerät: "Sind wir eigentlich verrückt geworden, das, was wir in
Jahrzehnten aufgebaut haben, wir in einem Jahr zerstören wollen."
Wichtig sei es, den eingeschlagenen Weg in Europa mit den
Schwerpunkten Solidität, Solidarität und Wachstum weiterzugehen. "Es
darf keine Rückkehr zur Schuldenpolitik geben, denn ansonsten wird
Arbeitslosigkeit festzementiert." Westerwelle sah auch keine
grundsätzliche Verstimmung mit dem deutschen Nachbarn Frankreich, mit
dem man zwar in Einzelfragen unterschiedlicher Ansicht sei, im Ziel
aber übereinstimme. "Wir dürfen uns in Europa nicht nur darüber
unterhalten, was es kostet, sondern, was es uns wert ist",
verdeutlichte der Außenminister, dass die europäischen Probleme nicht
alleine mit nackten Zahlen zu bewältigen seien. Hinsichtlich des
Bürgerkriegs in Syrien setzte Westerwelle darauf, im Konsens mit den
internationalen Partnern zu baldigen Lösungen zu kommen. Es gehe
darum den Menschen zu helfen, Destabilisierung in der Region wie auch
einen Flächenbrand zu verhindern. Der Außenminister warnte jedoch vor
einfachen Antworten. Mit Waffenlieferungen werde man die Lage nicht
automatisch verbessern. "Und, dass jemand gegen Assad kämpft, macht
ihn noch lange nicht zu einem Verbündeten", warnte Westerwelle vor
radikalen und terroristischen Bestrebungen in der syrischen
Opposition.
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Datum: 16.05.2013 - 14:59 Uhr
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