Badische Neueste Nachrichten: Erdogans Schiffbruch
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Istanbuler Park von der Polizei zusammenknüppeln, er erklärt seine
Moralvorstellungen zum Maß aller Dinge: Der türkische
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan war in letzter Zeit immer
weniger gewillt, auf Kritik oder Einwände Andersdenkender einzugehen.
Jetzt hat er die Rechnung dafür erhalten - in Form der schwersten
regierungsfeindlichen Unruhen in der Türkei seit seinem Amtsantritt
vor zehn Jahren. Erdogans Regierungsstil, der bisher im Wesentlichen
in dem Prinzip Durchboxen statt Überzeugen bestand, hat Schiffbruch
erlitten. Er sieht die Türkei als großes und mächtiges Land, als
potenzielle Führungsnation, und er tut alles, um diesem Anspruch
gerecht zu werden. Nur vergisst er dabei meistens, die Menschen
mitzunehmen. Gleichzeitig sind die Demonstrationen ein Reifezeugnis
für die Türken selbst. Sie haben ihrer eigenen Regierung die Grenzen
aufgezeigt. Das ist ein Riesenschritt für ein Volk, das nach wie vor
häufig nach obrigkeitsstaatlichen Prinzipien regiert wird. Dass die
Regierung die Polizei vom zentralen Taksim-Platz in Istanbul abzog,
um noch Schlimmeres zu verhindern, ist gut für die Demokratie in der
Türkei und vielleicht das Beste, was die Regierung Erdogan in den
letzten Tagen getan hat.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
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Datum: 02.06.2013 - 22:50 Uhr
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