Badische Neueste Nachrichten: Aus dem Apparat
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Joost hat Peer Steinbrück eine zweite Frau in sein Team geholt, die
mit der großen Politik bisher allenfalls am Rande zu tun hatte. Die
Deutsch-Türkin Yasemin Karakasoglu ist eine kluge, eloquente und sehr
selbstbewusste Professorin. Aber hat der Kandidat sie tatsächlich nur
deshalb engagiert - oder auch um des Aha-Effektes willen? Schließlich
sind es Seiteneinsteigerinnen wie sie, die einem Schattenkabinett das
Genossig-Graue nehmen. Die Aufmerksamkeit erzeugen und auch die
biederste Partei plötzlich erfrischend unkonventionell aussehen
lassen. In ein Ministeramt münden solche Experimente selten - und das
liegt nicht nur an den flauen Umfragewerten für die SPD. Sollten sie
nach der Wahl tatsächlich den Kanzler stellen oder zumindest als
Juniorpartner in einer Großen Koalition mitregieren, gibt es ältere
Rechte, auf die Parteichef Sigmar Gabriel Rücksicht nehmen wird. Dann
schlägt die Stunde der Oppermanns, der Schwesigs und Machnigs - und
vielleicht noch die des Gewerkschafters Klaus Wiesehügel. Ob
Steinbrück deshalb so mit Überraschungen geizt? Als Frank-Walter
Steinmeier vor vier Jahren einen gestandenen Bauern und einen
Unternehmer in sein Kompetenzteam holte, war sein Spielraum
vergleichsweise gering: Mit Ausnahme von Ulla Schmidt, die ihren
Dienstwagen in den Urlaub hatte nachkommen lassen, waren alle anderen
Minister der Großen Koalition gesetzt. Solchen Zwängen unterliegt
Steinbrück diesmal nicht - er schafft sie sich selbst. Der
Quoten-Bayer Florian Pronold, der Gewerkschafter Wiesehügel, der
Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, die frühere Justizministerin
Brigitte Zypries, der omnipräsente Thomas Oppermann: Anstatt die
Beinfreiheit zu nutzen, die er für seinen Wahlkampf eingefordert hat,
rekrutiert der Kandidat seine Mannschaft bisher fast ausnahmslos aus
dem sozialdemokratischen Apparat.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
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Datum: 05.06.2013 - 22:50 Uhr
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