Karakasoglu: Inklusion ist eine Chance
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Karakasoglu: Inklusion ist eine Chance
Anlässlich der nationalen Konferenz zur Inklusiven Bildung von Bundesregierung und Kultusministerkonferenz erklärt Yasemin Karakasoglu, Mitglied im Kompetenzteam von Peer Steinbrück:
Inklusion heißt Vielfalt. Und Vielfalt ist das Potential unserer Gesellschaft. Entfalten kann es sich jedoch nur, wenn wir unseren Blick auf die individuellen Fähigkeiten jedes Einzelnen richten - unabhängig von ethnischer, kultureller oder sozialer Herkunft, von Geschlecht, Alter oder Beeinträchtigung. Viel zu sehr wird Inklusion noch immer als Bürde wahrgenommen. Dabei birgt sie eine große Chance.
Inklusion bedeutet, die schulischen Rahmenbedingungen an den Schülern zu orientieren und nicht umgekehrt. Das betrifft Lehr-Lernformen ebenso wie die Herangehensweise der Verantwortlichen. Inklusion verändert unser Bildungssystem vollständig, und zwar zum Positiven. Studien beweisen, dass Inklusion keinerlei Beeinträchtigung von fachlichem Lernen bedeutet. Vielmehr überwiegen positive Effekte, insbesondere mit Blick auf soziales Lernen.
Dazu jedoch müssen wir finanzielle, institutionelle und personelle Voraussetzungen schaffen. Denn nach wie vor werden lediglich 29 Prozent der Schüler und Schülerinnen mit besonderem Förderbedarf in Regelschulen beschult. In europäischen Nachbarländern wie Großbritannien oder Dänemark ist die Quote doppelt so hoch, in Skandinavien liegt sie sogar bei 100 Prozent.
Unser Sonderschulsystem ist aber nicht nur ungerecht im Sinne der Inklusion, es ist auch ineffizient: dreiviertel der Förderschülerinnen und -schüler bleiben ohne Schulabschluss. Unter ihnen sind überproportional viele Schülerinnen und Schüler aus sozial schwachen Familien und aus Familien, in denen Deutsch nicht die erste Sprache ist. Sie haben kaum eine Chance auf Teilhabe an beruflicher Ausbildung und damit an einer selbstbestimmten Zukunft.
Inklusion ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, die es nicht zum Nulltarif gibt. Wir brauchen eine angemessene Ausstattung von Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen. Wir brauchen eine qualifizierte Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erziehern und wir brauchen eine breite gesellschaftliche Kommunikation von Chancen und Grenzen. Die Länder alleine können all dies nicht leisten. Hier muss auch der Bund Verantwortung übernehmen. Auch deshalb ist die Abschaffung des Kooperationsverbotes in der Bildung überfällig.
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Datum: 17.06.2013 - 18:21 Uhr
Sprache: Deutsch
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