Südwest Presse: Kommentar zu ÄGYPTEN
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Armeechef Sissi verordnete Polit-Fahrplan jetzt alt - und Ägypten
steht bereits mitten in der nächsten politischen Massenkarambolage.
Die Allianz der Opposition ist zerfallen, die Salafisten wedeln mit
einem eigenen Übergangskonzept. Und die Armeeversion vom
Terroristenüberfall, der das für Ägypten bisher beispiellose Blutbad
der Streitkräfte an Muslimbrüdern auslöste, findet immer weniger
Glauben. Alt-Diplomat und Ex-Hoffnungsträger Mohamed El-Baradei
schwant daher Böses: Er fordert eine unabhängige Untersuchung - die
es natürlich niemals geben wird. Kein Wunder, dass der neue
Übergangspräsident in dieser aufgeheizten Lage nun in einem Akt
verzweifelter Selbstsuggestion die Flucht nach vorne antritt. Bereits
innerhalb den nächsten sieben Monate sollen ein von Experten
revidiertes Grundgesetz verabschiedet und ein neues Parlament gewählt
worden sein, dekretiert er kühn. Doch im Ägypten von heute werden
keine Träume mehr wahr. Nach dem Auszug der Salafisten gerät die
restliche Tahrir-Allianz der zweiten Revolutionäre jetzt mehr und
mehr in den Ruch, an die Macht geputschte Wahlverlierer zu sein. Ihr
Bündnis mit Armee und Polizei könnte sich als Pakt mit dem Teufel
erweisen. Denn die Opposition ist hoffnungslos zerstritten, und ihr
Spitzenpersonal ist genauso mittelmäßig wie das der geschassten
Vorgängerführung.
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Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 09.07.2013 - 20:37 Uhr
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