Goethe, Rottweil und die Welt
Die Vergleiche sind kühn, aber sie seien dennoch gewagt: Goethe reist am 3. September 1786 in Karlsbad ab und beschreibt chronologisch, seine Beobachtungen reflektierend, in der "Italienischen Reise" die Reiseetappen mit dem Endziel Rom. Auch Joachim Fest folgt rund 200 Jahre später auf seiner Italienreise "Im Gegenlicht" der Chronologie auf dem Weg von Sizilien nach Rom.
Uwe Schütze hingegen lässt sich bei der Beschreibung seiner Reisen - unter anderem auch durch Italien - von Reflexionen, Assoziationen, Erinnerungen leiten und klammert sich nicht an Zeit und Ort. Sein (Reise)Buch "Volker, seine Wirrfahrten und Irrsale" wirkt deshalb auf den ersten Eindruck im Vergleich mit den anderen beiden Reisenden unübersichtlich, sprunghaft, ja geradezu sperrig. Schnelle "Schnitte", die unterschiedliche Zeiten und Orte patchworkartig zusammenfügen, sie dann wieder unvermittelt auseinanderreißen, verlangen eine erhebliche Konzentration des Lesers, um dem Tempo dieses Buches folgen zu können. Kurz gesagt: Es handelt sich um keine leichte Kost!
Aber, und das ist bei diesem Wälzer von 542 Seiten erstaunlich, gewinnt der (konzentrierte) Leser schnell den Überblick. Nach kurzer Anlaufzeit hat er sich an den Rhythmus gewöhnt und schwingt mit dem Autor mit. Uwe Schütze erleichtert dem Leser die Orientierung durch knappe Zwischenüberschriften, unterschiedliche Schrifttypen oder kurze Erläuterungen, sodass der "ohnehin zersplitterte Zeitstrang nicht noch weiter auffasert", wie Schütze selbst in einem der "Gegenschnitte" erläutert.
Die besuchten Orte lassen sich hier nicht vollständig aufführen - 185 Stationen sind es, den immer wieder eingeblendeten Fixpunkt Rottweil einbezogen. Eine Auswahl von Ländern, die Uwe Schütze bereist, sei aber genannt: USA, Frankreich, Italien Niederlande, Belgien, England, Österreich. Die Länder und Orte stehen nicht gleichgewichtig nebeneinander, denn bei näherer Betrachtung der vermittelten Eindrücke, Gefühle, Ideen fällt auf, dass Schütze eine besonders enge Beziehung zu den USA aufgebaut hat. Immer wieder besucht er Stationen in diesem Land und beschreibt seine Impressionen umso liebevoller und ausführlicher, je weiter diese zeitlich zurückliegen. Die endlosen Tage (und Nächte) im Greyhound-Bus im vorigen Jahrhundert lässt er mit nostalgisch anmutender, beinahe verklärender Intensität gegenwärtig werden.
Wie gekonnt Uwe Schütze mit der Sprache lebt, zeigt er zum Vergnügen des Lesers, wenn er, aus einem Füllhorn treffender Adjektive und Substantive schöpfend, ungewöhnliche Beschreibungen wagt. In Montecatini Terme "verherrlichen" die Villen und Thermalanlagen "die ehemaligen Triumphe des Jugendstils, verströmen daher ein altmütterliches unzeitgemäßes Fluidum, eine geschraubte, feierliche Grandezza, die von den Fast-Food-Restaurants und Spielhöllen konterkariert wird". Die Stadt benehme sich "wiesbadenhaft". Seiner ausgeprägten Fabulierlust gibt sich Schütze immer gerne hin, und der Leser genießt es.
Politisch korrekt ist das Buch keineswegs. Schütze macht keine Versuche, heikle Themen elegant zu umschiffen. So wird Charles Lindbergh als "bekennender amerikanischer Nazi" bezeichnet, die älteren Bewohner Miamis sind "verwitterte, vergreiste Senioren" und die engstirnigen Gläubigen sind die "Dümmsten aller lebenden Wesen". Vor allem in den USA gebe es eine "Menschenmasse, die von der religiösen Seuche befallen dahinvegetiert, deren Hirn ... vom Krebsgeschwür des Glaubens zerfressen wird". Hier gehen Schütze - zumindest in der Formulierung - die Pferde durch.
Beeindruckend ist Schützes umfassendes Faktenwissen, das er kurzweilig, ohne belehrend zu wirken, dem Leser vermittelt. Ob es sich um die "Grisaille" von Breughel handelt, das "Iguanodon" (eine Dinosaurierart) oder die korrekte Bezeichnung der Freiheitsstatue ("Liberty Enlightening the World"), immer kann er mit Leichtigkeit die Leser einbeziehen und sie auf die kurzweilige Wissenstour mitnehmen. Und wie nebenbei erläutert er die Grundzüge der Pluralbildung im Italienischen (zwei Capuccini oder zwei Capuccinos?) oder karikiert die Aufplusterei im Gebrauch der Sprache (Technologie statt Technik, Coiffeur oder Hairstylist statt eines simplen Baders).
Hier wird auch der ausgeprägte Humor Schützes deutlich, der es trotz mancher Polemik leicht werden lässt, ihm mit Lust zu folgen. Die raffinierten Verhandlungen zum Kauf eines betagten Chevrolet Impala für 250 Dollar gehören zu den zahlreichen Kleinodien dieses Buches, so wie die Charakterisierung der Huren der Weltpolitik oder die Beschreibung des Barlebens in Amsterdam ("Spitzenplatz an ausgewiesenem Kopulationsangebot"). Schütze kann über alles gekonnt schreiben über die Eagles, Rembrandt, Kreationisten, Dosenbier, Rilke, La Bohème. Immer bringt er eine besondere Sichtweise, manchmal individuell arg gefärbt, manchmal polemisch, aber nie langweilig!
Im Ergebnis legt der Leser das Buch bereichert aus der Hand, aber er kommt nicht darum herum zu überlegen, was er bisher aus seinem Leben gemacht hat, was er versäumt hat und ob er die Welt mit ausreichend kritischem Blick gesehen hat. Denkfaulheiten werden dem Leser mit Verve ausgetrieben - und Besseres kann ihm bei seiner Buchlektüre nicht passieren. Vielleicht wird mancher auch von der Ungeduld, Kraft und Unruhe Schützes mitgerissen und macht sich auf, die Welt zu erobern. Wenn das geschieht, muss Uwe Schütze mit seinem Buch "Volker, seine Wirrfahrten und Irrsale" den Vergleich mit den "Italienischen Reisen" nicht scheuen.
Das Buch "Volker, seine Wirrfahrten und Irrsale" von Uwe Schütze (ISBN: 978-3-86850-243-5) ist im tredition-Verlag erschienen. Es hat 548 Seiten und kostst 27,99 ?. Das Buch finden Sie hier: http://www.tredition.de/books/ID755
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Datum: 22.05.2009 - 11:25 Uhr
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