Badische Neueste Nachrichten: Der tapfere David
ID: 916241
ist kein Opfer der anglophoben, machtgierigen, realitätsfremden
EU-Bürokraten, wie das manche Inselbewohner lange geglaubt haben.
Eine neue, große Studie im Auftrag der Regierungskoalition von David
Cameron kommt zu dem Zwischenergebnis, dass die zahlreichen Vorteile
der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens zurzeit die einigen wenigen
Nachteile klar aufwiegen. Mit anderen Worten: Die Briten haben gar
keinen Grund zu jammern und auf neue Sonderrechte und Zugeständnisse
in Brüssel zu pochen. Für die dogmatischen Isolationisten in London
ist das ein schwerer Schlag. Sie mögen den Premier weiter der
"Schönfärberei" bezichtigen. Allerdings klingt dieser Vorwurf hohl.
Es lässt sich nämlich nicht leicht gegen eine gründliche Analyse der
Urteile von Hunderten Unternehmen, Steuerexperten, Wissenschaftlern,
Bürgerrechtlern, Interessengruppen und Organisationen argumentieren,
die das Außenministerium in den vergangenen acht Monaten befragt hat.
Doch die pro-europäische Bilanz der britischen Mitgliedschaft stellt
auch ein großes Problem für den Tory-Vorsitzenden dar. Cameron graut
es vor einem Ausstieg seines Landes aus der EU oder auch nur einer
Herabstufung Großbritanniens in die Zweitklassigkeit auf dem
Kontinent. Aus innenpolitischen Gründen muss der Premier jedoch für
seine Wähler die Rolle des tapferen Davids spielen, der gegen den
EU-Goliath antritt. Cameron braucht bis zur Wahl 2015 zumindest eine
angedeutete Bereitschaft in Brüssel, einige seiner Forderungen zu
erfüllen. Aber was soll er verlangen, wenn es im britischen
Verhältnis zu Europa nicht viel zu bemängeln gibt? Zweifellos hatte
sich der Hausherr in der Nummer Zehn gewünscht, in der Betrachtung
von sechs Einflussbereichen der EU auf der Insel mehr Kritik zu
lesen. Er wird jedoch einsehen müssen, dass eine aufge- klärte
Europa-Debatte seinem Land nicht schaden kann. Sie fängt gerade erst
an.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
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Datum: 25.07.2013 - 23:42 Uhr
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