Badische Neueste Nachrichten: Testspiel
ID: 920719
Konrad-Adenauer-Haus schon den Champagner für den Wahlabend und den
Blumenstrauß für die Wahl-Siegerin Angela Merkel bestellen? Glaubt
man dem "Deutschlandtrend" der ARD, dann ist die Wahl bereits
entschieden, bevor der Wahlkampf überhaupt begonnen hat. Demnach hat
die schwarz-gelbe Koalition zum ersten Mal seit 2009 wieder eine
eigene Mehrheit und liegt mit 47 Prozent knapp vor SPD, Grünen und
Linken, die es zusammen auf 46 Prozent bringen. Das würde zum
Weiterregieren reichen. Doch so einfach ist es nicht, der Champagner
muss noch warten, die Blumen auch. Denn das "Politbarometer" des ZDF
kommt zu einem völlig anderen Ergebnis: Die "Forschungsgruppe Wahlen"
sieht die drei Oppositionsparteien bei 48 Prozent, die Koalition
hingegen nur bei 45 Prozent. Zwei zeitgleich veröffentlichte Umfragen
mit völlig gegensätzlichen Ergebnissen belegen nur eines: In der
Politik ist es wie beim Fußball, die Wahrheit ist auf dem Platz, das
Spiel ist erst aus, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Umfragen sind
so aussagekräftig wie die Ergebnisse von Testspielen. Bis zum 22.
September sind es noch sieben Wochen, da kann noch viel passieren,
zumal die Wähler, die unberechenbaren Wesen, ihre Wahlentscheidung
immer später treffen. 34 Prozent der Bürger haben sich noch nicht
festgelegt. Klar ist nur eines: Eine wirkliche Wechselstimmung liegt
nicht in der Luft, eine eigenständige Mehrheit für Rot-Grün ist nicht
in Sicht. Damit tendieren die Chancen von Peer Steinbrück,
Bundeskanzlerin Angela Merkel abzulösen und selber Regierungschef zu
werden, gegen Null. Schwarz-Gelb hingegen hat seine guten Werte
ausschließlich einer einzigen Person zu verdanken - Angela Merkel.
Ohne sie würden die de Maizières, Pofallas und Altmaiers ziemlich alt
aussehen, ihre Leistungsbilanz jedenfalls rechtfertigt die Werte von
über 40 Prozent für die Union nicht. Wenn der Wahlkampf dennoch noch
spannend wird und der Urnengang am 22. September offen ist, dann
liegt dies vor allem an der FDP. Die Liberalen sind zwar wieder da,
weil sie - endlich - ihre Dauerquerelen an der Spitze eingestellt
haben, und doch müssen sie bis zuletzt um jede Stimme kämpfen. Nur
wenn Brüderle und Rösler liefern, klappt es mit der Fortsetzung von
Schwarz-Gelb.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
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Datum: 02.08.2013 - 21:34 Uhr
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