Schnabelbehandlung: Eierwirtschaft warnt vor vorschnellem Ausstieg - undübt Kritik an Minister Meye

Schnabelbehandlung: Eierwirtschaft warnt vor vorschnellem Ausstieg - undübt Kritik an Minister Meyer

ID: 921214
(ots) - In den vergangenen Tagen haben verschiedene
Agrarmedien über den freiwilligen Ausstieg der dänischen
Eierwirtschaft aus der Schnabelbehandlung berichtet. Klarstellend
weist die deutsche Eierwirtschaft nach Rücksprache mit dem dänischen
Branchenverband darauf hin, dass dieser Verzicht auf die
Schnabelbehandlung ausdrücklich nur für Hennen im ausgestalteten
Käfig gilt, nicht jedoch für Legehennen in Boden- oder
Freilandhaltung. Hier werde die Schnabelbehandlung weiter
praktiziert, bestätigte Jørgen Nyberg Larsen, Geschäftsführer der
"Danish Egg Association", gegenüber dem Bundesverband Deutsches Ei
(BDE). Nyberg Larsen betonte, dass eine Umsetzung des Verzichts in
alternativen Haltungsformen auch in Dänemark noch nicht möglich sei,
da weder ausreichendes Wissen noch wirkungsvolle Managementmaßnahmen
zum Verhindern von Federpicken und Kannibalismus vorhanden seien.
Diese Einschätzung wird von der deutschen Eierwirtschaft geteilt und
zeigt einmal mehr, dass ein vorschneller Ausstieg aus der
Schnabelbehandlung mit schwer kalkulierbaren Risiken für das Tierwohl
behaftet ist. "Die deutsche Eierwirtschaft ist ausdrücklich für einen
Ausstieg aus der Schnabelbehandlung", bekräftigt BDE-Vorsitzender Dr.
Bernd Diekmann, zugleich Vizepräsident des Zentralverbandes der
Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), "aber bei einem verfrühten
Ausstieg ohne fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse über
auslösende Faktoren und eine mögliche Kontrolle der
Verhaltensstörungen Federpicken und Kannibalismus wird lediglich ein
Tierschutzproblem durch ein anderes ersetzt."

In diesem Zusammenhang kritisiert Diekmann auch das Vorgehen von
Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Bündnis90/Die Grünen),
der im Zusammenhang mit dem geplanten Ausstieg aus der
Schnabelbehandlung die Vorbildfunktion der österreichischen


Legehennenhalter betont, dabei jedoch bewusst wesentliche Details
unberücksichtigt lässt. Zwar verzichtet Österreich auf die
Schnabelbehandlung auch in der Bodenhaltung - nimmt dafür aber Ställe
ganz ohne Tageslicht in Kauf, da die Lichtintensität als einer der
entscheidenden Einflussfaktoren für das Auftreten von Federpicken und
Kannibalismus gilt. Während also in österreichischen Ställen die
Fenster verdunkelt werden, ist in Deutschland ein Mindestmaß an Licht
gesetzlich vorgeschrieben, sodass deutsche Legehennenhalter bei einer
vergleichbaren Verdunkelung mit Strafen und Sanktionen zu rechnen
hätten. Von der zentralen Bedeutung dieser Verdunkelung für den
erfolgreichen Verzicht auf die Schnabelbehandlung hatte sich vor
wenigen Wochen auch Agrarminister Meyer bei einer Exkursion zu
österreichischen Legehennenställen überzeugen können. Gleichwohl ließ
Meyer diesen Aspekt bei seiner öffentlichkeitswirksamen
Pressekonferenz völlig unberücksichtigt. "Wider besseres Wissen hat
Meyer in der öffentlichen Darstellung verschwiegen, dass
Lichtintensität und Verdunkelung von zentraler Bedeutung sind",
kritisiert Diekmann. "Eine solche Darstellung ist unlauter, unseriös
und nährt den Verdacht, dass Meyer an tatsächlichen Lösungen in
Zusammenarbeit mit der Wirtschaft nicht interessiert ist."

Der richtige Weg aus Sicht der deutschen Eierwirtschaft ist
vielmehr, mit intensiver Unterstützung durch die Wissenschaft
fundierte Grundlagen für den mittelfristigen Ausstieg aus der
Schnabelbehandlung zu schaffen. Aus diesem Grund hat die Wirtschaft
eine direkte finanzielle Unterstützung des Forschungsverbundes
"Verzicht auf Schnabelkürzen bei Legehennen in Praxisbetrieben" im
Rahmen des Innovationsförderprogramms des Bundesministeriums für
Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zur
Erforschung von Managementmaßnahmen zur Vermeidung von Federpicken
und Kannibalismus zugesagt.



Pressekontakt:
ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.
Christiane von Alemann
Claire-Waldoff-Str. 7
10117 Berlin
Tel.: 030 288831-40
Fax: 030 288831-50
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Datum: 05.08.2013 - 11:00 Uhr
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