Populistische Forderung - Deutsche Kampftruppen sollen in Afghanistan bleiben

Populistische Forderung - Deutsche Kampftruppen sollen in Afghanistan bleiben

ID: 922695
(ots) - Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes
wurde jüngst in Medien mit der angeführten Einlassung zitiert.
Vertreter des Verbandes der Soldaten der Bundeswehr (VSB) sehen die
Äußerung als eine schlagzeilenträchtige Forderung, vorbei an den
Realitäten des Einsatzes und entgegen dem zugrundeliegenden Konzept
der schrittweisen Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit am
Hindukusch, in Gänze als unverantwortlich und ausschließlich dazu
geeignet zur Verunsicherung von Soldatinnen/Soldaten und der
Bevölkerung beizutragen.

Auf Grundlage internationaler Vereinbarungen sind die Streitkräfte
fremder Nationen dabei, die Sicherheitsverantwortung für und in
Afghanistan in nationale Hände zu legen. So wie die Truppen der
International Security Assistance Force (ISAF) abziehen, wächst die
Verantwortung für die eigene Sicherheit als Zeichen der Souveränität
des Landes.

Die künftig weiter im Land verbleibenden Angehörigen der
Bundeswehr werden zum Großteil in einer Mentorenorganisation an
Ausbildungseinrichtungen und in den Einsatzstrukturen der
Afghanischen Nationalarmee (ANA) verwendet. D.h. deutsche Soldaten
sind künftig zur Unterstützung der ANA ausschließlich als Berater,
oder als kleine Gruppe tätig.

Die für den Einsatz in Afghanistan geltenden internationalen Rules
of Engagement enthalten feste Grundzüge, die im Zusammenhang mit der
Vorbereitung und der Durchführung von Operationen gelten.
Selbstverständlich steht im Rahmen der Operationsplanung die
Kräfte-Raum-Zeit-Berechnung im Focus, die Vorgaben an Logistik und
sanitätsdienstlicher Unterstützung sind grundsätzlich zu beachten.
Insbesondere ist aber nicht vorgesehen, explizit nur einzelne,
nationale Elemente im Gefecht zu unterstützen - zumal dies in aller
Konsequenz als moralisch verwerflich angesehen wird. Wie also möchte


Herr Oberst Kirsch den Einsatz deutscher Kampftruppen angelegt sehen?
Das Land ist in seiner geographischen Ausdehnung riesig, wo soll die
Truppe stationiert sein, mit welchen Fähigkeiten, wer kann derzeit
realistisch abschätzen, wo es zukünftig zu Gefechten und Einsätzen
kommen kann?

Die Ausführungen des Vertreters des Deutschen Bundeswehrverbandes
geben ein vollkommen undifferenziertes, verunsicherndes Bild der Lage
im Einsatzland wieder.

Um auszugsweise einen aktuellen Eindruck aus Afghanistan zu geben,
wird auf ein Interview mit Brigadegeneral Michael Matz vom 4. August
2013 (Süddeutsche Zeitung) verwiesen. General Matz, der seit Februar
2013 im Regionalkommando Nord in Mazar-e-Sharif die Verantwortung für
Planung und Koordination militärischer Einsätze trägt, führte aus
"Hier im Norden agieren die (afghanischen) Sicherheitskräfte fast
autark mit einem nur noch geringen Zutun von uns. Allein im Juni
haben wir ein Dutzend Operationen gesehen, an denen 200 bis 2000
ihrer Männer teilgenommen haben(...). Die Sicherheitskräfte sind noch
nicht zu hundert Prozent aufgestellt, das wird erst Ende des Jahres
so sein. Allein die Tatsache, dass sie von sich aus operieren und den
Willen haben, für Sicherheit zu sorgen, ist positiv zu bewerten(...).
Die AFG-Opferzahlen steigen, weil sie jetzt in der ersten Reihe
operieren(...). Wir sind in die dritte Reihe zurückgetreten(...)".

Diese Schilderungen zeigen wie sich die Aufgaben im Einsatz der
deutschen Truppen wandeln.

Der Verband der Soldaten der Bundeswehr steht als
Interessenvertretung aller militärischen Angehörigen der Streitkräfte
für eine klare unmissverständliche Informationspolitik, die sich auf
belastbaren Fakten beruhend an der Sache orientiert und nicht an
vielfach emotional vorgetragenen und undifferenzierten
Selbsteinschätzungen einzelner.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.vsb-bund.de



Pressekontakt:
Verband der Soldaten der Bundeswehrwehr e.V.
Herr Nicolas Hohn
Medienbeauftragter
Malvenweg 1 a
51061 Köln
Tel.: 02441/9944148
E-Mail: bundesgeschaeftsstelle@vsb-bund.de

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Datum: 07.08.2013 - 11:33 Uhr
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