Neue OZ: Interview mit Jürgen W. Falter, Parteienforscher
ID: 924836
Veröffentlichung von Wahlumfragen
Falter: Ein Verbot per Gesetz gibt es nicht - "Piraten-Anhänger
kommen in vielen Umfragen nicht vor"
Osnabrück.- Der Mainzer Parteienforscher Jürgen W. Falter hat
sich dafür ausgesprochen, auch einen Tag vor der Bundestagswahl noch
aktuelle Umfragewerte zu veröffentlichen. Im Interview der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" (Montag) wandte sich Falter gegen die Praxis von
ARD und ZDF, kurzfristig keine Zahlen der Meinungsforschungsinstitute
mehr bekanntzugeben. Ein gesetzliches Verbot einer Prognose am
Samstag vor der Wahl gebe es nicht. "Es ist nur so, dass ARD und ZDF
das nicht genehmigen wollen." Das Argument der Wählerbeeinflussung
wies Falter zurück: "Wenn man eine Woche vor der Wahl nichts mehr
sagt, ist das ja auch eine Wählerbeeinflussung."
Der Parteienforscher erklärte, bis ein, zwei Wochen vor der Wahl
seien rund 30 Prozent der Wähler nicht definitiv festgelegt. Zehn
Prozent würden sich erst am Wahltag endgültig entscheiden. "Da sind
alle möglichen Überraschungen denkbar", erklärte Falter.
Nach seiner Einschätzung könnten Piraten und Sozialdemokraten bei
der Wahl mehr Stimmen bekommen als derzeit vorhergesagt. Viele
potenzielle Anhänger der Piraten würden in Telefonumfragen nicht
berücksichtigt, weil sie keinen Festnetz-Anschluss mehr hätten. "Die
kommen in die üblichen Wahlumfragen nicht rein, weil nicht alle
Institute Handy-Nutzer in ihre Telefonumfragen einbeziehen", sagte
der Parteienforscher. "Das ist noch ein verstecktes Potenzial." Auch
die SPD habe die Chance, besser abzuschneiden als in den Umfragen.
Dies habe die Aufholjagd im Bundestagswahlkampf 2005 mit dem
damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder gezeigt.
________________________________________________________________
Parteienforscher: Rot-grüne Minderheitsregierung im Bund denkbar
Falter sieht Nordrhein-Westfalen als mögliches Vorbild -
"Negativ-Kampagne der SPD gegen Merkel wenig erfolgversprechend"
Osnabrück.- Nach der Bundestagswahl am 22. September hält der
Mainzer Parteienforscher Jürgen W. Falter eine von der Linken
tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung für denkbar. In einem
Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montag) sagte Falter,
so eine Koalition sei verfassungsrechtlich ohne weiteres möglich.
"Das könnte man dann so machen wie in Nordrhein-Westfalen, in der
Hoffnung, dass die Bürger dann nach anderthalb Jahren entdecken: Das
ist ja doch nicht die Beelzebub-Koalition", erklärte der
Parteienforscher. "Dann könnte man Neuwahlen herbeiführen." Die
Linkspartei hatte 2010 in Nordrhein-Westfalen eine rot-grüne
Minderheitsregierung toleriert. Knapp zwei Jahre später scheiterte
das Projekt. Bei der anschließenden Neuwahl verbuchten SPD und Grüne
so viele Stimmengewinne, dass es für eine Mehrheit reichte.
Eine Ampel-Koalition von SPD, Grünen und FDP werde es "mit
Sicherheit" nicht geben, sagte Falter. Er schloss ebenfalls eine
Jamaika-Koalition (Schwarz-Grün-Gelb) aus, allein schon, weil Union
und Grüne zusammen eine klare Mehrheit auf die Waage brächten.
Kritisch äußerte sich Falter zur Wahlkampagne der SPD gegen
Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Die Deutschen seien nach
allen Umfragen relativ zufrieden mit Merkel. "Wenn es eine
Negativ-Kampagne gegen die Koalition wäre, dann wäre das
wahrscheinlich erfolgversprechender." Die Negativ-Kampagne führe
lediglich dazu, dass die positiven Botschaften der SPD weitgehend
verloren gingen.
Die SPD bewege sich außerdem von ihrer ursprünglichen
Wahlkampfstrategie weg, in dem sie sich in das Thema NSA "verbeißen"
wolle. "Das kann ihr aber keine Punkte einbringen", sagte Falter.
Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: +49(0)541/310 207
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 12.08.2013 - 05:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 924836
Anzahl Zeichen: 4322
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Osnabrück
Kategorie:
Wahlen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 234 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue OZ: Interview mit Jürgen W. Falter, Parteienforscher"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Osnabrücker Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Osnabrück. Der Krankenkassen-Spitzenverband GKV hat vor einem Aufweichen der Gesundheitsreform gewarnt, die am Freitag vom Bundestag beschlossen werden soll. "In den ersten Monaten des Jahres sind die Ausgaben der Krankenkassen doppelt so schnell gestiegen wir die Einnahmen. Wenn nicht schnell
Möglicher Kurswechsel bei Grünen: Brantner schwört Mitglieder auf "schwierige Kompromisse" ein / Regierungsverantwortung pragmatisch nutzen, "urgrüne Politik" von Özdemir als ...
Osnabrück. Im Richtungsstreit der Grünen hat Parteichefin Franziska Brantner einen pragmatischen Kurs angemahnt und die Parteibasis auf schmerzhafte Zugeständnisse im Falle einer künftigen Regierungsbeteiligung eingeschworen. Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz) sagt
"Werden überrollt": Grünen-Chefin warnt CDU vor Koalition mit AfD im Osten / Vor Ostdeutschland-Wahlen: Brantner befürchtet Parallelen zur Machtübernahme der Nazis, sie fordert Erhalt de ...
Osnabrück. Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern warnt Grünen-Chefin Franziska Brantner die CDU vor einer Koalition mit der AfD und zieht Parallelen zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. "Das Experiment, dass eine Partei der Mitte Faschisten zur Macht
Weitere Mitteilungen von Neue Osnabrücker Zeitung
Neue OZ: Kommentar zu Geheimdienste / USA / Deutschland ...
Für dumm verkauft Es hört einfach nicht auf. In der Affäre um die Arbeit der Geheimdienste folgt eine Enthüllung der anderen. Und es täuscht sich, wer glaubt, die Vorwürfe seien nicht mehr steigerungsfähig. Jetzt ist mit Blick auf den Bundesnachrichtendienst sogar von Beihilfe zu geziel
Neue OZ: Kommentar zu Verkehr / Bahn ...
Auf Kante genäht In ihrer Not greift die Deutsche Bahn zu kurzfristigen Maßnahmen, die keine Lösung sind, allenfalls peinliches Stückwerk. Weil der Mainzer Hauptbahnhof wegen einer zu hohen Zahl von Kollegen im Urlaub und Krankheitsfällen im Stellwerk weitgehend vom Fernverkehr abgekoppe
Neue OZ: Kommentar zu Russland / Olympia / Menschenrechte ...
Schwenkt eure Fahne! Schwule und Lesben werden in Russland nicht mehr nur diskriminiert. Sie werden mittlerweile brutal misshandelt, und der Staat stiftet noch dazu an. Dass die Anti-Homo-Gesetze inzwischen schon verbieten, im Beisein von Minderjährigen über Homosexualität auch nur zu spr
Neue OZ: Gespräch mit Andreas Zick, Gewaltforscher ...
Institut für Gewaltforschung rechnet mit ruhiger Bundesliga-Saison Leiter Andreas Zick: Fans haben durch Regionalkonferenzen Riecher gegen Gewalt - Aber nicht der "Illusion der Kontrolle" hingeben Osnabrück.- Der Bielefelder Gewaltforscher Andreas Zick rechnet mit einem ruhigen




