Mehr Transparenz: Internet sorgt für Leistungsdruck bei Immobilienmaklern
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Mehr Transparenz: Internet sorgt für Leistungsdruck bei Immobilienmaklern
- Dirk Wohltorf: 'Makler müssen wieder beginnen wirklich zu Makeln'
- Nikolaus Ziegert: 'Wer auf schnelles Geld aus ist, hat keine Zukunft'
- Björn Dahler: 'Der Servicemakler setzt da an, wo das Internet aufhört'
- Marc Stilke: 'Bewertung von Maklern wird Spreu vom Weizen trennen'
Berlin, den 12. August 2013 - In vielen Städten macht die hohe Nachfrage
nach Immobilien den Maklerberuf für immer mehr Glücksritter interessant. Es
gibt keine Zugangsbeschränkungen undüber das Internet erreichen auch
Unkundige viele Interessenten. Doch das Internet sorgt auch für mehr
Transparenz, denn Makler können inzwischen online bewertet werden. Wie
gehen seriöse Makler mit diesen Herausforderungen um? Was hilft dem
Verbraucher? Und welche Rolle kann die Politik spielen? Diese Fragen wurden
vergangene Woche im Rahmen eines Pressegesprächs von führenden
Branchenexperten diskutiert.
Grundsätzliche Einigkeit herrscht darüber, dass das Internet den Markt
deutlich transparenter macht.Über Immobilienportale im Internet bekommt
der Verbraucher einen umfassenden und wichtigen Marktüberblick, so der
Tenor. Allerdings bieten die Portale auch Unkundigen und schwarzen Schafen
die Möglichkeit, viele Interessenten zu erreichen. Hier müssen
professionelle Makler reagieren:
'Das klassische Maklergeschäft muss sich verändern. Makler müssen viel mehr
Informationen, viel mehr persönliche Kompetenz und viel mehr Beratung
bieten. Wer auf schnelles Geld aus ist, hat keine Zukunft', sagt Nikolaus
Ziegert, Geschäftsführer von Ziegert Bank- und Immobilienconsulting.
'Gerade bei Angebotsengpässen sind Makler sehr leicht in der Lage,
Immobilien ins Netz zu stellen und nur auf Anrufe zu warten. Doch dann
haben wir das Image, das wir nicht wollen. Makler müssen wieder beginnen zu
Makeln, den Verbraucher zu beraten und Service zu bieten', betont Dirk
Wohltorf, Vorstandsvorsitzender des IVD Berlin-Brandenburg.
'Der klassische Nachweismakler, der sich darauf ausruht zwei Menschen
zusammen gebracht zu haben und nichts weiter leistet, hat durch das
Internet ausgedient. Der Servicemakler setzt da an, wo das Internet aufhört
', erklärt Björn Dahler, Geschäftsführer von Dahler&Company.
Schwarze Schafe schaden der gesamten Branche
Der Immobilienmarkt boomt in vielen Städten. Die Aussicht auf schnelles
Geld lockt immer mehr Glücksritter in den Markt. Nach Recherchen von
ImmobilienScout24 hat die Anzahl der registrierten Makler in Berlin seit
2007 um 70 Prozent zugenommen. Ursächlich hierfür sind vor allem die
mangelnden Zulassungsbeschränkungen für den Maklerberuf:
'Wir fordern als Verband seit langem einen Fach- und Sachkundenachweis von
der Politik', sagt Dirk Wohltorf. 'Die negativen Fälle, in denen Makler nur
die Tür aufschließen und sonst keine Ahnung haben, schaffen es leider immer
wieder in den Medien. Dadurch kommt aber eine gesamte Branche in Verruf',
ergänzt Björn Dahler.
Damit Verbraucher künftig schlechte von guten Maklern unterscheiden können,
hat ImmobilienScout24 als größtes Immobilienportal 2012 eine
Maklerbewertung eingeführt. 'Mit unserer Bewertung bringen wir Transparenz
in den Anbietermarkt und trennen die Spreu vom Weizen. Guten Maklern bieten
wir damit eine Bühne, um ihre Serviceleistung glaubhaft zu präsentieren,
die schlechten werden es hierdurch künftig schwerer haben', erklärt Marc
Stilke, CEO von ImmobilienScout24. 'Ich bin davonüberzeugt, dass in
wenigen Jahren kein Makler mit schlechten Bewertungen noch einen Auftrag
bekommen wird.'
Politik setzt falsche Anreize
Im Hinblick auf das von der Politik diskutierte Bestellerprinzip herrscht
allgemeine Gelassenheit unter den anwesenden Maklern - nach dem Motto: Mal
sehen, was wirklich kommt. Inwiefern es geeignet ist, Mieter in
Ballungszentren zu entlasten, ist fraglich: 'Das Bestellerprinzip wird zu
einer größeren Klarheit führen, es mindert jedoch nicht die Wohnungsnot in
Ballungszentren. Im schlimmsten Fall werden die Kosten einfach auf den
Mieter abgewälzt', erklärt Marc Stilke.
Insgesamt werden die derzeitigen politischen Konzepte für den Wohnungsmarkt
jedoch sehr kritisch betrachtet. So z.B. die Pläne des Berliner Senats zur
Beschränkung der Außenprovision, um im Zuge einer geplanten
Grunderwerbssteuererhöhung Immobilienkäufer zu entlasten. 'Zu sagen, wir
deckeln die Provisionen und nehmen das eine Prozent
Grunderwerbsteuererhöhung dann den Maklern weg, ist ein unzulässiger
Eingriff in die Berufsfreiheit', erklärt Dirk Wohltorf. Björn Dahler
ergänzt: 'Dies zeugt von der Unfähigkeit einer Landesregierung, die nicht
mit ihren Mitteln haushalten kann und sich deshalb bei
Immobilientransaktionen bedienen will. Das ist eine absolute Farce.'
Nikolaus Ziegert istüberzeugt, dass die Berliner Politik derzeit eine
historische Chance verpasst: 'Die Politik unternimmt das Falsche, und
versäumt das Richtige zu tun. Wir haben gerade in Berlin eine riesige
Chance, Menschen in Wohneigentum zu bringen. Bei den heutigen Zinsen,
könnten viele Mieter Eigentum zu einem Preis bilden, der unter den
Marktmieten liegt. Das würde viele Probleme lösen und die innerstädtischen
Kieze stabilisieren. Dass eine solche Idee jedoch quer durch alle Parteien
keine Unterstützung erfährt, ist ein Armutszeugnis. Die hiesige Politik
betrachtet die Berliner weiterhin als Mieter. Doch wenn diese immer mehr
Miete zahlen, ist das eine schleichende Enteignung der Bürger.'
Das Pressegespräch 'Zwischen Transparenz und Nachfragedruck' wurde
moderiert von Steffen Uttich, Leiter Fondsmanagement der BEOS AG.
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Marcus Drost
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Datum: 12.08.2013 - 10:31 Uhr
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