Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Obama und Putin
Mangel an Beweisen
DIRK HAUTKAPP, WASHINGTON
ID: 939547
für ihren geplanten Mini-Feldzug gegen das Assad-Regime in Syrien
einfordert, desto unangenehmer fallen politische Fehler ins Auge. Bis
heute weigert sich Washington, Beweise auf den Tisch zu legen, die
öffentlich nachvollziehbar machen, was hohe Kabinettsmitglieder Tag
für Tag behaupten: dass es "ohne jeden Zweifel" das Assad-Lager war,
das am 21. August Hunderte von Menschen nahe Damaskus vergast hat.
Die schlichte Aufforderung an die Welt: "Vertraut uns! Die Beweise
sind erdrückend!" erzeugt vielerorts gegenteilige Reaktionen.
Übrigens auch im Kongress, wo beileibe noch nicht abzusehen ist, ob
der Präsident für seinen strategisch bedenklichen Vergeltungsplan
eine Mehrheit erhalten wird. Die Befürchtung, wie weiland vor dem
Irak-Angriff hinter die Fichte geführt zu werden, ist allgegenwärtig.
Indem Außenminister John Kerry und Co. bereits sehr früh die Arbeit
der von den UN nach Syrien entsandten Inspektoren entwertet haben
("Sie können uns nichts sagen, was wir nicht selbst schon wüssten"),
beraubt sich die US-Regierung ihres wirksamsten Mittels: einer
unabhängigen Bestätigung durch Gutachter der internationalen
Gemeinschaft. Ein Testat der Vereinten Nationen würde das syrische
Unrechtsregime wie mit einem Neonstrahl treffen, Moskau und Peking
isolieren und Washington internationalen Flankenschutz verschaffen,
um der weltweiten Ächtung von Chemiewaffen neue Geltung zu
verschaffen und etwaige Nachahmer abzuschrecken. Die Art und Weise,
in der die Obama-Regierung stattdessen aufs Tempo drückt und die
Arbeit der Waffeninspekteure unterläuft, kann man darum nur als
kurzsichtig bewerten. Niemand hat das früher erkannt als der
russische Querkopf Wladimir Putin. Ihm sind die Zivilisten in Syrien
gleichgültig. Er will Obama in die Knie zwingen.
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Datum: 05.09.2013 - 20:40 Uhr
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