EU-Agrarpolitik erhöht Hungerrisiko in armen Ländern

EU-Agrarpolitik erhöht Hungerrisiko in armen Ländern

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EU-Agrarpolitik erhöht Hungerrisiko in armen Ländern



(pressrelations) -
Trendanalyse zur globalen Ernährungssicherung: Germanwatch fordert vor dem Welternährungstag Wende in der Landwirtschaftspolitik

Die Risiken für die Ernährungssicherheit weltweit nehmen zu - und die europäische und deutsche Landwirtschaftspolitik hat großen Anteil daran. Zu diesem Schluss kommt die neue "Trendanalyse zur globalen Ernährungssicherung" der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch. "Von einer Entspannung der Lage, wie sie der neue Jahresbericht zur Welternährung der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO suggeriert, sind wir weit entfernt", betont Dr. Klemens van de Sand, Autor der Studie und Germanwatch-Vorstandsmitglied. Durch den Ausbau der Agrarenergie in Europa und den massiven Import von Futtermitteln (Soja) für die industrialisierte Fleischproduktion werden in Südamerika riesige Acker-, Weide- und Waldflächen für den klimaschädlichen Anbau von Futter- und Energiepflanzen in Monokulturen umgewidmet. Im Gegenzug entziehen steigende Billigexporte von Fleisch und Milchprodukten aus der EU vielen Bauern in Entwicklungsländern ihre Existenzgrundlage und machen Möglichkeiten für eine eigenständige Versorgung mit Nahrungsmitteln zunichte.
Die Zahlen, Daten und Grafiken in der Trendanalyse verdeutlichen, dass die Entwicklung auch vor dem Hintergrund weiterer Faktoren besorgniserregend ist: Die pro Kopf verfügbare Agrarfläche nimmt im Zuge des Bevölkerungswachstums und der Urbanisierung weltweit ab, gleichzeitig vernichten zunehmende Extremwetterereignisse als Folge des Klimawandels in immer größerem Maße Ernten.

Dementsprechend müsste auf den verbliebenen Flächen mehr produziert werden. "Doch unsere Trendanalyse zeigt, dass die Hektarerträge von Getreide und Reis seit einigen Jahren kaum noch steigen. So wird das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage immer prekärer", erläutert van de Sand. "Die Gefahr von Versorgungskrisen und Preisschocks wächst. Höhere Preise kommen wegen des ungleichen Wettbewerbs bei den lokalen Produzenten kaum an, treffen aber arme Verbraucher und Kleinbauern, die Nahrungsmittel zukaufen müssen." Manche Formen von Finanzanlagefonds sorgen mit Spekulationen zumindest kurzfristig für weitere Steigerungen und insgesamt für stärkere Preisschwankungen.



Germanwatch: EU sollte bäuerliche Familienbetriebe in Entwicklungsländern stärken

Germanwatch fordert die EU und die künftige Bundesregierung auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. "Es ist nicht die Aufgabe Europas, Massen von Lebensmitteln für den Export in arme Länder zu produzieren und damit die Märkte dort zu stören", sagt Klemens van de Sand. Stattdessen müsse die Produktivität dort erhöht werden, wo schon derzeit 70 Prozent der Nahrungsmittel weltweit produziert werden und wo 70 Prozent der Armen leben: bei den bäuerlichen Familienbetrieben in Entwicklungsländern. Die EU sollte durch Hilfen für Forschung, Beratung und Infrastruktur den Aufbau einer ökologisch nachhaltigen, Einkommen und Arbeitsplätze schaffenden Landwirtschaft fördern sowie die Anpassung an den Klimawandel unterstützen.

Zudem muss die EU eine Wende in ihrer Agrar- und Handelspolitik einleiten: Germanwatch fordert, die Nutzung von Agrarflächen in Entwicklungsländern für die Massenproduktion von Fleisch und Milch sowie für die Agrarenergie in Europa zu begrenzen. Darüber hinaus müssen die Agrarfinanzmärkte wirkungsvoll reguliert werden, um Preisblasen an den Getreidebörsen zu verhindern. Nicht zuletzt unterstreicht die Trendanalyse, wie wichtig es ist, dass sich die EU und Deutschland wieder stärker für internationale Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgasemissionen einsetzen.

Die Germanwatch-Trendanalyse "Die Risiken nehmen zu" zum Download: http://germanwatch.org/de/7068


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Datum: 09.10.2013 - 13:01 Uhr
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