Wassertechnik für Megacities
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Interview mit Dr. Eckhard Roos, Leiter Industriesegment Management Prozessautomation

(PresseBox) - Wir betrachten die Rolle der Automatisierungstechnik in der Wasser- und Abwasserbranche.
Betrachten wir die Rolle der Automatisierungstechnik in der Wasser- und Abwasserbranche und welche Chancen sich für eine nachhaltige Wasserversorgung in urbanen Infrastrukturen auftun.
Herr Dr. Roos, können Sie die Wassersituation und den Markt für Wassertechnik in Deutschland, aber auch weltweit beschreiben?
Wasser ist bereits ein knappes Gut und wird zukünftig noch ein knapperes Gut werden. Wenn man sich die Zahlen genauer anschaut: in 2010 hatten wir eine Balance zwischen dem weltweiten Wasserverbrauch und dem verfügbaren Oberflächen- und Grundwasser. Experten schätzen aber, dass in 2030 nur etwa 60 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs durch verfügbares Oberflächen- und Grundwasser gedeckt werden kann. Das verdeutlicht relativ klar, dass wir an verschiedenen Stellen einen Paradigmenwechseln benötigen. Zum Beispiel dürfen wir Abwasser nicht mehr als Last oder als Abfall betrachten, sondern Wasser als Ressource für Frischwasser sehen und Abwasser wieder in den Wasserkreislauf für Frischwasser einspeisen.
Sie hatten auch nach dem Markt gefragt. Zunächst unterscheiden wir zwischen den entwickelten Ländern und den sich entwickelnden Ländern. In den entwickelten Ländern, beispielsweise Deutschland und Europa, sehen wir klar den Trend in Richtung mehr Energieeffizienz und Anlagenmodernisierung. Während wir in den sich entwickelnden Ländern ganz klar den Trend in Richtung Kapazitätsaufbau sehen. Damit soll den Bewohnern frisches Trinkwasser zur Verfügung gestellt und erzeugtes Abwasser entsprechend aufbereitet werden können.
Welche Trends zeichnen sich derzeit in der Wasserbranche ab?
Die Trends im Markt gehen ganz klar in Richtung Lebenszykluskostenoptimierung von Anlagen. Lebenszykluskostenoptimierung ist auf verschiedene Art und Weise möglich. Auf der einen Seite durch Reduzierung der Investitionskosten, aber auch vor allen Dingen in Richtung Reduzierung der Ressourcenverbräuche über den Lebenszyklus hinweg. Dies ist ein sehr wichtiges Thema, weil diese Art von Anlagen 30 Jahre oder länger betrieben werden. Was ein starker Unterschied zur Fabrikautomation darstellt. Das heißt, diese Anlagen unterliegen einer kontinuierlichen Modernisierung und da ist ein wesentliches Thema natürlich auch die Energieeffizienz. Die Energieeffizienz kann gesteigert werden durch Anwendung von energieeffizienten Komponenten, aber auch durch verfahrenstechnische Änderungen in der eigentlichen Anlagenkonfiguration.
Desweiteren ist die Energieautarkheit ein wichtiges Trendthema. Da ist auf der einen Seite die Vision der energieautarken Kläranlage, die sich aus dem eigentlichen Klärprozess selber mit elektrischer Energie durch Faulgasverstromung versorgt. Auf der anderen Seite haben wir auch mittlerweile Lösungen am Markt, in denen wir energieautark Regenrückhaltebecken automatisieren und diese über GSM-Technologie an das übergelagerte Scada-System in der Kläranlage anbinden. Dadurch hat der Betreiber mehrere Vorteile; einerseits liegen die Prozessdaten direkt vor Ort in der Kläranlage vor und andererseits lässt sich Wartungsaufwand dadurch einsparen, da das Betreiberpersonal nicht mehr in zyklischen Abständen die Anlagen inspizieren muss.
Gesamthaft gesehen wird der Trend in Richtung verbesserter Verfahrenstechnik, in Richtung einer höheren Energieeffizienz beispielsweise bei Membrananlagen, aber auch zu mehr Energieeffizienz bei bereits bestehenden Installationen gehen.
Welche Lösungen entwickelt Festo für die Wasserver- und -entsorgung?
Wir haben verschiedene Lösungen. Zunächst mal können wir integrierte Lösungen anbieten; von dem eigentlichen Prozessventil auf der Prozessseite über die Automatisierungsebene bis hin zur Bedien- und Beobachtungsebene. Das heißt, alles aus einer Hand mit dem entsprechenden Kundennutzen wie reduziertes Engineering oder one-stop-shop bei den Beschaffungsvorgängen unserer Kunden.
Auf der anderen Seite haben wir Spezialitäten in unserem Produktportfolio. Beispielsweise hat ein Kunde aus Ägypten die Anforderung an uns gestellt, eine Anlage ausgehend von einem Bedienpult ohne elektrische Energie und ohne Steuerung bedienbar zu haben. Das ist natürlich für uns prädiziert als Pneumatikspezialist. Wir konnten ihm diese Anlage liefern und er hatte den entsprechenden Nutzen in der Inbetriebsetzung, aber auch im späteren Betrieb der Anlage.
Welche Projekte hat Festo bereits weltweit realisiert?
Es gibt unzählige Beispiele. Wir haben von Kläranlagen in Mexiko über Trinkwasseraufbereitungsanlagen auf den Philippinen, in Südafrika und natürlich auch in Deutschland, im kommunalen Wasser- und Abwassergeschäft eine Vielzahl von Projekten realisiert. Das heißt, unsere Referenzen sind global verteilt. Dabei sind auch Projekte in Megacities, wie beispielsweise die Wasseraufbereitung in Nanjing (China), jüngstes Beispiel ist Sankt Petersburg (Russland), Kairo (Ägypten) und Istanbul (Türkei). Die komplette Trinkwasserversorgung von Istanbul wird mit Komponenten und Systemlösungen von Festo automatisiert. Das ist für uns ein großer Markt, deswegen gehen wir auch auf die Metropolitan Solutions Messe in Hannover, um diese Lösungen dort vorzustellen.
Wir sollten uns aber nicht nur auf den kommunalen Bereich der Wasserbehandlung beschränken, auch im industriellen Abwasseraufbereitungsbereich sind wir aktiv. Die größte Anlage, die wir automatisiert haben, ist bei Petrobras in Brasilien.
Wie schult man die Anwender in den Wasser- und Klärwerken?
Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Zunächst einmal über unsere Standard-Schulungssysteme der Festo Didactic. Die Festo Didactic hat zusätzlich jetzt ein neues System speziell für Wasserapplikationen in den Markt hineingebracht, welches den kompletten Wasserkreislauf abbildet. Das heißt von der Frischwasserentnahme im Fluss über die Wasseraufbereitung, den Wasserverbrauch, die nachgelagerte Klärung der Abwässer bis zur Rückleitung in den Fluss. Dieses System bietet exzellente Möglichkeiten, neben der eigentlichen Automatisierung auch die verfahrenstechnische Abhängigkeiten der einzelnen Verfahrensabschnitte zu schulen, zum Beispiel bei Starkregenereignissen, welche mit entsprechender Einbringung von Kontaminationen simuliert werden können. Was bei diesem System auch interessant ist, sowohl der Betreiber als auch das Wartungspersonal können lernen wie man mit Gefahrstoffen richtig umgeht, denn wir haben bei diesem System, wie in der Realität, eine Chlordosierung eingebaut. Daher kann der Umgang mit Chlor auch dort direkt trainiert werden.
In welchen Netzwerken und Kooperationen ist Festo vertreten?
Wir sind auf der einen Seite in GWP, German Water Partnership, vertreten. Das ist ein Verbund von Unternehmen der Automatisierungsindustrie in Deutschland, die Komponenten und Systeme in die Wasserwirtschaft hinein liefern. Wir haben dort auch den Vorsitz in zwei Regionsarbeitskreisen. Die dwa - Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. - ist zu nennen und vor allem auch den ZVEI, den Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie in Deutschland. Dort haben wir zusammen mit sechs weiteren Unternehmen im Rahmen eines Projekts ein Tool entwickelt, mit dem man Lebenszykluskosten in Bezug auf Alternativtechnologien vergleichen kann. Das heißt, zwei Alternativtechnologien werden in Bezug auf Energieeffizienz und andere Kostenarten über die komplette Betriebsdauer der Anlagen verglichen. Anschließend wird dem Betreiber das bessere Modell entsprechend vorgeschlagen.
Herr Dr. Roos, herzlichen Dank für das Gespräch.
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Datum: 14.10.2013 - 16:04 Uhr
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