Der sichere Weg: Warum nur wenige Studierende den Schritt wagen und gründen

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Der sichere Weg: Warum nur wenige Studierende den Schritt wagen und gründen



(pressrelations) -
"Keine Geschäftsidee, Angst vor Scheitern und finanziellem Verlust"

Gründen - davon halten etwa 75 % der Studierenden wenig. Sie wollen in den nächsten zehn Jahren kein Unternehmen aufbauen. "Viele schließen eine Unternehmensgründung aus, obwohl sie sich nicht damit befasst haben. Hochschulen sollten hier ansetzen", sagt Dr. Astrid Lange. Sie forscht an der Universität Hildesheim über Karriereentscheidungen von Studierenden. Die Hildesheimer Uni bietet vor allem Raum, kulturelles und soziales Unternehmertum näher zu untersuchen. Keine Eintagsfliegen sind etwa die Gründer von Bella triste, dem Türkisch-Deutschen Theater und transeuropa.

"In der Bundesrepublik Deutschland ist die Angst vorm Scheitern hoch. Das ist unser Manko: Viele junge Menschen schlagen einen vermeintlich sichereren Berufsweg ein. Eine Gesellschaft, in der dieses Sicherheitsdenken dominiert, wird beim technologisch-gesellschaftlichen Wandel nicht mithalten können", sagt Dr. Astrid Lange von der Universität Hildesheim. Sie forscht an der Schnittstelle von Psychologie und Wirtschaftswissenschaften. In mehreren Studien untersuchte die Psychologin, was junge Menschen "ureigen mit der Gründung eines Unternehmens verbinden, wie sie die Chancen, Risiken und Belastung einschätzen". Dabei wurden über 1.000 Studierende wirtschafts-wissenschaftlicher Fächer an einer Brandenburgischen Universität befragt.

Ein Ergebnis: Vorbehalte sind weit verbreitet. Bis zu 75 % der befragten Studierenden wollen "in den nächsten zehn Jahren eher nicht gründen", knapp über 60% schließen diese berufliche Möglichkeit sogar prinzipiell auch für den weiteren Berufsweg in ihrem Leben aus.
Astrid Lange wollte deshalb herausfinden, warum eine so große Gruppe eine Gründung "kategorisch ausschließt". "Verblüffend ist, dass sie sich im Studium kaum mit Unternehmensgründungen befasst haben. Dennoch glauben sie, dass sie keine gute Geschäftsidee entwickeln können, haben Angst vorm Scheitern und finanziellen Einbußen", erklärt Lange. "Die Folgen sind in der Wirtschaftsentwicklung spürbar. Es fehlen schlichtweg jene Ideen und Lösungswege, die nicht entwickelt werden." Zudem nennt sie individuelle Konsequenzen. Gründen sei "eine Chance, sich von ?Konkurrenten? abzugrenzen". Gründerinnen und Gründer zeigen Eigeninitiative und setzen ein Signal: "Ich kann das!", das könne künftige Vorgesetzte in Bewerbungsverfahren überzeugen.



"Hochschulen können handeln. Studierende sollten Unternehmertum als berufliche Option wahrnehmen und sich damit ernsthaft und ohne Vorbehalte auseinandersetzen", sagt Astrid Lange, die in ihrer Forschergruppe an der Uni Hildesheim Wege aufzeigen möchte, wie Hochschulen Vorbehalten begegnen können - in der Lehre und bei der Gründungsförderung. "Eine Maßnahme liegt darin, mit vielfältigen Modellpersonen zu arbeiten, von der Gründerin bis zum sozialen Unternehmer (social entrepreneur). Nicht nur der klassische Gründer- Steve Jobs und seine Idee zur passenden Zeit - sollte Thema auf dem Campus und in den Medien sein", fordert Lange. Hochschulen sollten den Studierenden vermitteln, dass unternehmerisches Denken und Handeln auch in Unternehmen immer wichtiger wird (Intrapreneurship).
Wichtig sei neben der Sensibilisierung für Unternehmertum die Qualifizierung, wobei hier die Kooperation mit anderen Einrichtungen in der Region zielführend ist. Hochschulen sollten Räume schaffen, die Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Experimentieren ermöglichen, so Lange. Gründergeist, Eigeninitiative, Kreativität im Umgang mit den gesellschaftlichen Herausforderungen müsse spürbar wertgeschätzt werden, so Lange. Eine Möglichkeit hierfür ist die Unterstützung bei der Teilnahme an Wettbewerben.

Je nachdem, wie präsent Unternehmertum in der Region ist, färbt es auf Studierende ab und kann "zu regionalspezifischen Überzeugungen führen". Langes Untersuchung zeigt auch, welche persönlichen Aussichten sich jene Studierende ausmalen, die ein Unternehmen in den nächsten zehn Jahren gründen wollen: Eine eigene Unternehmensgründung ist ihrer Meinung nach vor allem mit Lernen und dem Tragen von Verantwortung verbunden. Sie sind davon überzeugt, dass Familie und Freunde ihre Gründung befürworten und dass sie die ihrer Meinung nach erforderliche Arbeitseinstellung und Kreativität aufbringen können. Um Unternehmertum von Frauen zu fördern, sollten ihre unternehmerischen Aktivitäten stärker befürwortet und unterstützt werden.

In Hildesheim plant Astrid Lange, Kultur- und soziales Unternehmertum von Studierenden zu untersuchen, das bisher kaum erforscht wird. "Es geht nicht nur darum, Millionär zu werden, Unternehmen im weiten Sinn können kulturelle und soziale Ziele verfolgen. Sie müssen genauso wirtschaftlich arbeiten, Personal einstellen und am Markt überleben."

Warum ein junger Mensch unternehmerisch tätig wird - die Forschungsergebnisse von Astrid Lange gewinnen in der Wirtschafts- und Bildungspolitik zunehmend an Bedeutung. Ihre Dissertation bildet eine wissenschaftliche Grundlage, wie Unternehmertum an Hochschulen und Schulen gefördert werden kann. Am 28. Oktober 2013 erhält Lange für ihre Dissertation "Subjektive gründungsbezogene Überzeugungen Studierender" den Wissenschaftspreis des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller in Berlin, dotiert mit 3.000 Euro. Ausgewählt wurde sie von einer Fachjury aus Vertretern Berliner und Brandenburger Universitäten und Fachhochschulen unter Vorsitz von Prof. Dr. Peter Deuflhard, FU Berlin.

Zur Person:
Dr. Astrid Lange ist seit 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe "Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik" von Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis an der Uni Hildesheim. Zuvor lehrte und promovierte sie an der BTU Cottbus. Lange forscht an der Schnittstelle von Psychologie und Wirtschaftswissenschaften über Karriereentscheidungen, studentische Unternehmensgründungen und Potential-förderung in der Schule. Sie arbeitete gemeinsam mit der LMU München im BMBF- und ESF-Verbundprojekt "Mobilisierung innovativer Unternehmerinnen-Potenziale" und entwickelte eine Gründungswerkstatt für fachheterogene Studienteams im Rahmen von "EXIST-III Existenzgründungen aus der Wissenschaft" mit.

Jung gründen im Kulturbereich - drei Beispiele an der Uni Hildesheim

Drei junge Gründerteams der Uni Hildesheim - frisch, mutig und mit vielen Ideen befassen sich die Studierenden mit unserer Sprache, dem Zusammen-leben in Migrationsgesellschaften und Europa. Keine Eintagsfliegen sind:

Zusammenleben in Einwanderungsländern: Das Türkisch-Deutsche Theater
Wie Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkünfte und Berufsfelder seit 23 Jahren gemeinsam die Bühne rocken - zeigen Studierende und Bürger. Die 20- bis 65-Jährigen befassen sich mit dem Alltag in Einwanderungsländern. Das Türkisch-Deutsche Theater ist eines der längsten freien Theaterprojekte in Niedersachsen. Seit 1990 leiten Kulturwissenschaftsstudenten der Uni Hildesheim das TDT. Damals wollten sie einen Raum schaffen, um künstlerisch "über das Verhältnis von Einheimischen und Fremden, über Probleme und Möglichkeiten des Zusammenlebens" nachzudenken. Während in den Anfangsjahren Integration auf der Bühne behandelt wurde, findet sie inzwischen ganz praktisch hinter der Bühne statt. "Was ich erlebe? Bei uns passiert Integration indem Menschen zusammenkommen und sich mit Wohlwollen begegnen. Durch junges Engagement kann ein Ort geschaffen werden an dem Begegnungen möglich sind", sagt die Kulturwissenschaftsstudentin Isabel Schwenk. http://tdth.wordpress.com/

Junge Gegenwartsliteratur: Bella triste
Nach einem Jahrzehnt hat die "Zeitschrift für deutschsprachige Gegenwartsliteratur Bella triste" einen festen Platz im Literaturbetrieb. Gegründet im Jahr 2001 durch Wiebke Späth und Paul Brodowsky, erscheint sie seitdem dreimal im Jahr und präsentiert junge Prosa, Lyrik und dramatische Texte, Graphic Novels, Essays und Interviews. Ihre Macher - allesamt noch Studentinnen und Studenten des "Kreativen Schreibens" an der Universität Hildesheim - finden erfrischend neue Wege, um sich kritisch mit zeitgenössischer Literatur auseinanderzusetzen. Mehr als 1200 Einsendungen von Autoren erreichen die Redaktion pro Jahr. Seit 2003 veranstaltet der gemeinnützige Verein Bella triste das größte Literaturfestival für junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur. "Prosanova" findet alle drei Jahre in Hildesheim statt, das nächste Mal 2014. "Wir wollen Leute für Literatur begeistern und Aufmerksamkeit für junge Autoren und Autorinnen generieren", sagt die Redaktion, bestehend aus Juan S. Guse, Stefan Vidovic, Karl Wolfgang Flender, Juli Zucker, Benjamin Quaderer und Lena Vöcklinghaus. www.bellatriste.de

Europäisches Zusammenleben: transeuropa
Was man in Kulturprojekten lernt und bewirkt: Seit 1994 organisieren Studierende der Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim alle drei Jahre das Theater- und Performancefestival transeuropa - und geben ihr Wissen an die nachfolgende Studentengeneration weiter. 2012 vertraten sie die Bundesrepublik Deutschland beim Europäischen Jugendkarlspreis. Das studentische Organisationsteam von transeuropa e.V. führt junge Künstler aus Europa zusammen, bezieht Bürger und Schulen aus Hildesheim mit ein und untersucht etwa, wie und warum Menschen in Europa zusammenleben. "Man lernt ein großes Maß an Verantwortung zu übernehmen und steckt voller Ehrgeiz, die hoch gesteckten Ziele zu verwirklichen. Die Arbeit im Kollektiv und die freien Gestaltungsmöglichkeiten sind ein Motor, der uns antreibt dieses internationale Kulturprojekt in seiner fast 20-jährigen Tradition fortzuführen", sagt Marco Barsda. Er studiert "Kulturvermittlung" und gehörte bis 2012 zum Leitungsteam. Felix Worpenberg studiert im Master "Inszenierung der Künste und Medien". Alles steht bevor - er ist Mitorganisator von transeuropa 2015.
www.transeuropa-festival.de/2012/


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Datum: 23.10.2013 - 09:31 Uhr
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