Roland Berger-Studie: Europäische Banken haben Schwierigkeiten, sich an die neuen Strukturen im Einlagengeschäft anzupassen
ID: 968758
- Europäische Privathaushalte haben ein Einlagenvolumen von insgesamt
8,5 Billionen Euro - ein Drittel der gesamten Finanzanlagen
- Seit der letzten Finanzkrise ist die Nachfrage nach
Einlageprodukten mit geringem Risiko sehr hoch; Finanzinstitute
zahlen tendenziell zu viel für Einlagen
- Europäische Banken müssen das Sparverhalten ihrer Kunden genauer
analysieren und die Elastizität der Einlagenvolumina modellieren
- Die staatlichen Interventionen im Einlagengeschäft nehmen zu
- dies sollten die Banken bei der Entwicklung ihrer
Einlagenstrategien berücksichtigen
Die europäischen Privathaushalte verfügen über stolze 8,5
Billionen Euro an Einlagen. Diese stellen somit einen Grundpfeiler
des europäischen Wirtschaftssystems dar und repräsentieren ein
Drittel der gesamten Finanzanlagen. Obwohl die Realrenditen in den
letzten Jahren in den meisten EU-Ländern negativ ausfielen, hält die
Flucht der Bankkunden in Einlagenprodukte mit niedrigem Risiko an.
Seit 2009 haben die Finanzkrise und die Einführung von
Liquiditätszielen unter Basel III bei den Banken dazu geführt, dass
sich viele auf das Einlagengeschäft zurückbesonnen haben. Darüber
bestreiten Kreditinstitute mehr als die Hälfte ihrer Refinanzierung,
so die Ergebnisse der neuen Studie von Roland Berger Strategy
Consultants "Retail deposits - prepare for a bumpy ride".
Vor der Krise waren Kundeneinlagen für die Banken eine deutlich
günstigere Refinanzierungsquelle als Interbankenkredite oder der
Kapitalmarkt. Als Folge der Finanzkrise und zahlreicher
Zentralbankinterventionen ist heute das Gegenteil der Fall. "Die
Banken sind bereit, für Einlagen zu zahlen, weil sie weitgehend
stabil und unter Basel III-Gesichtspunkten zwingend notwendig sind",
erklärt Frank Heideloff, Partner von Roland Berger Strategy
Consultants. "Aber eigentlich bezahlen Banken im Vergleich zu anderen
Refinanzierungsquellen noch zu viel für Einlagen, auch wenn das
absolute Niveau inzwischen abgesenkt wurde."
Europäische Banken müssen sich der Strukturveränderung anpassen Um
im Einlagen- und Spareinlagengeschäft erfolgreich zu sein, müssen
Kreditinstitute die schwierige Balance zwischen Einlagenstabilität,
Profitabilität der Bank und Kundenbindung halten. Dafür sollten
europäische Banken auf eine Optimierung der Passivseite ihrer Bilanz
achten. In der Regel verfügen Banken über hochentwickelte
ökonometrische Verfahren, um ihre Assets optimal zu verwalten. Doch
um die Passivseite ihrer Bilanz - allen voran ihr Einlagengeschäft -
zu managen, fehlen etlichen Kreditinstituten solche Instrumente.
"Banken entscheiden oft über Preise und Produkte im
Einlagengeschäft auf Basis der Einschätzungen von Produktmanagern
oder auch ad hoc, wenn Liquiditätsdruck herrscht, anstatt auf solide
mathematische Modelle zurückzugreifen" erklärt Roland Berger-Experte
Heideloff. "Einlagenmanagement durch Kampagnen - das funktionierte
noch vor der letzten Finanzkrise, ist aber heute kein praktizierbares
Modell mehr. Denn heute entscheidet eine optimierte Passivseite der
Bilanz zunehmend über die Gewinne der Banken mit."
Sparverhalten der Kunden und Elastizität der Einlagen: wichtige
Parameter der neuen Einlagenstrategie In erster Linie sollten
Finanzinstitute das Sparverhalten ihrer Kunden genau analysieren, um
Potenzial und Gefahren schnell zu erkennen. "Anhand der
Kundenaktivitäten können Banken verstehen, ob ein Kunde bereit ist,
zu einer anderen Bank zu wechseln oder ein Angebot für ein anderes
Spar- oder Anlageprodukt anzunehmen", rät Berger-Partner Heideloff.
Entscheidend ist auch, wie Kreditinstitute die Einlagenelastizität
modellieren. So sollte das eingesetzte Modell genau quantifizieren,
inwieweit Veränderungen im Einlagenvolumen und verschiedene Faktoren,
die Zu- und Abflüsse von Spargeldern mitbestimmen können, voneinander
abhängen. Zu den wichtigsten Faktoren zählen hier Marktzinssätze, das
BIP-Wachstum und die Höhe des Zinssatzes der jeweiligen Bank im
Vergleich zu anderen Kreditinstituten.
Die Auswertung des Sparverhaltens der Kunden und die Modellierung
der Elastizität des Einlagenvolumens können Banken bei folgenden
Aspekten helfen:
- eine Preisstruktur für ihre Produkte auf Basis der Elastizität
einzelner Zielgruppen festzulegen, damit Banken strukturell nicht zu
viel für die Einlagen zahlen müssen
- neue, gezielte Treueprogramme für Top-Kunden anzubieten, um die
Kundenbindung zu erhöhen und die Einlagenbasis zu stabilisieren oder
sogar zu verbreitern
- mithilfe von Marketingmaßnahmen die besten Folgeprodukte zu
vermarkten, um die Einlagenströme zu kontrollieren und vorhandene
Spareinlagen zu halten
- innovative Produkte mit neuen Risiko-Rendite-Profilen zu offerieren
und damit die Profitabilität ihres Provisionsgeschäfts zu optimieren
Die Studie können Sie kostenlos herunterladen unter:
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Datum: 25.10.2013 - 09:59 Uhr
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