Ernährungsunsinn des Monats: Versalzene Headlines
ID: 968779
Ernährungsunsinn des Monats: Versalzene Headlines
Meinungsmache 2.0: Wie vage Vermutungen zu Wahrheiten werden - denn mit Konjunktivismen lockt man keine Journalisten
Der September hat in Sachen "Ernährungsunsinn des Monats" ein Paradebeispiel geliefert, wie Vermutungen aus Beobachtungsstudien zu Wahrheiten umformuliert werden, um Redaktionen prinzipiell nichtssagende Instituts-PR schmackhaft zu machen: "Salzreduktion schützt vor Herzschwäche" lautete die Headline der Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie DGK e.V.,[1] die es auch prompt in gutgläubige Presseorgane schaffte.[2] "Diese Überschrift wird nicht durch die vorgelegten Daten gestützt - ganz im Gegenteil: Es gibt noch nicht einmal eine belastbare Korrelation", erklärt Udo Pollmer, Wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E. e.V.). "Trotzdem wird den Bürgern ein `Herzschutz durch weniger Salz´ versprochen. Das ist für eine medizinische Fachorganisation wie die DGK nicht akzeptabel. Und das scheint offenbar auch der DGK klar, denn nicht ohne Grund hat sie in der Pressemitteilung ihre eigene Headline mehrfach als Vermutung dargestellt." Konsequenterweise hätte die PR-Meldung also vermelden müssen: "Salzreduktion schützt das Herz vermutlich nicht."
Die DGK macht mit Relativierungen wie "deuten darauf hin, könnte, vermutlich" klar, dass wieder einmal kein Beweis für einen Herz-Schutzeffekt durch weniger Salzkonsum vorliegt. Und genau das bestätigt die "Studie", auf die sich die DGK stützt. Es ist normal, dass Headlines von PR-Meldungen die Nachricht in zugespitzter Form darbieten, denn mit Konjunktivismen lockt man keine Journalisten. Genauso normal ist es, dass in der Ernährungsforschung meist nur spekuliert werden kann. Jedoch kann es nicht als normal gelten, wenn die zugrunde liegenden Fakten die spekulativen, Kausalität-suggerierenden Lock- oder Schockheadlines ad absurdum führen.
Datenmassage in Reinstform
Ein Blick in die "wissenschaftliche Grundlage" dieser Pressemeldung macht schnell klar, dass es der Datenbasis an Glaubwürdigkeit mangelt: "Erstens ist die Studie nicht publiziert", bemängelt Pollmer, "sondern nur ein dürftiges Kongreßabstract. Dadurch entzieht sich der Inhalt einer detaillierten Nachprüfung." Als zweites bemängelt er, dass das zentrale Kriterium, die Gesamtmortalität fehlt. "Nur so lässt sich erkennen, ob die Probanden, die weniger Salz aßen, auch tatsächlich länger lebten. Offenbar war gerade das nicht der Fall." Auch wird die Behauptung der DGK, weniger Salz senke das Risiko für Herzschwäche - also ein ganz kleiner Teil der vielen möglichen Todesursachen - von dem Abstract nicht hinreichend gestützt. Beispielsweise fehlen die Signifikanzen für die Korrelationen. Analysiert man die spärlichen Abstract-Daten, so offenbart sich eine weitere Überraschung: "Die vorliegenden Daten können den Nutzen einer Salzreduktion auf die Herzschwäche nicht ansatzweise begründen", erklärt Pollmer. Unter Berücksichtigung des Blutdrucks, ein wichtiger Parameter bei Herzproblemen, schmilzt die Korrelation zwischen hochgerechnetem Salzkonsum und Herzschwäche dahin. "Erkennbar ist dies am Konfidenzintervall CI. Dieser Wert zeigt an, wie vertrauenswürdig das Ergebnis ist. Wenn das CI den Wert von 1,00 einschließt, dann heißt das: Das Ergebnis ist nicht verwertbar. Und genau das ist hier der Fall."
Kein Kausalzusammenhang, kein Nutzennachweis, keine Vollpublikation, kein Gesamtmortalität - keine Empfehlung!
Wenn also weder ein Kausalzusammenhang noch ein Nutzennachweis vorliegt und die Ergebnisse auf einem dürftigen Abstract basieren, der auch noch den wichtigsten Parameter der Gesamtmortalität entbehrt, dann "sollten wissenschaftliche Fachgesellschaften den Medien und Bürgern nicht suggerieren, mit einem einfachen Eingriff in die tägliche Ernährung könnte man sich gesünder essen." Pollmer warnt: "Der Verzicht auf Salz kann gesundheitsgefährdend sein, vor allem dann, wenn man viel trinkt." Bei weiterem Interesse an diesem Thema bietet die EU.L.E-Website kompakte Hintergrundinfos "Salzstudien - Paradebeispiel kannibalisierender Ernährungsforschung"
Hinweis: Der "Ernährungsunsinn des Monats" erscheint regelmäßig - und zwar immer anlässlich grob fahrlässiger Ernährungs-PR von Universitäten, Instituten
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[1] "Salzreduktion schützt vor Herzschwäche", Pressemeldung der DGK e.V., 2. September 2013 / Hinweis: Ein Link zum Abstract liegt leider nicht vor
[2] Bsp. Berichterstattung: "Weniger Kochsalz schützt vor Herzschwäche", Ärzte-Zeitung, 26.09.13 / "Zuviel Salz schwächt das Herz", t-online, 02.09.13
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Datum: 25.10.2013 - 10:21 Uhr
Sprache: Deutsch
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