Bei Hempels im Rechner
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Innovation ist ein Fremdwort, Schludrigkeit Standard
In der Branche gibt es keine Innovationskultur. Zu diesem Schluss kam eine Untersuchung im Auftrag des Bundesforschungsministeriums nach einer Umfrage unter 500 Firmen. Selbst Studienleiter Friedrich Holl ist überrascht: "Das habe ich nicht so ganz erwartet." 90 Prozent der Unternehmen halten sich für innovativ - doch sie sind es nicht." Voraussetzung für Innovation sind strukturierte Entwicklungsprozesse und Qualitätsmanagement. Das bedeutet, dass bestellte, neu geschriebene Programme nicht nur automatisch geprüft werden. Auch mögliche Nebenwirkungen sollten durchgespielt werden: Wie ist das Zusammenspiel mit anderen, bereits vorhandenen Komponenten?
Traditionelle Unternehmen sind innovativer.
Doch solche Qualitätsstandards sind gerade in der Zukunftsbranche Mangelware. Traditionelle Unternehmen, etwa aus dem Maschinenbau, sind da innovativer. Sie versuchen, Neuerungen regelmäßig in einem geplanten und strukturierten Prozess zu befördern. Auch der Kontakt zur Wissenschaft fehlt. An den Hochschulen unterstützen zwar staatlich geförderte Wissenstransferstellen Patentanmeldungen und Spin-offs. Bei den Firmen kommt allerdings kaum etwas aus den Universitäten an. Fazit der Studie: "Eine wirkungsvolle Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse ist in keinster Weise gelungen." Die staatliche Förderung bietet keinen Ausweg.
Neue Entwicklungen finanzieren die meisten Firmen aus dem Cashflow. Doch kleinere Firmen mit einem Gesamtumsatz zwischen 250.000 und 2,5 Mio. Euro haben dafür oft nur ein paar zehntausend Euro, im besten Fall einige hunderttausend Euro zur Verfügung. Fremdkapital ist eine Ausnahme.
Ein Blick auf die Struktur der deutschen Software-Industrie zeigt, dass auf diese Weise nicht viel in Bewegung kommt.
So besteht die Software-Industrie zu 90 Prozent aus Betrieben mit maximal 50 Beschäftigten - und zu 50 Prozent aus kleinen Klitschen mit maximal zehn Leuten. Friedrich HoIl: "Es ist ein großes Problem, dass diese Klein- und Kleinstunternehmen nicht das Potenzial haben, um weitere Innovationen zu generieren. Bei den großen Firmen (250 Beschäftigte und mehr) findet man hingegen nur sehr begrenzt Rahmenbedingungen, die es einer guten Idee ermöglichen, es bis an die Spitze zu schaffen."
Die staatliche Förderung bietet hier keinen Ausweg. Holl: "Sie fördert in der Regel nur die Großen in der Branche, die Kleinen fallen in der Förderung oft raus." Können Betriebe doch innovative Produkte vorweisen, ruhen sie sich auf ihren Lorbeeren aus. Holl zitiert einen Unternehmer: "Wir verdienen so viel mit unseren Produkt im Augenblick - warum sollen wir uns Gedanken machen, was danach kommt?"
Die Konsequenzen liegen auf der Hand: "Längerfristig wird diese Situation zu einer Marktbereinigung führen." Das kommt der Strategie vieler Jungunternehmer sogar entgegen: Eine klassische Firmenkultur pflegen die wenigsten. Mittelfristig wollen sie den Laden gewinnbringend verkaufen. Nur ein Drittel der für die Studie befragten 500 Softwareentwickler legt Wert auf Qualitätsmanagement. Friedrich Holl weiß:
"Die meisten arbeiten auf Kundenzuruf nach dem Motto 'Quick and Dirty'." Nur selten führen Kundenanforderungen zu Qualitätssteigerungen. Auch das positive Gegenbeispiel Intershop stieg in das prozesshafte Entwickeln erst ein, weil seine Kunden es so wollten. "Große international agierende Unternehmen konnten wir nur mit entsprechenden Qualitätsanforderungen gewinnen", erklärt Intershop Marketingleiter Bertram Hesse. Sie bestanden auf verbindlichen Terminzusagen und Funktionalitäten auf verschiedenen Plattformen mit einer Planbarkeit auf zwei bis drei Jahre. Das Schlagwort "Software-Engineering" ist zwar in aller Munde - doch, so die Studie, von den Meisten wird es nicht genutzt.
So dokumentieren die Entwickler Quellcodes nicht durchgängig. Zu 40 Prozent verwenden sie sogenannte persönliche Standards. Das bedeutet, das Programm steht und fällt mit demjenigen, der es geschrieben hat. Die meisten zeigen sich damit zufrieden, dass ihre Software funktioniert und Berechnungen korrekt durchführt. Eine Qualitätsprüfung oder ein codebasierter Text kann jedoch auf diesen mangelhaften Grundlagen nicht stattfinden. Zu dem Bild passt, dass Informatiker nachrangig beschäftigt sind. Die Kompetenz der Programmierer beruht oft nicht auf einem fundierten Informatikstudium, sondern entstammt den Anwendungsbranchen. So mangelt es am Blick für die Zusammenhänge der Systeme und an Qualitätsstandards. Nur große Unternehmen kümmern sich um die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.
Quelle: Financial TIMES & BMBF-Bundesministerium für Forschung & Bildung, Berlin
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Datum: 04.11.2013 - 09:20 Uhr
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