Eine etwas andere Unterrichtsstunde
Die Buchautoren Oskar Ansull und Bekim Morina zu Besuch im Ernestinum: Im Rahmen des Aktionsfonds im Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ fand eine ungewöhnliche Doppelstunde am Gymnasium Ernestinum in Celle statt. Der albanische Dichter Bekim Morina stellte gemeinsam mit seinem Schriftstellerkollegen Oskar Ansull zwei zehnten Klassen seine Arbeit vor und berichtete von seinen beiden Leben, in der albanischen Heimat und in Celle.
Die Autoren Oskar Ansull (links) und Bekim Morina.(firmenpresse) - CELLE. Der Moment, als Morina von der Schulbank weg verhaftet wurde, veränderte sein Leben bis heute. „Ich war damals ein bisschen älter als Ihr jetzt seid“, erklärte er den Klassen 10F und 10L2, den Klassenlehrern Maren Kranz und Uwe Winnacker sowie Schulleiter Johannes Habekost. Die Unterdrückung durch die kommunistischen Parteien und den Nationalismus machten ihn und sein politisches Engagement im Kosovo zur Zielscheibe. Schließlich blieb Morina und seiner Ehefrau nur die Flucht durch Europa. In Celle wurden sie aufgenommen.
Schon als Kind faszinierte Bekim Morina die Dichtung, die in der albanischen Kultur eine weit größere Rolle spielt als etwa in Deutschland. Den Austausch mit anderen Literaten und seinen Freunden – „viele sind im Krieg geblieben“ – vermisste der Autor und machte dies im Gedicht „Im alten Nest“ deutlich: „Jung waren wir, viele Freunde und laut; jetzt ist`s still und ich bin verdammt alt.“ In einer zugewiesenen Wohnung auf dem Land kam das Paar zur Ruhe, war aber auch isoliert. Der Kontakt zu Oskar Ansull, zustande gekommen über einen Celler Journalisten, eröffnete neue Möglichkeiten. Der Schriftsteller verhalf Morina zu einem Stipendium der RWLE Möller Stiftung: „Man kann ganz lebendig sein, aber man fühlt sich wie lebendig begraben“, beschrieb Ansull den Jugendlichen die damalige Lage des Ehepaares. Während Morina mit Büchern aus der Bibliothek Deutsch lernte, arbeitete er gemeinsam mit Ansull an den Übersetzungen der Gedichte, für die der Dichter von den beiden Klassen spontanen Applaus erhielt. Die Schülerinnen und Schüler interessierten sich auch für die aktuellen Lebensumstände der Familie. Ein Zurück in die Heimat gebe es nicht mehr, so Morina. „Das ist zu gefährlich.“
Auch wenn sein Aufenthalt noch nicht dauerhaft geklärt sei, auch wenn Bekim Morina, früher jahrgangsbester Uni-Absolvent, jetzt nicht als Universitätsdozent arbeiten könne, weil sein Abschluss in Deutschland nicht anerkannt werde: „Es entwickelt sich Zukunftsdenken“ erklärt Oskar Ansull. „Als ich Bekim und seine Frau kennen lernte, wollten sie keine Kinder.“ Morina erläutert seine damaligen Ängste: „Ich habe erlebt, vollkommen machtlos zu sein, im Gefängnis und in der Folter. Machtlos zu sein und die eigenen Kinder nicht schützen können, ist das Schlimmste, was es gibt.“ Nun hat das Ehepaar zwei Töchter.
Serpil Klukon, Leiterin des städtischen Referats Integration, das das Bundesprogramm in Celle federführend betreut: „Dies ist eine Geschichte, die von Verfolgung und Flucht, aber auch von Ankommen und Teilhabe handelt. Die Familie lebt in der Mitte unserer Gesellschaft, Herr Morina ist Mitglied des Integrationsausschusses und wirkt mit an den demokratischen Strukturen in der Stadt Celle.“ Ihr Appell: „Wir brauchen Menschen wie jene, denen Bekim Morina begegnet ist; die hinschauen und eine Lösung suchen.“
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
celle
toleranz
kompetenz
bundesprogramm
bundesministerium
nachhaltig
integration
vielfalt
aktionsfonds
demokratie
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Das Referat Integration, Stadt Celle, ist federführend für die Umsetzung des Bundesprogramms "TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN" in Celle.
Bundesprogramm
„TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ in Celle
Referat Integration der Stadt Celle
Serpil Klukon
Neues Rathaus
Am Französischen Garten 1
29221 Celle
Telefon: 05141/12-416
Margitta True
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
"TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ in Celle
Speicherstraße 28
29221 Celle
Telefon: 05141 3013094
Fax: 05141 3013177
Mobil: 01520 9841678
Mail: oeffentlichkeitsarbeit(at)vielfalt-in-celle.de
Datum: 08.11.2013 - 19:07 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 977558
Anzahl Zeichen: 3517
Kontakt-Informationen:
Kategorie:
Literatur
Meldungsart: Unternehmensinformation
Versandart: Veröffentlichung
Diese Pressemitteilung wurde bisher 507 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Eine etwas andere Unterrichtsstunde"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Öffentlichkeitsarbeit Toleranz fördern - Kompetenz stärken in Celle (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
CELLE. Mende appellierte an die Ausschussmitglieder, sich auch weiterhin gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu engagieren. Vor allem vor dem Hintergrund der Pegida-Märsche in vielen deutschen Städten sei eine erhöhte Wachsamkeit gegenüber antidemokratischen Tendenzen geboten. Um de
Interkulturelle Öffnung in allen Lebensbereichen ...
CELLE. Rund 100 Teilnehmende fanden sich zur 1. Integrationspolitischen Konferenz der Stadt Celle in der CD-Kaserne ein. Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende wies in seinem Grußwort auf die nachhaltige Bedeutung dieses mehrstündigen Arbeitstreffens mit Multiplikatoren der Stadt unter dem Motto â€
Kultureller Brückenschlag mit Kunstprojekt ...
CELLE. Wer die erstmals um 1900 erbaute Fußgängerbrücke zwischen den Ortsteilen Blumlage-Altstadt und Hehlentor heute passiert, muss längst keinen Brückenzoll mehr in Höhe von einem Pfennig zahlen. Doch ihren Namen hat die stark frequentierte Pfennigbrücke bis heute behalten und nun zieren au
Weitere Mitteilungen von Öffentlichkeitsarbeit Toleranz fördern - Kompetenz stärken in Celle
Heiße Miezen – Mein wildes Leben als Nachtclub- und Casinobesitzer ...
Delmenhorst, Oktober 2013. Jürgen Albers, auch bekannt aus der Fernsehdokumentation „Goodbye-Deutschland“, schreibt seine Memoiren. Was kaum jemand weiß: Hinter dem selbstbewussten und knallharten Nachtclub- und Casinobesitzer verbirgt sich ein sensibler Mann mit einer schweren Kindheit. In se
Der weiße Rabe in der U-Bahn: Bücher wurden freigelassen - es geht weiter ...
Seine neuen Abenteuergeschichten rund um den weißen Raben und das R-Team wurden in der Berliner U-Bahn freigelassen und vor dem Verstauben im Regal gerettet. BookCrossing nennt man das Freilassen und Finden von Büchern, die man ausgelesen hat. Der weiße Rabe reist durch die U-Bahnen von Berli
Poetischer Herzschmerz im Advent ...
Neumarkt – Christian Kerschensteiner Inhaber der Cocktail- & Sunsetbar in Neumarkt, will mit seinem neuen Veranstaltungsformat „Literatur @ Carlos“, ab sofort in regelmäßigen Abständen Autorenlesungen veranstalten. Den Auftakt bildet am 8. Dezember um 19 Uhr die poetische Lesung „Manf
Noémis Lied: Ein dystopisches Märchen ...
Eine Dystopie zeichnet eine dunkle Zukunft. Doch ein Mädchen bringt Hoffnung in eine harte, kalte Welt. Eine Welt ohne Musik, ohne Konzerte und damit auch ohne Freude. Das Buch ist im Carow Verlag erschienen und ab sofort erhältlich. ISBN Druckfassung: 978-3-944873-00-8 ISBN E-Book: 978-3-9




