Ein Taktstock für das Herz
ID: 979098
n Taktstock für das Herz
Das Herz hat seinen eigenen Taktgeber: Schrittmacherzellen im sogenannten Sinusknoten im rechten Herzvorhof sorgen mithilfe von elektrischen Signalen für einen regelmäßigen Herzschlag. Wichtig für die Steuerung und Weitergabe der elektrischen Signale sind spezielle Proteine in der Zellmembran der Schrittmacherzelle, sogenannte HCN-Kanäle. Über diese Kanäle werden Ionen durch die Zellmembran geleitet, sodass sich das elektrische Potenzial der Zelle verändert. Als Folge bilden sich rhythmisch und autonom elektrische Impulse, die dem Herzmuskel das Signal zum Schlagen geben.
HCN-Kanäle bilden eine Proteinfamilie, die hauptsächlich im Herz und im Gehirn eine Rolle spielt. Insgesamt gibt es vier Subtypen, die HCN-Kanäle 1-4. Im Herz ist HCN4 für etwa 80 Prozent des durch diese Kanäle getragenen Stroms verantwortlich. Der Rest wird von HCN1 und HCN2 getragen. "Während die Funktion von HCN4 und HCN2 im Sinusknoten bereits verschiedentlich untersucht wurde, war bisher unbekannt, auf welche Weise HCN1 den Herzschlag beeinflusst", sagt Professor Christian Wahl-Schott vom Department Pharmazie, der diese Lücke nun schließen konnte.
Wahl-Schott etablierte mit seinem Team, zu dem auch Mitarbeiter von Professor Martin Biel gehören, ein neues Tiermodell, bei dem der HCN1-Kanal im Sinusknoten defekt ist. Mithilfe dieses Modells konnten die Wissenschaftler zum ersten Mal nachweisen, dass HCN1 sowohl für die Impulsentstehung als auch für die Impulsweiterleitung im Sinusknoten wichtig ist. Funktioniert HCN1 nicht richtig, kommt der körpereigene Herzschrittmacher aus dem Takt: Die Folgen sind ein krankhaft verlangsamter Herzschlag - eine sogenannte Bradykardie - und Herzrhythmusstörungen. Als Konsequenz ist die Herzleistung deutlich vermindert. "Diese Effekte konnten wir auch in telemetrischen EKG-Messungen in vivo bestätigen", so Wahl-Schott.
Defekte im Sinusknoten stehen mit dem plötzlichen Herztod in Verbindung und sind für mehr als die Hälfte aller Implantationen von Herzschrittmachern weltweit verantwortlich. Der nun nachgewiesene Einfluss von HCN1 auf die Herzfunktion ist sogar in zweifacher Hinsicht therapeutisch interessant: Einerseits stellt dieser Kanal ein viel versprechendes Ziel für mögliche neue Therapien dar, mit denen gezielt die Herzfrequenz beeinflusst werden könnte. Andererseits kommt HCN1 nicht nur im Herz, sondern auch in den Nervenzellen des Gehirns vor und hat auch dort die Funktion eines Schrittmachers. Daher werden HCN1-Blocker für die Behandlung von Epilepsie, chronischem Schmerz und Depressionen in Betracht gezogen. "Vor dem Hintergrund unserer Ergebnisse sollte vor dem Einsatz von HCN1-Blockern deren Einfluss auf die Herzfunktion sorgfältig untersucht werden", betont Wahl-Schott.
(Circulation 2013)
Göd
Publikation:
Sick Sinus Syndrome in HCN1-Deficient Mice
Stefanie Fenske, Stefanie C. Krause, Sami I.H. Hassan, Elvir Becirovic, Franziska Auer, Rebekka Bernard, Christian Kupatt, Philipp Lange, Tilman Ziegler, Carsten T. Wotjak, Henggui Zhang, Verena Hammelmann, Christos Paparizos, Martin Biel, Christian A. Wahl-Schott
Circulation 2013
DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.113.003712
Kontakt:
Prof. Dr. Christian Wahl-Schott
Department Pharmazie
Tel.: +49 (0) 89 2180 - 77654
christian.wahl@cup.uni-muenchen.de
http://www.cup.uni-muenchen.de/dept/ph/pharmakologie/wahl.php
Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Deutschland
Telefon: 089/2180 -0
Mail: rektorat@lmu.de
URL: http://www.lmu.de
Das Herz hat seinen eigenen Taktgeber: Schrittmacherzellen im sogenannten Sinusknoten im rechten Herzvorhof sorgen mithilfe von elektrischen Signalen für einen regelmäßigen Herzschlag. Wichtig für die Steuerung und Weitergabe der elektrischen Signale sind spezielle Proteine in der Zellmembran der Schrittmacherzelle, sogenannte HCN-Kanäle. Über diese Kanäle werden Ionen durch die Zellmembran geleitet, sodass sich das elektrische Potenzial der Zelle verändert. Als Folge bilden sich rhythmisch und autonom elektrische Impulse, die dem Herzmuskel das Signal zum Schlagen geben.
HCN-Kanäle bilden eine Proteinfamilie, die hauptsächlich im Herz und im Gehirn eine Rolle spielt. Insgesamt gibt es vier Subtypen, die HCN-Kanäle 1-4. Im Herz ist HCN4 für etwa 80 Prozent des durch diese Kanäle getragenen Stroms verantwortlich. Der Rest wird von HCN1 und HCN2 getragen. "Während die Funktion von HCN4 und HCN2 im Sinusknoten bereits verschiedentlich untersucht wurde, war bisher unbekannt, auf welche Weise HCN1 den Herzschlag beeinflusst", sagt Professor Christian Wahl-Schott vom Department Pharmazie, der diese Lücke nun schließen konnte.
Wahl-Schott etablierte mit seinem Team, zu dem auch Mitarbeiter von Professor Martin Biel gehören, ein neues Tiermodell, bei dem der HCN1-Kanal im Sinusknoten defekt ist. Mithilfe dieses Modells konnten die Wissenschaftler zum ersten Mal nachweisen, dass HCN1 sowohl für die Impulsentstehung als auch für die Impulsweiterleitung im Sinusknoten wichtig ist. Funktioniert HCN1 nicht richtig, kommt der körpereigene Herzschrittmacher aus dem Takt: Die Folgen sind ein krankhaft verlangsamter Herzschlag - eine sogenannte Bradykardie - und Herzrhythmusstörungen. Als Konsequenz ist die Herzleistung deutlich vermindert. "Diese Effekte konnten wir auch in telemetrischen EKG-Messungen in vivo bestätigen", so Wahl-Schott.
Defekte im Sinusknoten stehen mit dem plötzlichen Herztod in Verbindung und sind für mehr als die Hälfte aller Implantationen von Herzschrittmachern weltweit verantwortlich. Der nun nachgewiesene Einfluss von HCN1 auf die Herzfunktion ist sogar in zweifacher Hinsicht therapeutisch interessant: Einerseits stellt dieser Kanal ein viel versprechendes Ziel für mögliche neue Therapien dar, mit denen gezielt die Herzfrequenz beeinflusst werden könnte. Andererseits kommt HCN1 nicht nur im Herz, sondern auch in den Nervenzellen des Gehirns vor und hat auch dort die Funktion eines Schrittmachers. Daher werden HCN1-Blocker für die Behandlung von Epilepsie, chronischem Schmerz und Depressionen in Betracht gezogen. "Vor dem Hintergrund unserer Ergebnisse sollte vor dem Einsatz von HCN1-Blockern deren Einfluss auf die Herzfunktion sorgfältig untersucht werden", betont Wahl-Schott.
(Circulation 2013)
Göd
Publikation:
Sick Sinus Syndrome in HCN1-Deficient Mice
Stefanie Fenske, Stefanie C. Krause, Sami I.H. Hassan, Elvir Becirovic, Franziska Auer, Rebekka Bernard, Christian Kupatt, Philipp Lange, Tilman Ziegler, Carsten T. Wotjak, Henggui Zhang, Verena Hammelmann, Christos Paparizos, Martin Biel, Christian A. Wahl-Schott
Circulation 2013
DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.113.003712
Kontakt:
Prof. Dr. Christian Wahl-Schott
Department Pharmazie
Tel.: +49 (0) 89 2180 - 77654
christian.wahl@cup.uni-muenchen.de
http://www.cup.uni-muenchen.de/dept/ph/pharmakologie/wahl.php
Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Deutschland
Telefon: 089/2180 -0
Mail: rektorat@lmu.de
URL: http://www.lmu.de
PresseKontakt / Agentur:
Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Deutschland
Telefon: 089/2180 -0
Mail: rektorat(at)lmu.de
URL: http://www.lmu.de
Datum: 12.11.2013 - 13:01 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 979098
Anzahl Zeichen: 8144
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 326 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Ein Taktstock für das Herz"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Ludwig-Maximilians-Universität München (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die neue Einrichtung des Max von Pettenkofer-Instituts soll dazu beitragen, Infektionskrankheiten effizienter zu behandeln und zu verhindern. Die Übertragung exzellenter Forschungsergebnisse aus der Mikrobiologie und Virologie in die Diagnostik am Patienten ist ein wesentlicher Schritt, um Krankhe
Die LMU erhält weitere Alexander von Humboldt-Professur in der Mathematik ...
Im Wettbewerb um den höchstdotierten deutschen Forschungspreis erfolgreich: Der von der LMU nominierte Mathematiker Shahar Mendelson ist mit einer der prestigeträchtigen Professuren ausgezeichnet worden. Wie viele Trainingsdaten braucht eine Künstliche Intelligenz (KI), damit sie zu ausreichend
Neue Ansätze für die männliche Verhütung ...
- Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), der RWTH Aachen sowie der Universitäten Bonn, Gießen und Münster arbeiten im Forschungsverbund "Contrapur" an der Entwicklung einer neuartigen Verhütung für Männer. - Langfristiges Ziel ist eine sichere, reversible und
Weitere Mitteilungen von Ludwig-Maximilians-Universität München
Neue Studie am Dresdner Uniklinikum: Mit der Kraft des eigenen Körpers gegen Zelltod im Hüftgelenk ...
esdner Uniklinikum: Mit der Kraft des eigenen Körpers gegen Zelltod im Hüftgelenk Bei der neuen Therapie werden den Patienten körpereigene, speziell vorbehandelte Knochenmark-Stammzellen in den Hüftkopf injiziert. Hier sollen sie die Neubildung des untergegangenen Knochengewebes unterstützen
Sicheres Dokumentenarchiv in der Cloud von Saperion ...
Mit "fileNshare" von Saperion lassen sich Dokumente jederzeit und ortsunabhängig erstellen, einsehen, für andere Personen freigeben, gemeinsam bearbeiten und rechtssicher archivieren. Ein Internetzugang genügt. Saperion speichert die Daten in der "Cloud" sicher in Rechenzentre
CONTACT und KOSTECH vertiefen Partnerschaft im asiatischen Raum ...
Bremen, 12. November 2013 - CONTACT Software und die KOSTECH Korea Simulation Technology Co. Ltd. bauen ihre Partnerschaft deutlich aus. Das Unternehmen ist bereits führender Reseller von CONTACTs Konzeptwerkzeug FCM in Südkorea und betreut u. a. den FCM-Kunden Hyundai Motor Company. Beide Unterne
Selbstheilende Kupferschichten sorgen für Innovationssprung bei der Herstellung von Smartphones ...
pferschichten sorgen für Innovationssprung bei der Herstellung von Smartphones "Damit Smartphones immer flacher und leistungsfähiger werden, müssen auch ihre elektronischen Bauelemente schrumpfen und auf filigrane Weise miteinander vernetzt werden. Eine elektronische Leiterplatte ist heut




