Menschenrechtsverletzungen im Jemen: Vorwurf gegen Tochter des Hamburger Universitätsklinikums Eppe

Menschenrechtsverletzungen im Jemen: Vorwurf gegen Tochter des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE)

ID: 983830
(ots) - Mitarbeitern einer Tochterfirma des Hamburger
Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) wird vorgeworfen, schwere
Menschenrechtsverletzungen im Jemen geduldet zu haben. Insgesamt 15
Tage soll der US-Bürger Sherif Mobley (29) vor drei Jahren in einem
Krankenhaus in der jemenitischen Hauptstadt Sana'a an sein Bett
gefesselt worden sein, mit verbundenen Augen, ohne Kontakt zu einem
Anwalt oder der Botschaft. Das Polizeikrankenhaus hatte zu diesem
Zeitpunkt Geschäftsbeziehungen nach Deutschland. Es wurde auch von
Mitarbeitern der UKE Consult and Management GmbH gemanagt und
medizinisch beraten, die zum Universitätsklinikum Eppendorf (UKE)
gehört.

Nach Informationen des NDR Politikmagazins "Panorama 3" (Sendung:
Dienstag, 19. November, 21.15 Uhr, NDR Fernsehen) hielt sich Mobley
im Januar 2010 mit seiner Ehefrau und seinen zwei Kindern in der
jemenitischen Hauptstadt Sana'a auf. Er sei dann dort von
Sicherheitskräften aufgrund eines vermeintlichen Terrorverdachtes
festgenommen und bei der Verhaftung angeschossen worden, sagt Cori
Crider von der britischen Menschenrechts-Organisation "Reprieve". Sie
vertritt Mobley juristisch. Im "Typical Police Hospital" (TPH), dem
Polizeikrankenhaus, wurde er anschließend operiert. Als Mobley am
nächsten Tag erwachte, sei er fixiert gewesen. "Eine Hand an jeder
Seite des Bettes war festgeschnallt und die Augen waren verbunden.
Fast 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche", sagt Crider. Ein
Anwalt und Kontakt zur Botschaft oder zu seiner Familie sei ihm
verwehrt worden.

Mobley war während seines Aufenthaltes unter der Kontrolle der
UKE-Vertreter. In einer eidesstattlichen Versicherung teilt der
deutsche medizinische Direktor mit, der von dem Tochterunternehmen
seinerzeit in den Jemen entsandt worden war: "Ich hatte immer freien
Zutritt zum Patienten und habe kontrolliert, dass die medizinische


und pflegerische Betreuung ordnungsgemäß ist." Unklar bleibt, was das
genau heißt, denn das UKE führt gegenüber "Panorama 3" aus, UKE-Ärzte
und -Pfleger seien an der Behandlung selbst nicht beteiligt gewesen.

Zu der konkreten Frage, ob Mobley gefesselt war und seine Augen
verbunden waren, antwortet das UKE, man könne die Vorwürfe mit
Verweis auf eine eidesstattliche Versicherung des medizinischen
Direktors "nicht bestätigen". In der eidesstattlichen Versicherung
findet sich zu dem Vorwurf allerdings keine Aussage.

In der Sendung "Panorama 3" berichtet eine ehemalige Angestellte
des UKE, dass sie selbst Zeugin von Menschenrechtsverletzungen im
Polizeikrankenhaus im Jemen wurde. Leonore Boscher leitete das
International Office des Universitätsklinikums Eppendorf. Während
einer ihrer Aufenthalte im jemenitischen Krankenhaus beobachtete sie
den Fall eines anderen Patienten. Der Terrorverdächtige sei schwer
verletzt gewesen und man habe "versucht, sein Umfeld so zu gestalten,
dass er nicht erkennen konnte, wo er genau ist. Die Augen waren
verbunden", sagte sie dem NDR. Sie hält die Schilderungen von Sherif
Mobley für glaubwürdig.

Für den bisherigen Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses im
Deutschen Bundestag, Tom Koenigs (B'90 Grüne), ist der Fall
erschütternd: "Wenn sie es gewusst haben und nicht Abhilfe geschaffen
haben oder es geduldet haben, dann haben sie sich strafbar gemacht."
Darüber hinaus hätten die Mitarbeiter des UKE aber auch ihre Mission
verfehlt. "Denn sie sind dort, um Menschen zu helfen und nicht als
langer Arm irgendeines Geheimdienstes", fügt Koenigs hinzu.

Während seines Krankenhausaufenthaltes wurde Mobley vom FBI
vernommen. Das belegt ein Verhörprotokoll, das "Panorama 3" vorliegt.
Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) teilt dazu mit, dass es
keine Kenntnis von Besuchen von Agenten habe.

Nach seinem Aufenthalt wurde Sherif Mobley an den Geheimdienst
übergeben. Der Terrorverdacht bestätigte sich zunächst nicht. Bei
einer späteren, erneuten Verhaftung soll er einen Sicherheitsbeamten
erschossen haben. Sherif Mobley sitzt deshalb zurzeit in einem
jemenitischen Gefängnis.

Informationen zur Sendung finden Sie im Internet unter
NDR.de/panorama3



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