Wie klimafreundlich kühlen Deutschlands Supermärkte?

Wie klimafreundlich kühlen Deutschlands Supermärkte?

ID: 989598
(ots) - Erste Umfrage der Deutschen Umwelthilfe unter 33
Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels - DUH fordert Verbot für
klimaschädliche F-Gase

Nicht nur Herstellungsart, Verpackung und Herkunft von
Lebensmitteln haben Auswirkungen auf unser Klima, sondern auch ihre
Lagerung und ihre Kühlung. Aus diesem Grund hat die Deutsche
Umwelthilfe e.V. (DUH) erstmals die 33 größten Vertreter des
deutschen Lebensmitteleinzelhandels nach dem Einsatz von Kältemitteln
sowie nach Energieeffizienzmaßnahmen im Kältebereich befragt. Das
Ergebnis: Die Unternehmen erkennen langsam, dass ein effizientes und
umweltfreundliches Kühlregal wesentlich zum Klimaschutz beitragen
kann. Hintergrund für die Umfrage ist die derzeit in Brüssel
diskutierte Revision der sogenannten Verordnung für fluorierte Gase
(sogenannte F-Gase). Die DUH fordert eine zügige und verbindliche
Abkehr von allen, das Klima belastenden Kältemitteln und einen
verbindlichen Ausstiegsplan insbesondere in Bereichen, in denen
kosten- und energieeffiziente Alternativen zur Verfügung stehen.

"Angesichts der enttäuschenden Signale aus der internationalen
Klimapolitik ist jetzt Brüssel gefordert, einen vollständigen
Ausstieg aus der Verwendung klimaschädlicher Substanzen bei der
Kühlung von Waren verbindlich zu garantieren", fasst Jürgen Resch,
Bundesgeschäftsführer der DUH die Ergebnisse zusammen. "Die
Ergebnisse machen deutlich, dass erste Vertreter des deutschen
Lebensmitteleinzelhandels bei ihren Kühlsystemen langsam auf
klimafreundliche Kältemittel umsteigen. Von einem flächendeckenden
Einsatz natürlicher Alternativen für die Warenkühlung sind wir aber
noch weit entfernt." Resch kritisierte die Mehrheit der Unternehmen
für ihre mangelnde Auskunftsbereitschaft. Von den 33 befragten
Vertretern hatten 20 die Auskunft verweigert oder nicht geantwortet.


Die beiden Marktführer Rewe und Edeka erteilten außerdem keine
differenzierten Auskünfte für ihre Discounter Penny und Netto
Marken-Discount.

F-Gase wurden als Ersatz für ozonschädigende Stoffe wie FCKW
entwickelt, besitzen aber ein Treibhauspotenzial (GWP), das bis zu
24.000 Mal über dem von CO2 liegt. Dabei werden zwei Drittel der
heute in Deutschland eingesetzten F-Gase als Kältemittel verwendet.
Besonders beliebt ist die Chemikalie R404A, die alle befragten
Unternehmen verwenden. Sie besitzt einen Treibhausfaktor von 3.922 im
Vergleich zu CO2. Überraschendes Ergebnis der Umfrage: Vor allem der
Discountersektor setzt vermehrt auf natürliche Kältemittel. LIDL und
ALDI nutzen nach eigenen Angaben in den kleineren Tiefkühltruhen
zwischen 55 und 79 Prozent und in neuen Filialen auch bei größeren
Verbundanlagen natürliche Alternativen zur Kühlung. Die Metro Group
verzichtet in allen Lagerstandorten, ALDI SÜD in fast allen
Logistikzentren auf den Einsatz klimaschädlicher Kältemittel und
betreibt diese stattdessen mit der klimafreundlichen Variante
Ammoniak.

Die Kühlung von Waren ist im deutschen Lebensmitteleinzelhandel
für durchschnittlich 50 Prozent der Energiekosten verantwortlich. Mit
dem Einsatz von Türen an den Kühlregalen und LED-Beleuchtung lassen
sich jedoch bis zu 40 Prozent der Kosten dauerhaft einsparen. Während
in der Tiefkühlung bereits fast bei allen befragten Unternehmen Türen
und Abdeckungen Standard sind, fehlen diese Effizienzmaßnahmen in
Kühlregalen in der Regel. Ausnahme ist die Kaiser's Tengelmann GmbH,
die jedes zweite Kühlregal mit Türen sowie mit einer stromsparenden
LED-Beleuchtung ausstattet. Das führt zu Energieeinsparungen von 30
Prozent. Vorreiter in der energiesparenden Abdeckung ist der
Bio-Supermarkt Alnatura. Hier sind alle Kühlregale mit Türen
ausgestattet.

"Der Umstieg auf natürliche Kältemittel ist vom ökologischen
Standpunkt her zwingend notwendig und aus ökonomischer Sicht
sinnvoll. Wir fordern die Politik deshalb auf, mit der anstehenden
Revision der Verordnung europaweit klare Signale zum Wechsel auf
natürliche Kältemittel zu setzen. Auch der Handel muss endlich
reagieren und sich öffentlich zu einem verbindlichen Zeitplan
bekennen, der den kompletten Ausstieg aus den F-Gasen regelt", betont
Dorothee Saar, Leiterin für Verkehr und Luftreinhaltung bei der
Deutschen Umwelthilfe. Die DUH kündigte weitere Umfragen im
Lebensmitteleinzelhandel zum Einsatz von Kältemitteln an.

Die Ergebnisse finden Sie im Internet unter
http://l.duh.de/p281113.



Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
Mobil: 0171 364 91 70, E-Mail: resch@duh.de

Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
Mobil: 0151 1622 5862, E-Mail: saar@duh.de

Daniel Eckold-Hufeisen, Pressesprecher
Tel.: 030 2400867-22, Mobil: 0151 55017009, E-Mail:
eckold-hufeisen@duh.de

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