Börsen-Zeitung: Stunde der Wahrheit, Marktkommentar von Thorsten Kramer

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ID: 990824
(ots) - Die internationalen Finanzmärkte stehen vor
einer enorm spannenden Handelswoche. Am frühen Freitagnachmittag wird
in den Vereinigten Staaten der Monatsbericht vom Arbeitsmarkt
veröffentlicht - und er dürfte den entscheidenden Hinweis liefern, ob
die Federal Reserve womöglich doch noch in diesem Jahr mit der
angekündigten Drosselung ihrer Anleihenkäufe beginnen wird oder
nicht. Für die Performance der Märkte in den nächsten Wochen wird die
Statistik deshalb maßgeblich sein.

Im Durchschnitt rechnen Volkswirte damit, dass in der weltgrößten
Volkswirtschaft im November außerhalb der Landwirtschaft 183000 neue
Arbeitsplätze entstanden sind. Eine deutlich niedrigere Zahl dürfte
unter Investoren die Einschätzung festigen, dass die Fed mit dem
sogenannten Tapering erst im Frühjahr beginnen wird. Eine Zahl wie im
Vormonat - 204000 - oder eine sogar noch höhere dürfte hingegen die
Diskussion über eine erste Drosselung noch im Dezember aufs Neue
befeuern. Am Freitag kommt also die Stunde der Wahrheit.

Gewinne sollen steigen

Dieser Tage präsentieren viele Banken ihre Einschätzungen für die
Entwicklung an den Finanzmärkten im neuen Jahr. Mit Blick auf die
Aktienmärkte - und zwar insbesondere den deutschen - überwiegt dabei
ein ordentlicher Optimismus. Dessen Basis ist die Erwartung, dass der
bevorstehende Wachstumsschub der globalen Konjunktur dazu führen
wird, dass die Unternehmensgewinne endlich deutlich steigen. Die
Frage ist allerdings, ob dies nicht bloß ein Hoffnungswert ist.
Einigkeit herrscht unter Marktbeobachtern in der Analyse, dass die
inzwischen atemberaubende Kursrally an den Börsen, die beispielsweise
den Dow Jones Industrial in New York und den Dax in Frankfurt immer
wieder auf Rekordhöhen führt, hauptsächlich von der ultralockeren
Geldpolitik getrieben ist. Die Bewertung an den Aktienmärkten ist


deshalb in den zurückliegenden Monaten enorm gestiegen. Sollten die
US-Währungshüter früher als erwartet die Kehrtwende in ihrer
Geldpolitik vollziehen, entsteht folglich das Risiko, dass viele
Investoren ihre hohen Buchgewinne umgehend zu Geld machen. In diesem
Fall drohte eine scharre Korrektur.

Im Raum steht außerdem die Frage, ob es tatsächlich zu einem
kräftigen Anstieg der Firmengewinne beispielsweise im Kreis der 30
Dax-Konzerne kommen wird. Analysten rechnen mit Blick auf das Jahr
2014 für den Dax mit einem Anstieg der Gewinne um knapp 13% und für
das Folgejahr um weitere 12,5% - und manche Bank wie die UBS hält die
Gewinnschätzungen diesmal für voraussichtlich zu niedrig. Aufhorchen
ließ es deshalb, dass die Helaba am Donnerstag vor zu breiter
Euphorie warnte. Die Landesbank hatte in den beiden zurückliegenden
Jahren vor allem die Chancen bei Aktieninvestments betont. Nun warnte
Chefvolkswirtin Gertrud Traud bei der Präsentation ihres
Kapitalmarktausblicks vor einem Börsenjahr, in dem Investoren sich
darauf fokussieren sollten, das Vermögen zu erhalten. An den
Aktienmärkten sei im Jahresverlauf mit einem Rückgang der Notierungen
zu rechnen, weil das zyklische Kurspotenzial bereits größtenteils
ausgeschöpft sei.

Ein lediglich prozentual einstelliger Anstieg der
Unternehmensgewinne, wie ihn die Helaba voraussagt, würde für die
Märkte zu einer schweren Hypothek, denn die Bewertung an den Märkten
würde dann auf hohem Niveau verharren - und zwar vor allem dann, wenn
sich nun noch eine Jahresendrally anschließen sollte, die den Dax
dann erstmals an 10000 Punkte heranführt.

Schon vor dem Arbeitsmarktbericht stehen deshalb ebenfalls einige
wichtige Indikatoren zur Veröffentlichung an. Die
Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in China, Europa
und den USA werden gleich zum Wochenstart zeigen, in welcher
Verfassung die Weltwirtschaft ist. Enttäuschende Daten könnten noch
vor dem US-Arbeitsmarktbericht ein Fragezeichen hinter all die
zuversichtlichen Prognosen setzen.



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Datum: 29.11.2013 - 20:55 Uhr
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