Lausitzer Rundschau: 100 000 Menschen in Kiew fordern Rücktritt von Präsident Janukowitsch: Die St

Lausitzer Rundschau: 100 000 Menschen in Kiew fordern Rücktritt von Präsident Janukowitsch:
Die Stunde der Wahrheit

ID: 991129
(ots) - Viktor Janukowitsch macht eine erbärmliche Figur.
Monatelang hatte der ukrainische Präsident die Annäherung seines
Landes an die EU vorbereitet. Auf den letzten Metern vollzog er
jedoch eine abrupte Kehrtwende. Er brach dabei sein dutzendfach
gegebenes Wort - auch und vor allem gegenüber der eigenen
Bevölkerung. Jämmerlich wirkten Janukowitschs Erklärungen, er sei vom
Kreml durch wirtschaftlichen Druck erpresst worden. Grotesk war sein
Auftritt beim Gipfel in Vilnius. Der EU-Führung, die er kurz zuvor
schmerzhaft vor den Kopf gestoßen hatte, stellte er unvermittelt neue
Vertragsverhandlungen in Aussicht. Alle Welt fragt sich: Was will
der Mann eigentlich? In diesem Stil ging es am Wochenende weiter.
Sonderpolizisten prügelten in Kiew auf Demonstranten ein. Der
Präsident, der als allmächtig gilt und sich auch gern so geriert,
mimte den Empörten. >Vor aller Augen wurde klar, dass Janukowitsch
seine Truppen nicht mehr im Griff hat. Als Erster desertierte der
Chef seiner Präsidialkanzlei. Zahlreiche Abgeordnete von
Janukowitschs angeblicher Kaderpartei folgten. Verwundern kann das
nicht. Über Monate hinweg hatte der Präsident seine Gefolgsleute auf
Westkurs eingeschworen. Sie alle haben sich wieder und wieder
öffentlich und in diplomatischen und medialen Hintergrundgesprächen
für diese Politik in die Bresche geworfen. Nun stehen sie da wie
begossene Pudel. Ihr hasenherziger Präsident präsentiert sich derweil
als Pudel auf Putins Schoß. So etwas mögen stolze Ukrainer nicht.
Hinzu kommt: Die Wirtschaft in Europas zweitgrößtem Flächenstaat
liegt darnieder. Der Staat ist nahezu pleite. Ein Generalstreik, wie
ihn die Opposition plant, könnte schnell in die ökonomische
Katastrophe führen. All das zeigt, dass Janukowitsch keineswegs
so fest im Sattel sitzt, wie westliche Politiker dies annehmen. Noch


in Vilnius hieß es in EU-Kreisen, die ukrainische Opposition sei über
die Wahl 2015 hinaus chancenlos. Das ist falsch. Die Stunde der
Wahrheit bricht jetzt an. Erkannt hat das früh und als Einzige
Julia Timoschenko, die schon vor Vilnius zu sofortigem Handeln
aufrief. Die Empörung über die Gewaltexzesse vom Sonnabend könnte nun
der Funke sein, der das revolutionäre Feuer entfacht. Handeln sollte
aber dringend auch der Westen. Die EU muss die Opposition kraftvoll
unterstützen. Jetzt! Das Ziel kann nur heißen: Regimewechsel.



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Datum: 01.12.2013 - 16:59 Uhr
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