Neue OZ: Kommentar zu Chodorkowski
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Diplomatisch zurückhaltend hat sich der freigelassene
Kremlkritiker Michail Chodorkowski bei seinem Auftritt vor den
internationalen Medien im Berliner Mauermuseum gezeigt. Der wohl
weltweit prominenteste Ex-Häftling hielt sich mit offener Kritik am
russischen Präsidenten Wladimir Putin betont zurück, mehrfach wich er
geschickt in allgemeine Formulierungen aus und empfahl, die
Olympischen Winterspiele als reines Fest des Sportes zu betrachten.
Chodorkowski sendet mit seiner Ankündigung, künftig weder
politisch noch geschäftlich aktiv zu werden, ein klares Signal an
Putin: Der mächtige Kreml-Herrscher muss Chodorkowski nicht als ernst
zu nehmenden Konkurrenten fürchten. Nicht einmal eine Symbolfigur der
russischen Opposition will der ehemalige Geschäftsmann werden. Was
hinter dieser Zurückhaltung steckt, lässt sich lediglich vermuten.
Möglicherweise erlangte Chodorkowski nur unter Bedingungen, etwa
einer politischen Abstinenz, die Freiheit. Bezeichnend ist
jedenfalls, dass er zu den Hintergründen seiner Freilassung sagt, er
könne nicht zu tief ins Detail gehen. Damit nimmt er auch Rücksicht
auf Hunderte politische Häftlinge, die nach wie vor in russischen
Gefängnissen einsitzen, aber anders als er selbst nicht den Schutz
der Prominenz genießen. Deren Situation will er nicht gefährden. Mit
dieser Vorsicht belegt Chodorkowski auch, dass Russland von
Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit noch weit entfernt ist.
Christof Haverkamp
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Datum: 22.12.2013 - 22:00 Uhr
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