Sind Unternehmensberater selbst beratungsresistent? Was schlecht beratene Kunden schon immer wussten: Freie Unternehmensberater setzen lieber auf Selbststudium als auf qualifizierte Fort- und Weiterbildungen
Görlitz, 23. März 2010 (sg) - Im Rahmen einer berufsintegrierten Studie der Steinbeis Hoch-schule Berlin wurde untersucht, ob ein Markt für die Zertifizierung und Qualifizierung von freien Beratern vorhanden ist. Befragt wurden 950 Unternehmensberater zu ihren Maßnahmen im Bereich Weiter- und Fortbildung. Das Ergebnis der Studie zeigt deutlich Defizite in der Weiterbildungs- und Qualifizierungsbereitschaft der Unternehmensberater. Der Großteil der freien Unternehmensberater spart an teuren Seminaren und bildet sich lieber im Selbststudium weiter - letztendlich zum eigenen Nachteil.
Dass sich 59% der befragten Unternehmensberater gegen eine Zertifizierung aussprechen ist einerseits verständlich, weil die Zertifikate überwiegend nicht vermarktet werden können und so kein wirklicher Pull Effekt im Markt entsteht. Andererseits besteht zudem eine durchaus berechtigte Angst der Unternehmensberater, dass es zu einer Bereinigung der Beratungslandschaft und Transparenz kommen könnte. "Wenn man die 60% Durchfall-Quoten bei der Steuerberaterprüfung betrachtet, hätten tatsächlich ca. 60% der Unternehmensberater keine Chance mehr, im freien Markt zu bestehen, sollte sich irgendein ein Zertifikat als Standard durchsetzen", erklärt Andreas Schilling.
Die Steinbeis Studie kommt zu dem deutlichen Schluss, dass 93% der Unternehmensberater auf die kostengünstige Weiterbildung durch "Fachzeitschriften, Bücher und Fachvorträge" verweisen. "Das Ergebnis der Studie deckt sich mit unseren Erfahrungen und ist insofern alarmierend", fasst Andreas Schilling zusammen, "da durch das Lesen eines Buches weder didaktische Fähigkeiten - wichtig in der Gründungsberatung - noch Wissen zu Beratungsprozessen und Beratungsqualität vermittelt werden können. Man kocht quasi im eigenen Saft." Durch die Situation im Bereich Weiterbildung für Unternehmensberater müssen sich die Kunden nicht über die schlechte Beratungsqualität wundern. Im Umkehrschluss bleibt festzuhalten, dass wenn die Kunden der Unternehmensberater ebenso denken würden, der Markt für Beratungshandbücher boomend wäre und die Unternehmensberater faktisch arbeitslos.
"Leider gibt die Studie keine Auskunft darüber, wie es mit dem verfügbaren Budget für Weiterbildung aussieht. Dann hätte sich schnell gezeigt, dass die im Markt befindlichen Angebote des RKW, BDU, TÜV, DEKRA und anderen Instituten das Budget der meisten freien Unternehmensberater sprengen und der finanzielle Aspekt der eigentliche Grund für Unternehmensberater ist, auf Fortbildung gänzlich zu verzichten", bedauert Andreas Schilling die Haltung der Unternehmensberater.
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Datum: 24.03.2010 - 11:01 Uhr
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