"Arbeit macht Spaß und ist selbstverständlich - auch für Frauen mit Familie"
Judith Skudelny referierte beim Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM)
Stuttgart (eos) - "Mein Vorbild ist meine Mutter, die immer gearbeitet hat und selbstbewusst vermittelte, dass das nicht nur richtig ist, sondern auch Spaß macht." Mit diesem kraftvollen Statement eröffnete die FDP-Abgeordnete Judith Skudelny am vergangenen Freitag (7. Mai) ihren Vortrag beim Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM) in Stuttgart. So sei sie auch ganz selbstverständlich mit Baby zu ihrer ersten Plenarsitzung gegangen. "Doch mit Kind durfte ich nicht in den Saal", berichtete sie. "Parteichef Guido Westerwelle machte seinen Einfluss geltend und dann ging es - ausnahmsweise. Meine Tochter ist schließlich keine gewählte Volksvertreterin und nur die dürfen in den Plenarsaal."
Wie die 34jährige Juristin es schafft, mit zwei kleinen Kinder - der Sohn ist drei Jahre alt - außer Mutter und Insolvenzverwalterin noch Stadträtin in ihrer Heimatstadt Leinfelden-Echterdingen und Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Nürtingen zu sein, interessierte die berufstätigen Mütter, die zum VBM-Vortragsabend ins Restaurant Plenum im Stuttgarter Landtag gekommen waren, besonders. "Mir macht es nichts aus, anders zu sein", sagt Judith Skudelny, die ihr Baby zu Sitzungen sehr häufig einfach mitnimmt. "Ich lasse mich nicht dadurch irritieren, dass andere meinen Weg nicht gut finden." Ihr Grundsatz sei es außerdem, eins nach dem anderen anzugehen. "Die HerausÂforderungen kommen ja nicht alle auf einmal", meint sie. "Wenn man einen Berg vor sich sieht, ist das entmutigend - ich löse eine Aufgabe nach der anderen - das geht immer."
Es sei jedoch ein Lernprozess gewesen, Dinge abzugeben und Unterstützung vom Partner einzufordern. "Nach der Geburt unseres Sohnes dauerte es sicher zwei Jahre, bis wir Zuhause eine ausgewogene Aufgabenverteilung verwirklicht hatten," berichtet sie. Zu den Sitzungswochen nach Berlin begleite sie zur Zeit ihr Vater, der dort dann die Enkelin betreue. Der dreijährige Sohn bleibe beim Vater in Leinfelden, wo er den Kindergarten besuche. Damit das gemeinsame Familienleben angesichts der vielen Verpflichtungen nicht auf der Strecke bleibt, nimmt die Politikerin an Wochenenden, die zwischen zwei aufeinanderfolgenden Sitzungswochen stattfinden, keine Termine an: "Da bin ich dann auch kompromisslos."
Damit Eltern nicht nur Geld verdienen, sondern auch Karriere machen können, müsse sich in Deutschland noch einiges ändern, waren sich Judith Skudelny und die VBM-Frauen einig. Als vorbildlich lobte Skudelny ihre Heimatstadt Leinfelden-Echterdingen: Dort erkannten die Verantwortlichen, dass qualitativ hochwertige Kinderbetreuung ein Standortfaktor ist. Wartelisten für Betreuungsplätze geÂhörten in der Gemeinde auf den Fildern schon heute der Vergangenheit an.
Anderswo deckt das Angebot jedoch noch lange nicht den Bedarf. Der Verband berufstätige Mütter e.V. kämpft daher für den zügigen Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige und die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen. "Wir fordern gebundene, rhythmisierte GanztagsÂschulen, in denen sich Lern- und Entspannungsphasen abwechseln und die alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam bis in den Nachmittag hinein besuchen", sagte VBM-Frau Ulrike Plate "Trotz der angespannten Haushaltslage gibt es Spielräume in den meisten baden-württembergischen Kommunen. Es ist immer eine Frage der Prioritätensetzung", machte Skudelny den Frauen Mut. "Stellen Sie sich mit Ihren Anliegen bei den Politikerinnen und Politikern auf die Matte!"
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Der 1990 in Köln gegründete Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM) ist heute bundesweit mit 25 Regionalstellen aktiv. Der Zusammenschluss versteht sich als Lobby für berufstätige Mütter und kämpft für gesellschaftliche RahmenÂbedingungen, die auch für Frauen hierzulande die Vereinbarkeit von Beruf und Familie selbstverständlich machen. Dazu arbeitet der VBM mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zusammen, die ähnliche Ziele verfolgen. Außerdem bietet der Verband den Mitgliedsfrauen ein Netzwerk zum Austausch von Erfahrungen und zur gegenseitigen beruflichen oder familiären Unterstützung. Der Verband zeigt erfolgreiche Lebensmodelle berufstätiger Mütter auf und möchte damit anderen Frauen Mut machen, mit Kindern berufstätig zu sein.
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Datum: 10.05.2010 - 12:47 Uhr
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